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Anderen beim Zocken über die Schulter schauen

"Let's Play"-Videos sind ein Massenphänomen

Von Christian Schiffer

"Let's Play"-Videos sind im Internet ein Massephänomen geworden.
"Let's Play"-Videos sind im Internet ein Massephänomen geworden. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Gamer dokumentieren in "Let's Play"-Filmen ihr Spielerlebnis, stellen sie ins Internet und Zehntausende schauen sie sich an. Der Youtube-Kanal "Yogsvast" etwa hat über anderthalb Millionen Abonnenten und über 800 Millionen Videoaufrufe – es ist einer der erfolgreichsten Youtube-Kanäle überhaupt.

Ein dunkler Wald, wenig Licht, mysteriöse Geräusche, da kann einem so ein kleines Donnergrollen schon mal einen heftigen Schrecken einjagen, so wie hier Daniel Feith beim Zocken des Horrorspiels "Slender". Das Besondere: In seinem Fall kann sich die ganze Welt ansehen, wie dem Computerspieljournalisten das Herz in die Hose rutscht. Denn Daniel Feith hat das, was auf seinem Bildschirm passiert ist, gefilmt und ins Internet gestellt. "Let's Play"-Video nennt man so etwas dann, unter dem Youtube Kanal "Gametube" haben Daniel Feith und sein Co-Kommentator Dutzende solcher Videos hochgeladen. "Let's Play"-Videos sind im Internet ein Massephänomen geworden. Es gibt eben gute Gründe, anderen Leuten beim Computerspielen zuzusehen, sagt Daniel Feith:

"Ich kann mir im Internet Spiele in ihrer Gesamtheit ansehen, die ich mir selbst nicht kaufen will oder die ich mir noch nicht gekauft habe. Und auch bei Spielen, die ich selbst gespielt habe, kann ich dann sehen, wie andere Leute auf das Spiel reagieren. Oder ich schaue es mir wegen dem Unterhaltungswert an. Denn viele von den großen und talentierten 'Let's'-Playern in Deutschland und international sind deswegen so beliebt, weil die Kommentare von den Spielern hochinteressant sind."

"Let's Play"-Videos erinnern ein bisschen an den Regiekommentar zum Film, den man manchmal auf einer DVD findet. Nur, dass es hier nicht die Schöpfer selbst sind, die das Werk kommentieren, sondern die Spieler. Und von denen haben es einige schon zu großer Bekanntheit gebracht. Der Youtube-Kanal "Yogsvast" der von zwei Briten betrieben wird, hat über anderthalb Millionen Abonnenten und über 800 Millionen Videoaufrufe – es ist einer der erfolgreichsten Youtube-Kanäle überhaupt. Aber auch in Deutschland gibt es Let's Player, die viele Fans haben. Bekannte "Lets"-Player sind zum Beispiel Sarazar oder PeteSmit. Der aber wohl größte Star der Szene nennt sich "Gronkh".

Die Markenzeichen von "Gronkh": Eine tiefe Stimme und derber Humor. Über 700 "Let's-Play"-Videos hat er schon ins Netz gestellt, mehr als eine halbe Million Abonnenten zählt sein Youtube-Kanal. Zehntausende sind dabei, wenn "Gronkh" das erste mal beim Zocken des Rollenspielhits "Diablo 3" mit der Maus klickt.

Und alle verfolgen sie gebannt, wenn "Gronkh", in "Minecraft" ein sehr populäres Spiel, das ein bisschen an digitales Lego erinnert, minutenlang eine kleine Pixelkiste sucht.

Auch das macht den Reiz von "Let's Play"-Videos aus: Missgeschicke werden schonungslos dokumentiert. Es fühlt sich manchmal an wie zu Hause, wenn man sich vor Schadenfreude den Bauch hält, weil der grobmotorische Mitspieler jetzt schon zum dritten mal in die Schlucht gefallen ist. Daniel Feith fühlt sich trotzdem nicht unter Druck gesetzt, nur weil ihm jetzt plötzlich Tausende beim Zocken über die Schulter schauen:

"Auch das Scheitern gehört zum Spiel dazu, das kennen die Zuschauer. Und das finden die dann sehr witzig, dass wie, die wir ja auch keine Meister sind in den meisten Fälle, wie wir dann eben dann scheitert. Das ist Teil des Spiels und so muss man das auch kommentieren. Als wäre es einem zu Hause auf der Couch passiert."

Die Zuschauer sind amüsiert, die "Let's Play"-Macher werden im besten Fall zu Szenegrößen und verdienen Geld damit. Was aber sagen die Hersteller zu dem Phänomen Let's Play' Manch ein Hersteller ist nicht begeistert, wenn in Youtube-videos alles über das Spiel verraten wird, öffentlich darüber sprechen möchte aber niemand. Denn die Mehrheit steht dem Trend aber wohlwollend gegenüber. Das sagt auch Daniel Feith:

"Also wir haben noch von keinem gehört, dass er da unterbinden will, obwohl das urheberrechtlich alles etwas fragwürdig ist. Für die meisten Hersteller, vor allem für die Kleinen, ist 'Let's Play' eine Chance ihre Produkte publik zu machen. Weil wenn jemand wie Gronkh 50.0000 Abonnenten hat und er spielt ein relativ kleines Spiel, dann erreicht das schlagartig unglaublich viele Leute. Und manche Hersteller unterstützen das schon direkt und liefern ihre Spielemuster an die 'Let's'-Player aus, weil sie wissen: Wenn die Leute das Spiel spielen und das Spiel gut ist, dann wird es sein Publikum finden."

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