• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 22:05 Uhr Musikjournal
StartseiteForschung aktuellPottwale lernen Dialekte09.09.2015

BiologiePottwale lernen Dialekte

Wenn Pottwale untereinander mit Klicklauten kommunizieren, verwenden sie Dialekte. Das fanden kanadische Forscher heraus. Tiere verschiedener Clans produzieren nicht nur ähnliche Klicklaute, sie verhalten sich auch ähnlich.

Von Joachim Budde

Eine Pottwalkuh mit ihrem Kalb (imago / Westend61)
Schon von klein auf lernen junge Pottwale den Dialekt ihres Clans. (imago / Westend61)
Mehr zum Thema

Biologie Ein Sinn für Wale

Die Kultur der Wale

Pottwale benutzen Klicklaute, um Futter zu finden - wie mit einem Echolot orten sie Beutetiere. Doch auch wenn sie nicht auf der Jagd sind, bilden sie charakteristische Tonfolgen aus diesen Klicks, sagt Mauricio Cantor von der Dalhousie University im kanadischen Halifax:

"Wir glauben, die Tiere kommunizieren mit dem Klicken. Dann nutzen sie feste Muster aus immer gleichen Klicks, die wir als Codas bezeichnen."

18 Jahren lang haben die Wissenschaftler jedes Jahr Wale rund um die Galapagosinseln vor der Küste Ecuadors beobachtet - zwei bis vier Wochen lang, rund um die Uhr. Dabei haben sie auch die Klicklaute aufgenommen. Um einzelne Tiere auseinanderzuhalten, fotografierten die Forscher ihre Schwanzflossen, denn die Fluken sind einzigartig wie Fingerabdrücke.

Clans mit typischen Klickfolgen

Anhand dieser Daten sahen sie, dass weibliche Pottwale Gruppen bilden, die über Jahre zusammenbleiben: rund ein Dutzend Tiere; Großmütter, Mütter, Tanten, Schwestern und ihre Jungen. Und sie hörten: Die Tiere einer solchen Gruppe benutzen dieselben Codas. Schon die Jungtiere lernen die Klickfolgen.

"Offenbar koordinieren die Tiere zum Beispiel ihre Tauchgänge damit. Sie klicken zudem, wenn sie an der Wasseroberfläche ruhen oder sich aneinander reiben. Einzelne Tiere könnten sich damit zu erkennen geben oder zeigen: Ich gehöre zu dieser Gruppe und nicht zu der anderen."

Diese Klick-Codas teilen die Tiere nicht nur mit den Verwandten des Familienverbandes. Immer wieder schließen sich die familiären Gruppen für die Dauer von ein paar Stunden bis zu wenigen Tagen mit anderen Familien zusammen, die denselben Klick-Dialekt benutzen. So bilden sie Clans von mehreren Tausend Tieren.

"Manche Clans verwenden gleichmäßige Codas: 'Klick, Klick, Klick', oder 'Klick, Klick, Klick, Klick'. Einen berühmten Clan nennen wir 'Plus eins', denn die Tiere machen vor dem letzten Klick ihrer Codas eine Pause, also 'Klick, Klick, Klick [Pause] Klick'. Die Codas unterscheiden sich also im Rhythmus und am Ende."

Die Tiere der verschiedenen Clans machen nicht nur ähnliche Klicklaute, sie verhalten sich auch ähnlich, sagt Mauricio Cantor.

"Die Wale des einen Clans jagen eher in geraden Linien, die anderen nutzen einen Zickzack-Kurs. Sie unterscheiden sich auch im Sozialverhalten, in einem Clan halten die Beziehungen länger als im anderen. Und sie ziehen unterschiedliche Beutetiere vor."

Soziales Lernen bei Walen

18 Jahre Beobachtung sind eine lange Zeit, aber sie genügt nicht, um die Entstehung der Codas zu erklären. Deshalb fütterten Mauricio Cantor und seine Kollegen einen Computer mit den Daten ihrer Beobachtungen und ließen den Rechner neun Szenarien simulieren: Ob die Muster angeboren waren, ob die einzelnen Kälber sie nur von ihren Müttern lernen oder von größeren Gruppen oder ob der Zufall dahintersteckt. Nur eines passte zu ihren Beobachtungen, sagt der Meeresbiologe:

"Damit sich Pottwale, die in einer Region zusammenleben, in Gruppen mit verschiedenen Dialekten aufteilen, muss soziales Lernen eine Rolle spielen."

Mithilfe der Klick-Codas finden Pottwal-Familien schnell zueinander, die nicht zwangsläufig miteinander verwandt sind, aber sich ähnlich verhalten. Auf diese Weise können sich solche Tiere leichter zusammenschließen und effektiver jagen. Wenn sich Wale mit demselben Klicken treffen, wissen sie, dass sie zueinander passen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk