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StartseiteUmwelt und VerbraucherVerbraucherbildung in Schulen17.02.2017

Baden-WürttembergVerbraucherbildung in Schulen

Handy-Gebühren, versteckte Kosten im Internet, Taschengeld - auch Schüler müssen Konsumentscheidungen treffen, die Tricks und Fallen beinhalten können. In Baden-Württemberg sollen künftig in allen Fächern Unterrichtseinheiten dazu angeboten werden - auf der Basis neuer Unterrichtsmaterialien der Verbraucherzentrale.

Von Thomas Wagner

Ein Schüler meldet sich einer Schule in Stuttgart während des Unterrichts.  (dpa/ picture alliance / Inga Kjer)
Erste Gehversuche in Sachen Verbraucherbildung werden wichtiger. (dpa/ picture alliance / Inga Kjer)
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Martina Häussermann ist Berufsschullehrerin in Esslingen. Verbraucherschutz-Themen im Unterricht - das ist für sie etwas ganz Wichtiges.

"Für unsere Schüler ist das insofern wichtig, weil gerade in unserer Zeit die Tricks und die Fallen sehr, sehr groß sind. Also das geht von Dispositionskrediten, in die die grade volljährigen Schüler reinrasseln. Wir haben ein Schneeballsystem an der Schule. Da muss man die Schüler einfach aufklären."

Genau das haben jetzt auch die Verbraucherzentralen in den Bundesländern erkannt. Mathe-Unterricht einmal anders. Eckhard Benner, Teamleitung Verbraucherbildung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, blättert in den neuen Unterrichtsmaterialien für die Klassenstufen fünf und sechs:

"Was theoretisch und abstrakt klingt, kann man sehr gut an einem Beispiel mit Handy-Verträgen aufzeigen: Das sind drei unterschiedliche Verträge. Und die Schülerinnen und Schüler gehen sehr unterschiedlich mit ihren Handys um: Der eine telefoniert mehr, der andere schickt SMS, der nächste ist mehr im Internet unterwegs."

Neuen Unterrichtsmaterialien der Verbraucherzentrale

Wie Gebühren ins Verhältnis zu dem unterschiedlichen Nutzer-Verhalten setzen? Wie herausfinden, welcher Vertrag am besten zu einem selber passt? All das sollen die Schülerinnen und Schüler in der Mittelstufe zukünftig lernen - auf der Basis der neuen Unterrichtsmaterialien der Verbraucherzentrale. Und solche Materialien haben die Fachleute dort bereits für Grundschüler entwickelt:

"Unser Material heißt ganz klassisch: dem Preis auf der Spur. Wie teuer ist zum Beispiel eine Süßigkeit, die ich kaufen will, tatsächlich pro Einheit? Kann ich das mit anderen vergleichen?"

In Baden-Württemberg sollen solche Unterrichtseinheiten zum Verbraucherschutz zukünftig in allen Fächern angeboten werden - und in allen Schularten; so sieht es der neue Bildungsplan vor. Doch auch in vielen anderen Bundesländern wird Verbraucherschutz zunehmend zum Thema in den Schulen.

"Schleswig-Holstein hat beispielsweise ein eigenes Fach 'Verbraucherbildung' in der Sekundarstufe 1 entwickelt. Es gibt ähnliche Ansätze wie hier in Baden-Württemberg beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Da wird fachübergreifend das Thema Verbraucherbildung umgesetzt, ebenso in Berlin und Brandenburg. Bayern ist mit dem Fach 'Verbraucher-Profi' mit dabei, hat aber auch fachübergreifende Ansätze", weiß Vera Fricke, Referentin für Verbraucherkompetenz bei der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2013

Ausgangspunkt für all diese Projekte ist ein Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2013. Inhalt: Mehr Verbraucherbildung in den Schulen ist ein Muss - die Bundesländer haben aber freie Hand bei der Umsetzung. Für Vera Fricke sind erste Gehversuche in Sachen Verbraucherbildung fast genauso wichtig wie Einmaleins und ABC.

"Da Kinder und Jugendliche fast tagtäglich mit ganz verschiedenen Konsumentscheidungen konfrontiert werden, mit einem Handy-Vertrag beispielsweise oder auch mit der Frage, nutze ich das Essens-Angebot in der Mensa oder nehme ich einen Snack von zuhause: Wirkt sich das auf mein Taschengeld beispielsweise aus? Haben Kinder und Jugendliche ganz früh mit Konsumthemen zu tun. Und da sensibilisiert zu werden, die Möglichkeiten, die man hat, das ist grundlegend."

Doch die Verbraucherzentralen sind nicht die einzigen Institutionen, die an den Schulen aktiv werden. Mit gewisser Sorge stellt Vera Fricke von der Verbraucherzentrale Bundesverband eines fest:

"Wir beobachten sehr stark, dass vermehrt Wirtschaftsakteure, als Unternehmen, in Schulen gehen und dort mit Unterrichtsmaterialien und Lehrkräftefortbildung, aber auch mit eigenen Themen, Verbraucher-Bildungsthemen aufgreifen. Und wir da schon ein Fragezeichen setzen."

Material-Kompass der Verbraucherzentrale Bundesverband

Ein Fragezeichen insofern, weil Vertreter von Unternehmen, darunter häufig Banken, bei Unterrichtseinheiten in der Schule zwar Verbraucherthemen aus erster Quelle darstellen, manchmal aber eben sehr stark interessensgebunden: Ein Banker, der vor der Schulklasse über die Grundlagen der Geldpolitik informiert, verweist schon mal gerne auf die Anlagemöglichkeiten seines eigenen Hauses. Das gilt auch für Unterrichtsmaterialien solcher Unternehmen. Die wurden aber auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis lässt sich, so Vera Fricke, im sogenannten Material-Kompass der Verbraucherzentrale Bundesverband ablesen.

"Deswegen haben wir auch mit dem Materialkompass dieses Instrument entwickelt, wo Unterrichtsmaterialien geprüft werden, um zu schauen: Sind die sachlich inhaltlich korrekt? Um da die Spreu vom Weizen zu trennen."

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