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Angst vor einer halbgaren Beichte

Lance Armstrong wird sich in einer als unkritisch bekannten US-Talk-Show erklären

Von Jürgen Kalwa

Musste alle Titel abgeben: Lance Armstrong.
Musste alle Titel abgeben: Lance Armstrong. (AP)

Lance Armstrongs mit Spannung erwartetes Interview mit der Talk-Show-Größe Oprah Winfrey, das am Donnerstag (17. Januar) ausgestrahlt wird, alarmiert die Kritiker des Texaners und die Opfer seiner jahrelangen Einschüchterungskampagen.

Das Bild aus dem Jahr 2005 spricht eine eindeutige Sprache. Es zeigt Lance Armstrong im Trikot des Discovery Teams. Neben ihm eine Frau, die lächelt und sich an ihn anschmiegt. Die beiden haben sich schon häufiger getroffen. Darunter in ihrer Talk Show, die so etwas wie die bedeutendste Psychologen-Couch der amerikanischen Nation ist. Sie heißt Oprah Winfrey und ihre sanfte Tour hat viel zu ihrem Erfolg beigetragen. Wenig allerdings zu ihrem Ruf als kritische Fragestellerin.

Und genau das ist der Grund, weshalb sich im Vorfeld ihres groß angekündigten Interviews mit Armstrong viele besorgt zu Wort melden. Seit Tagen rumort es vor allem unter jenen, die unter persönlichen Verlusten den Mumm aufbrachten, das Denkmal des Texaners ins Wanken zu bringen – Radrennfahrergattin Betsy Andreu etwa. Oder der irische Journalist und Buchautor David Walsh.

Beide ließen in den letzten Tagen über Facebook und Twitter jene Fragen zirkulieren, die sie stellen würden. Sie sind jedoch nicht mehr allein. Denn inzwischen erhob sich der Chor großer US-amerikanischer Zeitungen, die mit dem Schlimmsten rechnen: Einer halbgaren Beichte, in der Armstrong so gut wie nichts konkret erklärt und sich mit einer emotionalen Mea-culpa-Aussage zur tragischen Figur stilisiert.

Die Aufregung ist groß und erinnert an die Neugier von Schaulustigen, die sich an Drahtseilartisten ergötzen, insgeheim mit dem Schlimmsten rechnen, aber schon wissen, dass nichts passiert. Das wird sich alles nur um eine Person drehen, schrieben sowohl die "Chicago Tribune" als auch die "New York Daily News" in ihren Sonntagausgaben: um Armstrong selbst. Und um den Versuch, der Öffentlichkeit weltweit die eine Version der Geschichte anzudrehen, die keiner mehr glaubt. Seine.

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