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StartseiteForschung aktuellAuf der Spur des Aids-Erregers30.10.2007

Auf der Spur des Aids-Erregers

Forscher entdecken Einzelheiten zur Verbreitung des HI-Virus

<strong>Medizin. - 1981 berichteten die Centers for Disease Control CDC der USA über eine eigenartige Form der Lungenentzündung, die durch Pilze ausgelöst wird und die sich bei den Betroffenen nicht behandeln ließ. Zwei Jahre später war der Grund gefunden: das Humane Immundefizienz-Virus, HIV. Jetzt berichten Forscher, wie der Erreger vermutlich in die USA gelangte. Der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide berichtet im Gespräch mit Marieke Degen über die Frühzeit der Aids-Epidemie.</strong>

Anhand historischer Blutproben erhellten Forscher jetzt den Weg des AIDS-Erregers. (amnh.org)
Anhand historischer Blutproben erhellten Forscher jetzt den Weg des AIDS-Erregers. (amnh.org)

Degen: Schon um 1966, so berichten Experten im Fachmagazin PNAS, soll das Virus wahrscheinlich von Afrika nach Haiti gelangt sein und von dort 1969 bereits in die USA. Herr Winkelheide, warum wurde die neue Krankheit Aids denn erst so spät entdeckt?

Winkelheide: Wir haben es ja heute einfacher, wir können zurückblicken und genauer hinschauen. Was heute bekannt ist, dass der Anfang der Aids-Epidemie in den dreißiger Jahren schon war. Man weiß, es ist in Zentralafrika entstanden, als bei einem Jagdunfall das Virus vom Affen auf den Menschen übertragen wurde. Und von dort aus ging es dann los in Zentralafrika. Man weiß auch, dass es in den siebziger Jahren in Afrika eine Krankheit gab, die so genannte Slim-Disease, also eine Form von Auszehrung. Das war bekannt, aber man hatte nicht nach den Ursachen gesucht und konnte so auch das Virus nicht finden. Man muss ja auch dazu sagen, dann 1981, als die Epidemie - wie heute vermutet wird - schon zwölf Jahre in den USA existierte und man die Ursache gesucht hat, brauchte man auch zwei Jahre, um tatsächlich die Ursache, also das Virus, zu finden. Möglich geworden ist das vor allem durch die neuen Methoden der Molekularbiologie.

Degen: Wie genau haben die Forscher denn die Wanderwege des Virus jetzt rekonstruieren können?

Winkelheide: Sie wollten vor allen Dingen wissen, wie ist das Virus in die USA gekommen. Denn da gab es verschiedene Hypothesen: die einen haben gesagt, möglicherweise sei es von Haiti gekommen, möglicherweise ist es aber auch genau umgekehrt gewesen. Die Forscher wollten es genau wissen, und um das herauszufinden, haben sie Blutproben untersucht aus den frühen achtziger Jahren. Damals, als die rätselhafte Krankheit Aids aufgetaucht ist, haben Mediziner Blutproben eingefroren in der Hoffnung, eines Tages das Rätsel zu lösen. Heute hat das geholfen, man hat Blutproben von Einwanderern aus Haiti und aus dem Rest der Welt wieder aufgetaut und das Virus darin untersucht. Daraus entstand ein Stammbaum - es wurde aus den Abweichungen der Viren untereinander ein Verwandtschaftsverhältnis hergestellt. Dazu muss man wissen, das HI-Virus ist sehr instabil und verändert sich ständig. Je länger es kursiert, umso stärkere Abweichungen gibt es unter den verschiedenen Stämmen. Daraus lassen sich Verwandtschaftsmodelle errechnen und ein richtiger Stammbaum zeichnen.

Degen: Und welchen Sinn hat es, die Geschichte von Aids zu erforschen?

Winkelheide: Zum einen lernt man mehr natürlich über die Geschichte der Krankheit, und man weiß jetzt, 1930 ist die Krankheit in Zentralafrika entstanden, 1966 nach Haiti gekommen, 1969 wahrscheinlich in die USA und dann hat es sich weltweit ausgebreitet. Man kann aber auch tatsächlich noch andere Sachen daraus lernen: man weiß, die Epidemie ist in Haiti sehr lange schon kursiert, seit etwa Mitte der sechziger Jahre, und die Varianz der Viren, die man heute dort findet, ist enorm groß. Und das hat Konsequenzen vor allen Dingen für die Entwicklung eines Impfstoffes. Denn man möchte ja einen Impfstoff finden, der gegen alle Virustypen schützt. Und zum anderen lernt man, wie schnell sich eine Epidemie ausbreiten kann, denn ein einziger Mensch hat das Virus in die USA gebracht - von dort aus hat es sich weltweit verbreitet. Und auch in Europa ist das Virus sehr präsent. Einen Hinweis der Forscher war eben auch, dass man testen sollte, wer ist infiziert und wer nicht. Das war auch ein Hinweis von der europäischen Aids-Konferenz: dort hat man gesagt, jeder zweite Infizierte in Europa weiß nicht, dass er infiziert ist, daran sollte man etwas ändern.

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