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Am Nachmittag kein Unterricht, sondern toben

Ehrgeizige Pläne zur Ganztagsgrundschule in Hamburg

Von Verena Herb

Es gibt in der Nachmittagsbetreuung Gruppen, die Fußball spielen und andere, die Kochen.
Es gibt in der Nachmittagsbetreuung Gruppen, die Fußball spielen und andere, die Kochen. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

GBS steht für ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen. Bei diesem Konzept handelt es sich um eine pädagogische kostenlose Betreuung und: kein Unterricht am Nachmittag. Das Angebot ist freiwillig. Fast alle Schulen in Hamburg wollen auf das Ganztagsangebot umstellen.

Kurz vor Eins. Für heute ist der Unterricht an der Grundschule Schimmelmannstraße in Hamburg-Marienthal vorbei. Die Mädchen und Jungs haben gerade zusammen gegessen, nach Hause gehen sie aber noch nicht. 200 von 350 Kindern werden noch bis 16 Uhr in der Schule betreut. Denn die Grundschule in Marienthal ist eine von 30 Modellgrundschulen, die die sogenannte GBS bereits eingeführt hat. GBS steht für ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen. Bei diesem Konzept handelt es sich um eine pädagogische kostenlose Betreuung, also: Kein Unterricht am Nachmittag. Das Angebot ist freiwillig – Eltern können entscheiden, ob sie ihre Kinder beispielsweise auch nur an bestimmten Tagen in der Woche ganztägig in der Schule lassen. Auch die achtjährige Sophie, Tochter von Marcus Bartels, Vorstand des Elternrats der Schule, bleibt vier Tage in der Woche bis zum Nachmittag in der Schimmelmannstraße:

"Ein Highlight ist zum Beispiel das Kochen. Fußballspielen – meine Tochter spielt Fußball. Die machen eine Theatergruppe, wichtig auch immer wieder: einfach nur freies Spielen in Gruppen. Was auch immer. Oder auf dem Schulhof toben. Wir haben sehr viele Bewegungsgeräte auf dem Schulhof, damit wird rumgefahren. Sehr, sehr viele Aktivitäten."

Ursprünglich wollte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe, SPD, das offene Ganztagsbetreuungssystem flächendeckend an allen Grundschulen bis zum Schuljahr 2013/2014 durchsetzen, was zu Protesten von einzelnen Elterngruppierungen führte. Die Politik ruderte zurück, stellte es den Grundschulen frei, ob sie die offene Ganztagsbetreuung einführen wollen. Heute legte Ties Rabe die neuen Zahlen vor: Zum kommenden Schuljahr werden 44 Schulen die ganztägige Betreuung anbieten, 71 weitere haben beantragt, im Schuljahr 2013/2014 zu folgen. Damit hatte selbst der Bildungspolitiker nicht gerechnet:

"Wir waren in der Tat überrascht. Alle – fast alle Schulen wollen und zwar möglichst ganz, ganz schnell. Wir werden im nächsten Jahr wahrscheinlich von 204 Schulen 197 mit Ganztagsangeboten haben. Das ist schon ungewöhnlich."

Eine Quote von 97 Prozent. Die Schule Schimmelmannstraße arbeitet bei der Nachmittagsbetreuung mit dem Kita- und Hortträger im Stadtteil zusammen. Das entspricht dem Prinzip des GBS-Systems: Kooperation mit den Einrichtungen des Stadtteils. Wie die Betreuung am Nachmittag aussieht, das entscheiden die Schulen gemeinsam mit den Elternvertretern und sozialen Trägern vor Ort. So will es die Politik. Ties Rabe:

"Die setzen sich zusammen und entwickeln Konzepte. In denen auch die vielen Angebote eines Stadtteils eine Rolle spielen sollen. Ich muss aber auch sagen: Wir haben jetzt eine so stürmische Entwicklung, dass man nicht sagen kann, wir knipsen den Lichtschalter an und haben die perfekte Ganztagsschule."

110 Millionen Euro jährlich wird Hamburg für die ganztägige Betreuung und Bildung an Schulen ausgeben – Geld aus dem Topf für die Hortbetreuung. Von einem flächendeckenden gebundenen Ganztagskonzept – das sind Schulen mit für alle Schüler verbindlichen Ganztagsangeboten – wie es die Bertelsmann-Stiftung in ihrer heute veröffentlichten Studie bundesweit empfiehlt, hält Senator Rabe gar nichts:

"Die gebundene Ganztagsschule bedeutet, jeder ist verpflichtet, teilzunehmen. Ich halte von solchen Zwangsmissionierungen gar nichts. Eltern wollen freiwillig entscheiden. Und sie tun das mit Begeisterung. Da brauchen sie keinen Zwang."

Doch bleibt nun erst einmal abzuwarten, ob die Schulen den zeitlich ambitionierten Plan auch umsetzen können. Dabei kommt es vor allem auf die Bereitschaft der Eltern und Lehrer an, gemeinsame Konzepte zu entwickeln. Und auch auf die praktische Umsetzung: In vielen Schulen fehlt zum Beispiel noch eine Kantine.

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