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Autobranche setzt weiter klimaschädliches Kältemittel R134a ein

Deutsche Umwelthilfe fordert Strafzahlungen

Von Dieter Nürnberger

Das Kältemittel 1234yf, auf das sich die Automobilbranche geeinigt hatte, ist auch nicht ohne: extrem giftig und hoch explosiv.
Das Kältemittel 1234yf, auf das sich die Automobilbranche geeinigt hatte, ist auch nicht ohne: extrem giftig und hoch explosiv. (Stock.XCHNG / Jenny Rollo)

Daimler will in seinen Fahrzeugen weiterhin das Kältemittel R134a verwenden. Damit schert Daimler aus einer Vereinbarung der Industrie aus, die den Ersatzstoff 1234yf für eine Alternative erklärt hatte. Das alte Mittel einzusetzen sei laut Umweltverbänden jedoch ein Rechtsbruch gegen die EU-Klimaschutzgesetze.

Wie realistisch ist das? Das ist eine Frage, die man heute noch nicht verlässlich beantworten kann. Denn da sind viele Akteure beteiligt. Das Unternehmen Daimler führt seit Bekanntgabe der eigenen, negativen Untersuchungsergebnisse hinsichtlich des unsicheren Kältemittels 1234yf Gespräche – zum einen mit der EU-Kommission, die den rechtlichen Rahmen vorgibt, auch mit dem Kraftfahrzeug-Bundesamt, welches für die Zulassung zuständig ist. Daimler will auf das bisherige alte und deutlich klimaschädlichere Kältemittel 134a zurückgreifen, bis auf Weiteres, wie Unternehmenssprecher Christopf Horn erklärt.

"Wir sprechen ja mit der EU über eine mögliche Lösung. Ich betone aber, dass es auch andere Hersteller gibt, die durch eine frühzeitige Zertifizierung ihrer Fahrzeuge dieses Mittel auch weiter einsetzen können. Bis zum Jahr 2016 kann das alte Kältemittel weiterhin eingesetzt werden."

Die Deutsche Umwelthilfe hatte in der Vergangenheit stets auf die Gefahren des neuen Kältemittel 1234yf hingewiesen. Die Warnungen hätten sich nun zum wiederholten Mal als begründet herausgestellt: In bestimmten Situationen ist das Kühlmittel entflammbar. Und wenn dies geschieht, dann kann sich hochätzende und giftige Flusssäure bilden – eine Gefahr für die Autoinsassen und auch für Rettungskräfte.

1234yf sei so gut wie tot, sagt deshalb Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Umwelthilfe. Andere Autohersteller müssten nun dem Beispiel von Daimler folgen. Der Verkauf und der Einsatz des neuen Kältemittels verliefen hierzulande ohnehin schleppend, Resch schätzt, dass Daimler nun eine Rückrufaktion für ein paar Hundert Fahrzeuge starten wird, bei denen das Mittel bereits eingesetzt wurde. Dass aber Daimler nun beabsichtigt, das alte Mittel 134a wieder zu verwenden, erzürnt Jürgen Resch.

"Das verstößt eigentlich gegen Klimaziele der EU und eine entsprechende Regelung. Die schreibt seit dem 1. Januar 2011 vor, dass nur noch weniger klimaschädliche Mittel eingesetzt werden dürfen. Aber da kommt nun wohl die normative Kraft des Faktischen zum Zuge. Theoretisch wäre es natürlich möglich, dass die Behörden die Zulassung solcher Fahrzeuge verweigern. Aber praktisch ist es nicht durchsetzbar, dass vielleicht ein Jahr lang keine Autos in Europa mehr zugelassen werden können."

Da gibt es somit unterschiedliche Interpretation der EU-Vorgaben. Resch befürchtet, dass die Automobilhersteller nun in Brüssel sozusagen mit den Muskeln spielen werden, um Konsequenzen zu vermeiden. Die Umwelthilfe plädiert deshalb für Strafzahlungen für die Autohersteller, um die Entwicklung klimafreundlicherer und sichererer Kältemittel schneller voranzutreiben. Jürgen Resch schwebt auch schon ein ganz bestimmter Betrag vor.

"Wir haben gesagt, wir nehmen jene sieben Gramm, die umgerechnet die Klimaanlage mit dem klimaschädlichen Kältemittel an zusätzlicher Klimalast bringt, als Grundlage. Nimmt man diesmal 95 Euro, dann ergibt dies eine Strafe von 665 Euro."

Ob es soweit kommt, muss aber abgewartet werden. In Fachkreisen gilt übrigens das natürliche Kältemittel CO2 als Alternative. Das wird auch von Daimler so gesehen, dennoch sei CO2 kein Allheilmittel, sagt Unternehmenssprecher Christoph Horn.

"Es ist sicherlich ein Mittel, welches man sich erneut anschauen muss. Aber auch CO2 hat nicht nur Vorteile. Die Nachteile betreffen den Einsatz in Kraftfahrzeugen, sie müssen hier deutlich höhere Drücke in den Anlagen fahren, das birgt auch Gefahren. Nach meinem Kenntnisstand ist auch so, dass das Mittel nach wie vor weltweit nicht überall zulassungsfähig ist."

Inzwischen hat auch der Hersteller des als gefährlich eingeschätzten Kältemittels 1234yf reagiert. Das Unternehmen Honeywell teilt mit, dass man nun erst einmal Gespräche mit Daimler abwarten will, auch deren Untersuchung genau analysieren will. Und natürlich habe der sichere Einsatz des Kältemittels oberste Priorität, so Honeywell.



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