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StartseiteCampus & KarriereAuslaufmodell Hauptschule27.10.2010

Auslaufmodell Hauptschule

Auch Niedersachsen will Gemeinschaftsschule einführen

Wenige Eltern schicken ihre Kinder noch auf die Hauptschule. Daher legen immer mehr Bundesländer Haupt- und Realschulen zur Gemeinschaftsschule zusammen. So auch in Niedersachsen. Damit soll auch der Streit mit den Anhängern von Gesamtschulen beendet werden.

Von Susanne Schrammar

Kommt statt der Gesantschule nun vermehrt die Gemeinschaftsschule? (AP)
Kommt statt der Gesantschule nun vermehrt die Gemeinschaftsschule? (AP)

Neben den Gymnasien und den integrierten Gesamtschulen soll es in Niedersachsen künftig nur noch einen weiteren Schultyp geben: Haupt- und Realschulen sowie kooperative Gesamtschulen sollen mittelfristig in der sogenannten Oberschule aufgehen. Die kann in einer Art Baukastensystem ab dem nächsten Schuljahr auch einen gymnasialen Zweig haben. Außer in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik würden die Schüler dort weitgehend gemeinsam unterrichtet. Erst in der neunten und zehnten Klasse soll der Unterricht in Hinblick auf die einzelnen Abschlüsse differenzierter gestaltet werden. Zwar können jetzt bestehende Haupt- und Realschulen in Niedersachsen auch weiter geführt werden. Doch für die CDU-geführte Landesregierung – die bisher das mehrgliedrige System verteidigt hat – ist die neue Oberschule ein großer Schritt. Kultusminister Bernd Althusmann, CDU:

"''Die Oberschule ist eine Schulform, die in den nächsten Jahren aus meiner Sicht tatsächlich an Attraktivität gewinnen kann. Langfristig gehen wir damit in Niedersachsen in den Weg der Zweigliedrigkeit.""

Die Landesregierung reagiert damit auf die dramatisch zurückgehenden Schülerzahlen im Flächenland Niedersachsen. Bis 2020 wird die Zahl der Schüler um ein Viertel auf etwa 700.000 zurückgehen. Schon jetzt unterschreiten 70 Prozent der Hauptschulen die Mindestgrenze von zwei Klassen pro Jahrgang. Vor allem in ländlichen Gebieten, so die Prognose, wird eine wohnortnahe Schulversorgung schwierig. Kommunalvertreter zeigen sich dem Modell der neuen Oberschule sehr aufgeschlossen gegenüber. Frank Klingebiel, Präsident des niedersächsischen Städtetags:

"Wir sind einen großen Schritt weitergekommen, aus meiner Sicht in die richtige Richtung. Ich begrüße vor allem aus kommunaler Sicht das Baukastensystem und die Flexibilität. Das Modell sieht auch den Zugang zur gymnasialen Stufe vor, insofern sind da, denke ich, wesentliche Bausteine, auf den Weg gebracht worden."

Selbst die Opposition im niedersächsischen Landtag hält das Konzept für "interessant" und verspricht eine eingehende Prüfung. Doch woran sie sich stört - genau wie Bürgermeister, Landräte, Eltern- und Gewerkschaftsvertreter: Die niedersächsische Landesregierung hält gleichzeitig an den relativ hohen Hürden für die Gründung von integrierten Gesamtschulen (IGS) fest. Bisher müssen parallel mindestens fünf Klassen für eine IGS bestehen und das vorausgesagt für 14 Jahre. Die FDP, so heißt es, sei hier der Hardliner. Nach einem Bildungsgipfel mit allen Beteiligten kommt jetzt offenbar Bewegung in die Debatte. Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP:

"In der Regel muss man ja feststellen, wenn die integrierten Gesamtschulen tatsächlich so groß nachgefragt würden, wie es immer suggeriert wird, dann wäre ja auch eine fünfzügige Gründung möglich. Wir haben aber natürlich die Situation, dass in einigen Gebieten Niedersachsens die Schülerzahlen zurückgehen und von daher wir da eventuell eine Vierzügigkeit ausnahmsweise genehmigen müssen."

In den neuen niedersächsischen Oberschulen soll die Klassenstärke auf maximal 28 Schüler herabgesetzt werden, außerdem wird mehr Geld in Ganztagesbetreuung und sozialpädagogische Förderung gesteckt. Ein Modell, sagt Kultusminister Bernd Althusmann, dass vielleicht auch Beispiel für andere Bundesländer werden könnte. Die Fraktionen von SPD, Grüne und Linke sehen darin allerdings eine massive Ungleichbehandlung gegenüber den von ihnen favorisierten integrierten Gesamtschulen. Von fairen Wettbewerbsbedingungen könne hier nicht gesprochen werden, sagt Frauke Heiligenstadt, schulpolitische Sprecherin der SPD:

"Ich hab eher den Eindruck, dass den integrierten Gesamtschulen hier mit dem Modell eher eine Konkurrenz, die noch stärker und besser ausgestattet werden soll, vor die Nase gesetzt werden soll."

Im Dezember soll das veränderte Schulgesetz mit den zusammengeführten Haupt- und Realschulen in den niedersächsischen Landtag eingebracht werden.

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