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StartseiteCampus & KarriereAllein unter Frauen12.02.2008

Allein unter Frauen

Women@Work bringt Absolventinnen und Arbeitgeber zusammen

Um die besten Bewerber herauszufiltern, lassen sich Unternehmen eine Menge einfallen. So müssen sich angehende Controller am Hochseil entlanghangeln und zukünftige Key-Account-Manager steile Wände erklimmen. Bei Women@Work hingegen steht weniger der Spaß-Faktor als die konkrete Tätigkeit im Unternehmen im Vordergrund.

Von Svenja Üing

Bei Women@Work kommen die Absolventinnen mit den Firmen in Kontakt. (AP)
Bei Women@Work kommen die Absolventinnen mit den Firmen in Kontakt. (AP)

"Guten Morgen, mein Name ist Viktoria Hitzler, ich studiere Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik an der Fachhochschule Aalen."

Vorstellungsrunde im Workshop der Firma Rehau. Acht junge Hochschulabsolventinnen, alle aus technischen oder naturwissenschaftlichen Fächern, warten gespannt auf ihren Einsatz:

"Was ich mir von dem Workshop erhoffe, ist, das Bauteil an sich näher kennenzulernen, jeder hat’s schon mal gesehen, aber was wirklich dahinter steckt, weiß ich auch nicht."

Das "Bauteil" ist die Stoßstange eines PKW. Eine Stoßstange, silber lackiert, haben die Referenten gleich mitgebracht - als Anschauungsobjekt für die Fallstudie:

"In der Fallstudie, die wir mit Ihnen durchführen wollen, möchten wir gerne von Ihnen, dass sie die Aufgaben und die Arbeitsweisen solcher Systeme kennen lernen."

Mathias Klärner, selbst Ingenieur bei Rehau, erklärt die Aufgabe. Drei Stunden haben die Teilnehmerinnen, aufgeteilt in zwei kleine Teams, Zeit, eine eigene, völlig neuartige Stoßstange inklusive Scheinwerfer, Einparkhilfe und anderen Extras zu entwerfen. Tüfteln an konkreten Fragestellungen als Simulation des typischen Arbeitsalltags im Unternehmen. Während die jungen Frauen mit dem Brainstorming starten, beobachtet Personalreferent Thomas Bunke das Geschehen:

"Ich schau mir an, wie die Interaktion in der Gruppe ist, wie sich die Bewerberinnen geben, was für Lösungsvorschläge gegeben werden, wie die Kandidatinnen untereinander umgehen, wie methodisch rangegangen wird."

Am Ende wird Thomas Bunke gemeinsam mit seinen Kollegen Punkte vergeben - nicht nur für fachliches Wissen, sondern auch für die Zusammenarbeit im Team. Davon hängt ab, wer morgen zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird - und am Ende vielleicht sogar mit einem Vertragsangebot nach Hause geht. Denn das ist das Ziel von Women@Work: speziell Frauen aus technischen und naturwissenschaftlichen Fächern mit potentiellen zukünftigen Arbeitgebern zusammenzubringen. Die Idee dahinter ist dieselbe wie beim geschlechtergetrennten Schulunterricht, sagt Bunke:

"Aufgrund der Tatsache, dass keine Männer bei Women@Work sind, sind die Frauen schon präsenter. Einmal, was den Auftritt in der Fallstudie betrifft und auf der anderen Seite auch, was die Präsentation betrifft."

Und nicht nur das. Die Teilnehmerinnen erwarten auch, dass sich die insgesamt acht Firmen, die in diesem Jahr mitmachen, darunter SAP, Shell und Daimler, auf die Fragen und Wünsche der Absolventinnen auf besondere Weise eingestellt haben, sagt Inka Köper, die gerade ihr Diplom zur Wirtschaftsingenieurin gemacht hat.

"Jetzt sind die Unternehmen, die hier teilnehmen, darauf vorbereitet, dass hier Frauen sind und Frauen da noch mal andere Fragen haben, wie zum Beispiel welche Möglichkeiten gibt es im Unternehmen, wenn ich mal irgendwann Kinder bekommen sollte, wie kann ich wieder einsteigen in den Beruf, wie wird das organisiert vom Unternehmen."

In Deutschland sind hochqualifizierte Fachkräfte Mangelware - und da entdecken die Unternehmen gut ausgebildete Akademikerinnen neu. Für die ist das eine Chance, und der sind sie sich bewusst. Die Erwartungshaltung der jungen Frauen hat sich seit dem Start von Women@Work vor sechs Jahren geändert, beobachtet Event-Koordinatorin Nadine Broich:

"Jetzt mittlerweile ist es schon so, dass die einen ganz klaren Fokus haben, sie möchten auch natürlich diese Veranstaltung verlassen mit einem Angebot in der Tasche am besten. Und das ist einfach ein anderer Fokus als er noch vor zwei, drei Jahren war."

Anders als auf großen Absolventen-Messen mit Hunderten von Besuchern, können die 66 vorausgewählten Teilnehmerinnen des Bonner Recruiting-Events drei Tage lang mit ihrer Wunsch-Firma auf Tuchfühlung gehen. Neben der Fallstudie auch beim so genannten Rotating-Dinner und später am Abend in lockerer Runde. Und am Ende, das zeigt die Erfahrung aus den vergangenen Jahren, wird jede zweite von ihnen morgen mit mindestens einem Vertragsangebot im Koffer wieder nach Hause fahren.

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