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StartseiteSonntagsspaziergangAuf Schritt und Tritt Geschichte21.05.2009

Auf Schritt und Tritt Geschichte

Der "Weg der Demokratie" in Bonn

Als Geburtsstadt der Bundesrepublik gilt die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn. Zum Kanzlerbungalow, der Villa Hammerschmidt oder ins Museum Ludwig - Auf einem Rundgang durch das alte Regierungsviertel der Rheinstadt können Touristen und Geschichtsinteressierte sich die Anfänge der Bonner Republik erlaufen.

Von Iris Völlnagel

Das Kanzlerbungalow in Bonn. (AP)
Das Kanzlerbungalow in Bonn. (AP)

"Wir stehen vor der Villa Hammerschmidt, ein ganz wichtiger Ort für die Bundesrepublik Deutschland, aber eben auch ein wichtiges Haus auf dem Weg der Demokratie. Wir befinden uns auf einem Rundgang hier im früheren engeren Regierungsviertel, zwölf ganz wichtige Stationen hat das Haus der Geschichte mit großen Tafeln markiert, auf denen auch ein charakteristisches Foto dieses Hauses zu sehen ist und ein kleiner Text zu lesen, so dass die Orte, die nach dem Umzug des Parlaments nach Berlin neue Funktionen bekamen, doch auch noch als ganz wichtig in Erinnerung bleiben, als die Wiege der Demokratie - die wichtigen Häuser der Bonner Republik."

Gisela Müller kennt sich in Bonn und seiner Geschichte gut aus. Regelmäßig führt sie Gruppen aus aller Welt durch das ehemalige Regierungsviertel. In den letzten Jahren hat das Interesse an den einst politisch wichtigen Orten stark zugenommen.

Kaum haben wir das große Eingangstor zur Villa Hammerschmidt passiert, verwandelt sich der Lärm der Adenauerallee in eine wohltuende Stille. Von einem großen Park mit alten Bäumen und blühenden Rhododendronbüschen umgeben, liegt die Villa Hammerschmidt majestätisch vor uns. 1950 wurde das herrschaftliche Anwesen von der Bundesregierung als Dienstsitz des Bundespräsidenten gekauft -und bis heute wird es als solcher genutzt. Ist Bundespräsident Köhler da, weht auf dem Dach die Standarte: Schwarzer Adler auf goldenem Grund, rot gerahmt. Für Besucher ist dann kein Einlass. Doch das ist heute nicht der Fall.

"Wir werden jetzt die Treppen hoch schreiten - typisch für ein gründerzeitliches Haus -, werden wir in den Empfangsraum kommen. Damals haben dann Journalisten da gestanden. Es wurden Fotos gemacht. Es wurde ganz offiziell begrüßt und der Gast trug sich dann natürlich auch ins Gästebuch ein."

Wenn man hier angekommen ist, dann ist man schon fasziniert von diesem Raum. Man kann gleich durchblicken auch auf die Terrasse und auf den Rhein, die Landschaft gibt dem Haus einen guten Rahmen. Wir stehen auf kostbaren Teppichen über Parkett. Die Wände sind hell. Der Treppenaufgang ist mit hellen Teppichen belegt - wenig Möbel. Und die Kunst spielt eine große Rolle im Haus. Das hatte sie von Anfang an getan, obwohl es als leeres Haus übernommen wurde.

Schon Elly Heuss-Knapp hatte sich im Sommer 1950 auf den Weg durch Deutschland gemacht und in Schlössern, Museen nach Kunst, nach Mobiliar gefragt. Und als zum ersten Mal hier ein Pressetermin war, konnte der neugewählte Bundespräsident Heuss den Journalisten sagen: Schauen sie sich um, das sind keine Angaben, das sind Leihgaben.

Und das ist bis heute so geblieben: Die Mahagonimöbel im Empfangsbereich stammen beispielsweise aus Kassel, aus dem Schloss Wilhelmshöhe. Mit dem Berlinumzug wurden viele Gemälde mitgenommen und neue dafür angeschafft.

"Wenn sie mir ins Kaminzimmer bitte folgen: der Raum, in dem der Bundespräsident unter vier Augen im kleinsten Kreis Gespräche führt. Das Protokoll ist klar geregelt. Wir stehen hier vor zwei Sofas, die sich gegenüberstehen. Der Bundespräsident nimmt in der Regel auf diesem Sofa Platz, das zum Garten hin weist in den Park, ihm gegenüber der Besucher. Ganz deutlich wird das auch auf dem Bild, was man hier ausgestellt hat: Papst Benedikt war während des Weltjungendtags zu Besuch, wurde hier von Präsident Köhler empfangen."

Auch heute noch ist die Villa Hammerschmidt Dienstsitz des Bundespräsidenten. Fünf Angestellte kümmern sich um die Belange des Hauses. Marion Scholl ist eine davon. Gerade sind noch die Handwerker mit Malerarbeiten zugange. Doch spätestens am 23. Mai, wenn zu den Feierlichkeiten viele Besucher kommen, muss alles tipptopp sein.

"Manchmal ist er vier mal im Monat da. Und dann kann es auch sein, dass er zwei Monate nicht kommt. Da wir jetzt die Bauphase hatten, konnten jetzt keine Veranstaltungen gemacht werden. Das Haus ist schon sehr klein. Da sieht man schon jeden."

"Wie ist das so?"

"Das ist angenehm. Und er gehört auch hier hin. Das ist sein Bonner Dienstsitz. Und wir sind froh, wenn Veranstaltungen hier stattfinden."

Der Park, der zur Villa Hammerschmidt gehört, ist riesig. Im hintersten Winkel, kurz vor dem Rhein, gibt es leicht versteckt eine kleine Aussichtsplattform. Von hier aus hat man einen schönen Blick über den Rhein, das ehemalige Abgeordnetenhochhaus Langer Eugen, das heute von der UNO genutzt wird, sowie dem Posttower, eines der Gebäude, die erst nach dem Wegzug der Regierung gebaut wurden und das neue Bonn symbolisieren.

Zurück an der Bundesstraße ist unser nächstes Ziel das Museum König, direkt gegenüber der Villa Hammerschmidt, auf der anderen Straßenseite. Im Innenhof, dem sogenannten Lichthof, ist eine afrikanische Savannenlandschaft aufgebaut, mit lebensgroßen Tieren wie Elefanten, Giraffen, Löwen und Zebras. Die Tiere waren vor 60 Jahren, als am 1. September 1948 die parlamentarische Versammlung hier tage, auch schon da.

"Dieser Lichthof war im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt worden - und bot einen idealen Rahmen für die Eröffnungsversammlung des parlamentarischen Rates: mit versteckten Tieren. Soweit es irgendwie ging, hat man sie zur Seite gerückt und die großen Giraffen, die jetzt immer noch hier in der Landschaft stehen, die wurden verhängt, damit dieser Festcharakter dieser wichtigen Eröffnungsversammlung nicht gestört wurde. Carlo von Schmidt hat hinterher immer gesagt, die Giraffen haben unseren Gründungsmüttern und -vätern über die Schulter geschaut."

Nach der Eröffnungszeremonie zogen die Gründungsväter und -mütter etwa einen Kilometer weiter in die Pädagogische Akademie. In der Aula des Lehrerseminars wurde das Grundgesetz erarbeitet. Am 1. Mai 1949 trat es in Kraft. Noch im selben Jahr wurde aus der Aula der Sitzungssaal des Bundesrats.

Da es in Bonn nicht viele brauchbare Gebäude gab, war das Museum König in den Anfangsjahren Heimat mehrerer Ministerien. Und auch Konrad Adenauer hatte hier sein erstes Dienstzimmer - bis das Palais Schaumburg, das sein Dienstsitz werden sollte, renoviert war.

"Hier im Museum gibt es einen schönen großen Raum, das Direktorenzimmer. Diesen Raum bezog Adenauer. Aber so richtig wohlgefühlt hat er sich hier nicht. Die Tierbälger strömten einen Duft von Chemikalien aus. Es erinnerte ihn zuviel an dieses zoologische Institut. Und er hat dafür gesorgt, dass die Arbeiten am Palais Schaumburg schnell vonstatten gingen. Das hatte allerdings zur Folge, dass der erste auswärtige Gast - das war der französische Außenminister Robert Schumann - in ein Haus kam, in dem noch gearbeitet wurde. Das heißt, Schutthaufen seien mit Laub bedeckt worden, so dass das alles noch nach etwas ausgesehen hat."

Vom Museum König, vorbei am Palais Schaumburg, führt der Weg entlang der Adenauerallee zum ehemaligen Bundeskanzleramt. Helmut Schmidt hatte es bauen lassen, weil das Palais Schaumburg viel zu klein war. Nach dem Regierungsumzug nach Berlin zog das Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein.

Von hier aus sind es nur noch wenige Schritte bis zum Plenarsaal des Deutschen Bundestags. Im Juli 1999 fand hier die letzte Sitzung statt. Heute ist das Parlamentsgebäude Veranstaltungsort vieler nationaler und internationaler Konferenzen. Die internationalen Organisationen, die inzwischen ihre Büros in den ehemaligen Regierungsgebäuden haben, haben dem Regierungsviertel ein ganz neues Flair gegeben. Das überrascht auch die Besucher immer wieder.

"Die neue internationale Komponente des Regierungsviertels, mit dem neuen Kongresszentrum, diese internationale Komponente, das habe ich nicht gewusst. Ich habe viele dieser Sachen im Fernsehen gesehen, als die Entscheidungen getroffen
wurden. Ich wusste nicht, dass es hier so nah beieinander ist: der Weg, dass man so schön das alles sehen und erlaufen kann. Und ich habe mir vorgenommen, dass ich den nochmals ganz bis zum Ende gehe."

Nach fast zwei Stunden sind wir am Ende des Weges ankommen. Wer noch Zeit hat, kann nun dem "Haus der Geschichte", wo viele Zeitdokumente zur deutschen Nachkriegsgeschichte ausgestellt sind, noch einen Besuch abstatten.

Internetlinks:

www.wegderdemokratie.de

www.bonn.de

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