• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 14:05 Uhr Campus & Karriere
StartseiteForschung aktuellAnbau im All02.06.2008

Anbau im All

Briten und Russen wollen die ISS vergrößern

<strong>Raumfahrt. - Die US-Raumfähre Discovery ist ins All gestartet, um die Internationale Raumstation (ISS) um das Forschungsmodul der Japaner zu erweitern. Doch damit ist der Aufbau der Station noch nicht zu Ende, geht es nach Russen und Briten.</strong>

Von Guido Meyer

Ein Eigenheim im All könnte das britische Habitation Extension Module bieten. (aer.bris.ac.uk)
Ein Eigenheim im All könnte das britische Habitation Extension Module bieten. (aer.bris.ac.uk)

Mit der Columbia-Katastrophe von 2003 schrumpfte die Zahl der Raumfähren-Flüge. Nur noch zehnmal werden Space Shuttles zur Internationalen Raumstation fliegen und diese weiter aufbauen. Aus dem Flugplan strich die amerikanische Raumfahrtbehörde alles, was aus ihrer Sicht nicht unbedingt nötig ist, zum Beispiel ein Wohnmodul für die Besatzung der ISS – und das, obwohl diese im nächsten Jahr von jetzt drei Astronauten und Kosmonauten auf dann sechs aufgestockt werden soll. Nasa-Chef Mike Griffin:

"Die Raumstation wird bis dahin groß genug sein, so dass die Mannschaft an den verschiedensten Stellen wird schlafen können. So können die Labore oder die Verbindungsknoten zum Nachtlager umfunktioniert werden. Und natürlich haben wir längst die sanitären Einrichtungen an Bord, die es der Crew erlauben, die Toilette zu benutzen und sich sauber zu halten. Wir haben festgestellt, dass wir das ursprünglich geplante Wohnmodul nicht brauchen, um eine sechsköpfige Mannschaft zu versorgen."

Was aber in diesen Tagen gebraucht wird, sind kosmische Klempner und Ersatzteile für eben diese Bordtoilette. In Europa schläft man außerdem gerne an einem festen Platz, auch im All. Hier wittert Großbritannien seine Chance, sich endlich aktiv an der ISS zu beteiligen, denn bislang bleibt das Vereinigte Königreich gemäß dem Willen der letzten Regierungen bei der bemannten Raumfahrt außen vor. Und so schlägt die Britische Interplanetare Gesellschaft nun zwei Wohnmodule für die Raumstation vor. Mark Hempsell von der Abteilung für Luft- und Raumfahrt-Ingenieurswissenschaften an der Universität von Bristol:

"Eines der Module, die wir stellen würden, wäre eine Art gemeinsamer Aufenthaltsraum, in dem die Astronauten beispielsweise Konferenzen abhalten könnten. Im zweiten gäbe es Schlafgelegenheiten für sechs Personen. Beide Module wäre durch ihre Hülle und Isolierung vor kosmischer Strahlung geschützt und wesentlich leiser als die Arbeitslabore im übrigen Teil der Station."

Etwa eine halbe Milliarde Euro würde die Entwicklung beider HEMs, der Habitation Extension Modules inklusive Start mit einer russischen Trägerrakete kosten. Da sie frühestens 2011 zur Verfügung stünden, könnten sie nicht mehr mit den Space Shuttles zur ISS geflogen werden, da diese in drei Jahren ausgemustert werden. Somit müssten die HEMs – als einzige Module der ISS – über eigene Triebwerke verfügen, mit deren Hilfe sie die Station ansteuern und von Zeit zu Zeit auf eine höhere Umlaufbahn heben. Mit ihren Sojus-Fregat-Raketen wollen die Russen auch noch ein oder zwei weitere Module ins All schießen, weiß Gerhard Thiele, der Chef des europäischen Astronautencorps.

"Die Russen haben in der Tat noch Module, die sie planen hoch zu schicken. Es gab jetzt gerade vor kurzem eine Mitteilung, dass diese Module auch kommen werden, wenn auch nicht zum ursprünglich angedachten Zeitpunkt. Aus meiner Sicht ist es nicht ausgeschlossen, wenn ein Partner einen Vorschlag hat, der ein echter Zugewinn für die Station wäre, dass dann auch die Station noch mit dem einen oder anderen Modul weiter wächst. Warum nicht?"

In ein oder zwei Jahren will die russische Raumfahrtbehörde zunächst ein Multi-Logistik-Modul starten, ein Mehrzwecksegment also, in dem Astronauten ebenfalls schlafen könnten und in dem Platz für Experimente sein wird. Außen auf dem Modul wird ein dritter Roboterarm installiert werden, den die europäische Weltraumagentur Esa zur ISS beisteuert. Ein weiteres, nahezu baugleiches Modul der Russen könnte wenige Jahre später folgen.

http://www.aer.bris.ac.uk/research/hem/

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk