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StartseiteInformationen am AbendEs muss noch mehr getan werden16.09.2014

AntisemitismusEs muss noch mehr getan werden

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum fordert die deutsche Justiz auf, mehr gegen Judenfeindlichkeit zu tun. Die Muslime in Europa müssten sich stärker vom Antisemitismus distanzieren. Genau das tat der Koordinationsrat der Muslime und rief zu einem Aktionstag gegen Hass und Unrecht auf.

Von Claudia van Laak

Teilnehmer der Kundgebung «Steh auf! Nie wieder Judenhass!» des Zentralrats der Juden in Deutschland stehen am 14.09.2014 vor dem Brandenburger Tor in Berlin (picture-alliance / dpa / Maja Hitij)
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum fordert noch mehr Engagement gegen Antisemitismus (picture-alliance / dpa / Maja Hitij)
Mehr zum Thema auf deutschlandfunk.de:

Demo in Berlin - "Der globalisierte Antisemitismus" (Deutschlandfunk, Interview, 14.09.2014)

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Dank an Angela Merkel für ihre Rede auf der Antisemitismus-Kundgebung in Berlin - und doch hält das Simon-Wiesenthal-Zentrum den Kampf gegen den Antisemitismus in Deutschland für unzureichend. Die deutsche Justiz müsse konsequenter gegen islamistische Hassprediger vorgehen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Wiesenthal-Zentrums Rabbi Abraham Cooper heute auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt. Er nannte als Beispiel die antisemitische Hetzrede, die ein Imam im Juli in einer Berliner Moschee gehalten hatte.

"Wir waren ziemlich geschockt, dass jemand in Ihre Stadt kommen konnte, in ein Land, dass die strengsten Anti-Hass-Gesetze in Europa hat und zur Ausrottung der Juden aufgerufen hat. Er kam aus Dänemark, rief in Berlin zu einem Genozid an den Juden auf und fuhr wieder nach Hause. Nichts wurde getan."

Der Appell des US-Amerikaners richtete sich auch an die in Europa lebenden Moslems – sie müssten sich stärker als bislang von den Antisemiten in ihren eigenen Reihen distanzieren – und auch stärker vom Terror der Miliz „Islamischer Staat – IS".

"Teil des Problems ist das fast vollständige Verschwinden einer moderaten Stimme innerhalb des Islam. Die meisten von uns glauben, wir möchten es glauben, dass die meisten Moslems diese extremistische Ideologie nicht unterstützen. Aber da gibt es einen klaren Einschüchterungsfaktor, der dazu führt, dass diese Stimmen nicht laut genug zu hören sind."

"Ich bin Jude, wenn Synagogen angegriffen werden"

In Berlin war sie heute laut zu hören, die moderate Stimme des Islam - etwa zur gleichen Zeit und nur einen Steinwurf weit entfernt vom Veranstaltungsort des Simon-Wiesenthal-Zentrums. Der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland rief zu einem Aktionstag gegen Hass und Unrecht am kommenden Freitag auf. In mehr als 2000 Moscheen soll dem Extremismus eine Absage erteilt werden. Aiman Mazyk, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime:

"Um es auf den Punkt zu bringen.: Ich bin ein Jude, wenn Synagogen angegriffen werden. Ich bin ein Christ, wenn Christen zum Beispiel im Irak verfolgt werden und ich bin ein Moslem, wenn Brandsätze auf ihre Gotteshäuser geworden werden."

Nach Ansicht Mazyks können die muslimischen Religionsgemeinschaften nur wenig gegen jugendliche Dschihadisten ausrichten.

Diese radikalisierten jungen Männer kommen gar nicht in unsere Gemeinden, sagte auch der Vertreter der türkisch-islamischen Union Ditib, Zekeriye Altug. Der Kampf gegen Extremismus sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, mit dem Aktionstag wolle man allerdings ein klares Zeichen setzen.

"Wir erhoffen uns durch das Vorleben eines friedvollen Miteinanders in Deutschland auch eine positive Signalwirkung auf die Konflikte im Nahen Osten."

Der Koordinierungsrat der Muslime plant am Freitag Kundgebungen in acht deutschen Städten. Politiker wie Bundesinnenminister Thomas de Maziere oder Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit werden zu Gast in Moscheen sein.

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