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Angst vor Provokationen

Wie die jüdische Gemeinde Londons auf das verweigerte Opfer-Gedenken des IOC reagiert

Von Ronny Blaschke

Israelische Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking 2008
Israelische Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking 2008 (picture alliance / dpa - Kay Nietfeld)

In diesem Sommer jährt sich das Attentat eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelische Mannschaft während Olympia 1972 in München zum vierzigsten Mal. Die israelische Regierung und viele hochrangige Politiker wie US-Präsident Obama baten um eine Schweigeminute während der Eröffnungsfeier in London. Das Internationale Olympische Komitee lehnte ab.

Es ist ruhig im Jüdischen Museum von London, im nördlichen Stadtteil Camden. Die Direktorin Rickie Burman lädt zu einem Rundgang. Gleich im Foyer erwartet den Besucher eine Ausstellung über Ludwig Guttmann, den jüdischen Gründer der Paralympics. Sport sei derzeit ein wichtiges Thema in der jüdischen Gemeinde. Rickie Burman.

"’Ich bin sicher, dass viele Mitglieder unserer Gemeinschaft wütend, traurig oder beschämt sind, sagt Rickie Burman wegen der Entscheidung des IOC. Für uns alle wäre eine Gedenkminute während der Eröffnung wichtig gewesen.’"

Fast 300000 Juden leben in Großbritannien, nur die französische Gemeinschaft hat in Europa mehr Mitglieder. Die Vorfahren der meisten britischen Juden waren Ende des 19. Jahrhunderts aus Russland und Polen eingewandert. Nun diskutiert unter anderem die 1841 gegründete Zeitung Jewish Chronicle mögliche Gründe für die Verweigerung des IOC. Mehr als 50 muslimische Nationen gehören zur olympischen Familie. Stehen einige von ihnen einem Gedenken im Weg? Rickie Burman.

"’Diese Entscheidung hat uns nicht überrascht oder schockiert. Es gibt viele politische Fakten, die zu berücksichtigen sind. Das zeigt vielleicht die Entscheidung des IOC.’"

Am Montag hatte IOC-Präsident Jacques Rogge im Athletendorf überraschend eine Schweigeminute vor 100 Journalisten und Offiziellen abgehalten. Ein Kompromiss, der vielen Juden in England nicht weit genug reicht. Allerdings befürchten sie auch Anschläge oder Provokationen während der Spiele. Schon oft haben iranische Sportler Wettkämpfe gegen Israelis verweigert, zuletzt der Taekwondo-Kämpfer Mohammad Soleimani beim Finale der Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur, dort wäre er auf den Israeli Gili Haimovitz getroffen. Das IOC scheint nun kein Risiko eingehen zu wollen. Rickie Burman verweist stattdessen auf das Programm der jüdischen Gemeinschaft in London. Man habe sich viel einfallen lassen, um nicht von Sportfunktionären abhängig zu sein.

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