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StartseiteForschung aktuellAmalgam wesentlich besser als sein Ruf09.02.2005

Amalgam wesentlich besser als sein Ruf

Neue US-Studie untersucht die gesundheitlichen Auswirkungen von Zahnfüllungen

<strong> Medizin. - Amalgamfüllungen stehen seit Jahrzehnten im Verdacht, durch ihren Quecksilbergehalt Gesundheitsprobleme zu verursachen. Trotzdem setzen viele Zahnärzte sie weiterhin ein. Ist Amalgam nun gefährlich oder nicht? Mit dieser Frage hat sich jetzt das US-amerikanische Life Science Research Office beschäftigt: Ein Expertenteam wertete insgesamt 300 Studien aus, die seit 1996 durchgeführt worden waren, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Amalgamplomben zu untersuchen. Das Ergebnis: Amalgam ist wesentlich besser als sein Ruf. </strong>

Von Monika Seynsche

Sorgen vor Gesundheitsschädigungen durch Amalgamfüllungen sind wahrscheinlich unbegründet. (AP)
Sorgen vor Gesundheitsschädigungen durch Amalgamfüllungen sind wahrscheinlich unbegründet. (AP)

Die Quecksilberbelastung eines Menschen steigt mit der Anzahl seiner Amalgamplomben. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Literaturstudie des US-amerikanischen "Life Science Research Office". Darüber hinaus bewirken bestimmte Gewohnheiten wie Zähneknirschen oder das ständige Kauen von Nikotinkaugummis, dass mehr Quecksilber aus den Amalgamfüllungen austritt. Die Autoren der Studie fanden aber keine wissenschaftlich stichhaltige Beweise dafür, dass Amalgamplomben Gesundheitsschäden verursachen können.

Diese Ergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen.

Klaus Ott ist Professor für Zahnerhaltung am Universitätsklinikum Münster und leitet dort das Untersuchungszentrum Amalgam. Er und seine Kollegen untersuchen Patienten, die vermuten, dass ihre Gesundheitsprobleme auf Amalgamplomben zurückzuführen sind. Vor etwa fünf Jahren haben die Zahnmediziner die Krankenbilder aller Amalgampatienten miteinander verglichen.

Wir wollten wissen, was sich bei den insgesamt 200 Patienten, die sich hier bei uns vorgestellt hatten, in den letzten Jahren an Auffälligkeiten festzustellen ist. Dabei konnten wir jedoch kein charakteristisches Symptom, also keine charakteristische Auffälligkeit bei diesen Patienten feststellen.

Das häufigste Symptom bei den Patienten waren Kopfschmerzen. Darüber klagten fast 25 Prozent. Betrachtet man allerdings den Rest der Bevölkerung ist das nicht ungewöhnlich: etwa die Hälfte aller Deutschen leidet unter Kopfschmerzen.

Der kritische Punkt bei Amalgam - so würden auch wir es einschätzen - liegt in der etwaigen Amalgamallergie. Dabei muss man aber sagen, dass Allergien gegenüber Amalgam beziehungsweise dessen Bestandteile vergleichsweise selten sind.

Die heute üblichen Amalgamplomben bestehen zu etwa 50 Prozent aus Quecksilber. Bei einer Amalgamallergie reagiert der Körper überempfindlich auf dieses Quecksilber. Dadurch kann sich zum Beispiel das Zahnfleisch entzünden oder die Mundschleimhaut röten. Dann müssen die Amalgamplomben entfernt werden. Bei gesunden Patienten ohne Allergie spricht allerdings nach Ansicht von Klaus Ott wenig gegen Amalgamfüllungen:

Vorteil von Amalgam wäre sicherlich, dass es vergleichsweise einfach zu verarbeiten ist, dass wir insbesondere eine gesicherte Datenlage haben. Amalgamfüllungen haben eine erfreulich gute Prognose, also eine erfreulich gute Haltbarkeit. Als Nachteil könnte man die Tatsache ansehen, dass sie silbern glänzen, also nicht zahnfarben sind und dass Spuren von Quecksilber nachweisbar sind. Also: Man kann immer kleinste Mengen von Quecksilber im menschlichen Organismus nachweisen.

Hohe Quecksilberkonzentrationen im Körper können das Gehirn und die Niere schädigen. Toxikologen haben solche Quecksilbervergiftungen bei Menschen untersucht, die an ihrem Arbeitsplatz Quecksilberdämpfen ausgesetzt sind. Sie stellten Gesundheitsschäden bei den Arbeitern fest, die deutlich mehr als 35 Mikrogramm Quecksilber pro Liter Urin aufwiesen.

Regine Kahl ist Professorin für Toxikologie an der Universität Düsseldorf. Ihrer Ansicht nach sind Menschen mit Amalgamfüllungen nicht gefährdet, da sie wesentlich geringere Mengen Quecksilber im Urin haben als die belasteten Arbeiter:

Wir finden da Quecksilberausscheidungen von fünf Mikrogramm pro Liter, und da die zehnfache oder sieben- bis zehnfache Menge bei Arbeitern schon keine Krankheit mehr hervorruft, ist also logisch zu schließen, dass bei den Trägern von Amalgamfüllungen diese Erkrankungen nicht zu befürchten sind.

Trotzdem gibt es zahlreiche Menschen, die sich als amalgamgeschädigt bezeichnen und quecksilberhaltige Plomben für ihre Gesundheitsprobleme verantwortlich machen. Demgegenüber ist die Toxikologin ratlos:

Diese Leute scheiden so wenig Quecksilber aus, sind also so wenig quecksilberbelastet, dass wir keinen Zusammenhang zu einer Quecksilbervergiftung herstellen können. Vollständig wissenschaftlich ausschließen, dass ein Krankheitsbild auch bei sehr niedrigen Quecksilberbelastungen existiert, kann man das natürlich nicht.

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