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StartseiteNachrichten vertieftDie "zerklüftete Republik"19.02.2015

ArmutsberichtDie "zerklüftete Republik"

Als arm gilt in Deutschland aktuell, wer weniger als 892 Euro verdient. Und das sind immer mehr Menschen, stellt der neue Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands fest. Fast alle Bundesländer sind davon betroffen, manche mehr, andere weniger.

(picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Eine Rentnerin zählt ihr Geld (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Weiterführende Information

OECD zu Armut und Reichtum - "Deutschland steht sehr gut da"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 09.12.2014)

Statistisches Bundesamt - Armut beginnt in Deutschland mit weniger als 892 Euro
(Deutschlandfunk, Aktuell, 19.11.2014)

UNO-Entwicklungsbericht - Fast jeder dritte Mensch weltweit von Armut bedroht
(Deutschlandfunk, Aktuell, 24.07.2014)

In Bayern müsste man leben – alle, die schon immer dieser Meinung waren, dürften sich durch den aktuellen Bericht zur regionalen Armutsentwicklung einmal mehr bestätigt fühlen: Die Armutsquote ist hier zwar auch angestiegen, doch nur leicht auf 11,3 Prozent. Gefolgt von Baden-Württemberg (11,4 Prozent) führt der Freistaat die Rangliste an.

Am unteren Ende rangieren Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mit Armutsquoten deutlich über 20 Prozent. In der baden-württembergischen Region Bodensee-Oberschwaben muss jeder Dreizehnte zu den Armen gerechnet werden, in Bremerhaven jeder Dritte. Der Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands spricht von einer "zerklüfteten Republik".

Köln/Düsseldorf wird zur neuen Problemregion

Nur in Sachsen-Anhalt und Brandenburg gab es keine Zunahme. Brandenburg klettert damit vom 11. auf den 10. Rang. Sachsen-Anhalt verbleibt - mit seiner ohnehin überdurchschnittlichen Zahl (20,9 Prozent) - im Hinterfeld. Bundesweit ist die Quote 2013 von 15 auf 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – und hat damit einen neuen Höchststand erreicht.

Mit Blick auf einen längeren Zeitraum stehen Berlin und Nordrhein-Westfalen besonders schlecht da. In beiden Ländern sind die Quoten seit 2006 kontinuierlich gestiegen: Die Armut ist in diesem Zeitraum doppelt so stark gewachsen wie im Rest der Republik. Neben dem Ruhrgebiet könnte sich der Studie zufolge der Großraum Köln/Düsseldorf zu einer neuen Problemregion entwickeln.

Schwelle für relative Armut

Zur Berechnung Armutsquoten werden Personen in Haushalten gezählt, deren Einkünfte weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens betragen. Diese EU-weite Berechnungsform gibt die relative Armut an. 2013 lag die so errechnete Armutsschwelle für einen Singlehaushalt in Deutschland bei 892 Euro im Monat und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern bei 1.873 Euro. Der Paritätische ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.

Der regelmäßig erscheinende Armutsbericht wird auf Grundlage des staatlichen Mikrozensus berechnet, in dessen Rahmen jedes Jahr rund 390.000 Haushalte in Deutschland mit 830.000 Menschen befragt werden.

(bor/swe)

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