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StartseiteSprechstundeBildgebende Verfahren bei psychischen Erkrankungen02.06.2009

Bildgebende Verfahren bei psychischen Erkrankungen

Einer der interessantesten Programmpunkte des diesjährigen Hauptstadtkongresses "Medizin und Gesundheit" war der Blick in die Zukunft künftiger Methoden der Diagnose und Therapie. Die bildgebenden Verfahren, mit denen in der Psychiatrie und Nervenheilkunde Aktivitäten bestimmter Hirnareale festgestellt werden können, sollen in ferner Zukunft auch in der Therapie eine entscheidende Rolle spielen.

Von Wolfgang Noelke

Psychische Erkrankungen können biologische Ursachen haben. (Stock.XCHNG / Miranda Knox)
Psychische Erkrankungen können biologische Ursachen haben. (Stock.XCHNG / Miranda Knox)

Die Ursache vieler psychische Erkrankungen seien körperliche Erkrankungen sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Prof. Frank Schneider. Damit meint er nicht das bereits bekannte Phänomen, dass beispielsweise eine Depression oder Suchterkrankung auch vom Leidensdruck einer langjährigen somatischen Erkrankung, beispielsweise als Folge des Schocks während einer Krebserkrankung ausgelöst werden kann. Auch ganz ohne diese äußeren Anlässe könnten psychische Erkrankungen ausbrechen, weil sie überwiegend eine somatische, also eine biologische Ursache haben:

"Was ich meine, sind Stoffwechselveränderungen im Gehirn, die dann spezifisch zu Erkrankungen, wie Suchterkrankungen oder Schizophrenie führen. Bei der Alkoholkrankheit ist inzwischen klar, dass es eine hohe genetische Komponente gibt. Das bedeutet, wenn die Eltern oder in den Eltern-Generationen eines betreffenden Patienten jemand alkoholkrank war, dass dann der Nachkomme ein sehr hohes Risiko hat, auch alkoholkrank zu werden, im Vergleich zu jemanden, der diese hohe familiäre Belastung nicht hat."

Ein sogenanntes Sucht-Gen hat man aber noch nicht entdeckt. Der Kernspintomograph zeigt jedoch die biologisch bedingte Reaktion. Bei Alkoholkranken wird das Verlangen nach Alkohol sichtbar, weil die Hirnregion des sogenannten Mandelkerns in dem Moment stärker durchblutet ist, wenn der Patient dem Geruch von Alkohol ausgesetzt wird. An der Stärke der Aktivität jener Hirnregion lässt sich nicht nur der Therapieerfolg messen, auch die Patienten können mit Hilfe des sogenannten Biofeedbacks ihre eigenen körperlichen Reaktionen trainieren, also in diesem Beispiel auch ihre Unempfindlichkeit gegenüber Alkohol:

"Die Körpervorgänge, die ich hier meine, sind Blutflussveränderungen in ganz bestimmten Hirnregionen. Das macht man in der Regel auch mit Spielen, in dem wir Patienten oder auch Gesunde in solche Scanner reinlegen und dass durch bestimmte Computer die Patienten die Durchblutung ihrer Hirnregionen zurückgemeldet bekommen. Das kann zum Beispiel durch einen Flug einer Rakete sein, die symbolisch die Veränderung in bestimmten Hirnregionen darstellt. Das kann sein, durch bestimmte Grafiken, wo Balken hochschwellen und abschwellen. Also da gibt es verschiedene Techniken. Wir wissen aber inzwischen, dass es grundsätzlich möglich ist, dass Menschen ihre regionale Hirnaktivität herauf- und herab regulieren können. Das wollen wir künftig in der Therapie einsetzen, gerade bei depressiven Patienten, bei Angstpatienten, aber auch bei Psychosekranken."

Deren individuelle Strategien, welche die Patienten wählen, um ihre Hirnregionen unter Kontrolle zu haben, - so hofft Prof. Schneider könnte eines Tages ein verlässlicher Therapieerfolg sein:

"Im Ergebnis ist es so, dass wir die Probanden ermutigen, auch diese Technik außerhalb des Scanners anzuwenden. wenn jemand Höhenangst hatte, dass er dann auf dem Berg, auf dem Turm ist und dann genau diese Technik anwendet, die damit assoziiert ist - oder genauer gesagt, klassisch konditioniert ist, mit der Verarbeitung dieser angstinduzierenden Reize. Wenn Sie überlegen, wie viel Leid viele psychische Erkrankungen über die Menschen bringen und auch über ihre Angehörigen bringen, wenn Sie überlegen, wie viel Geld auch in die Pharmako-Therapie geht, in die Psychotherapie reingeht, dann ist es durchaus gerechtfertigt, über ganz alternative Dinge nachzudenken. Ob wir das dann langfristig in klinischen Studien zeigen können, dass so was effektiv ist, dass es wirklich Patienten hilft, das weiß ich heute auch noch nicht."

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