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Seit 04:00 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und VerbraucherBlick in die Zukunft der Bausanierung12.03.2012

Blick in die Zukunft der Bausanierung

Plusenergiehäuser erzeugen mehr Energie als sie verbrauchen

Sie könnten schon bald die Baustandards revolutionieren: Plusenergiehäuser erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen. In Darmstadt wurde nun erstmals ein ganz normales Wohnhaus zum Plusenergiehaus umgebaut.

Von Pia Grund-Ludwig

Auch Altbauten können in Plusenergiehäuser verwandelt werden. (picture alliance / dpa -  Robert B. Fishman)
Auch Altbauten können in Plusenergiehäuser verwandelt werden. (picture alliance / dpa - Robert B. Fishman)
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Ideen für umweltfreundliches Bauen

Nach dem Willen der EU gehört die Zukunft sogenannten Nullenergiehäusern. Sie sollen bei neuen Gebäuden der Baustandard der Zukunft sein. Für die Energiewende bringt das allerdings nicht viel, weil der größte Teil des Energieverbrauchs nicht auf neue Gebäude, sondern den Bestand entfällt. 40 Prozent der Primärenergie fließen in die Beheizung von Gebäuden. Es kommt also darauf an, Lösungen zu finden, die für bereits bestehende Gebäude architektonisch ansprechend sind, wenig Energie verbrauchen und vor allem auch bezahlbar sind. Experten der Universität Darmstadt haben erstmals ein ganz normales Wohnhaus zum Plusenergiehaus umgebaut.

"Bei dem 'Energy+Haus' handelt es sich um die Sanierung oder Umwandlung eines bestehenden Gebäudes aus dem Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre eines sehr verbreiteten Gebäudetyps zu einem Haus hin, das nun keine Energie mehr verbraucht, sondern Energie erzeugt, also frei ist von sämtlichen Emissionen, vom CO2, kein Gas, kein Öl mehr benötigt und für uns ein Blick in die Zukunft ist, wie man mit den Gebäuden des Gebäudebestands umgehen kann","

erklärt Karsten Ulrich Tichelmann, Karsten Ulrich Tichelmann, Professor für Tragwerksentwicklung und Bauphysik am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt. Tichelmann war federführend bei der Sanierung des Gebäudes. Ihm war es wichtig, kein wissenschaftliches Forschungsprojekt zu verwirklichen, sondern möglichst viel Praxisnähe zu erreichen.

""Wir haben eigentlich nur das gemacht, was man bei einer Gebäudesanierung ohnehin auch machen würde. Wir haben uns natürlich die Hülle angeschaut und die Hülle so gut wie möglich gedämmt, dort wo es sinnvoll ist und Sinn macht, wir haben dort, wo es bei diesem Haus Probleme mit dem Bereich Außendämmung gibt, dann auf alternative Maßnahmen wie Innendämmung zurückgegriffen. Wir haben uns ein bisschen mit der Gebäudetechnik beschäftigt, das heißt, dort eine kontrollierte Be- und Entlüftung nachträglich integriert und dann ein sehr modernes Heizungssystem in Form einer Wärmepumpe eingesetzt, die sich dann ausschließlich nur noch mit dem Strom, den das Gebäude selbst erzeugen wird, speisen wird."

Dach und Innenräume sind beim Umbau weitgehend erhalten geblieben, nur an wenigen Stellen sorgen nun größere Fensterflächen für mehr Licht.

"Uns war auch sehr wichtig, dass das Gebäude nachher wie ein sehr schönes Haus aussieht und nicht wie ein Gebäude, dass sehr als Plusenergiehaus oder energieeffizientes Haus hoch gezüchtet ist."

Deshalb sind Fotovoltaikmodule nicht auf dem Dach montiert, sondern in die Dachfläche integriert. So fallen sie weniger auf. Die Hälfte wird des Stroms wird für Hausgeräte und die Heizung mit einer Wärmepumpe verbraucht. Beim Energiekonzept hat sich Tichelmann an der Ökonomie orientiert und sich deshalb für das Heizen mit Strom und gegen Wärmegewinnung mit Solarkollektoren entschieden:

"Solarthermie hätte sich bei diesem Konzept aus wirtschaftlichen Gründen nicht gerechnet. Man hat höhere Investitionskosten als das, was man an Energie im Laufe der Lebensdauer des Gebäudes zurückbekommen kann."

Die Umbaukosten sind allerdings mit 1600 bis 1800 Euro pro Quadratmeter beträchtlich, betont Karsten Ulrich Tichelmann:

"Wir haben allerdings auch einen sehr hohen Ausbaustandard gewählt. Es gibt ein hohes Maß an Sensorik innerhalb des Gebäudes. Man hat einen sehr hohen Standard im Bereich des Ausbaus bei Wand- und Bodenbelägen und auch im Bereich der Bäder"

Das Interesse sei groß, nicht nur bei privaten Bauherren, sondern mittlerweile auch bei Wohnungsbauunternehmen. Professor Norbert Fisch, Direktor des Instituts für Gebäude- und Solartechnik an der Universität Braunschweig ist sicher, dass sich die Plusenergiebauweise auch in der Sanierung durchsetzen wird:

"Es ist notwendig, dass es nicht nur auf den Neubau begrenzt ist, sondern dass es vor allem auch in der Sanierung von einzelnen Häusern wie von gesamten Stadtquartieren angewandt wird, dieser Ansatz, mehr Energie auf dem Grundstück oder im Quartier zu erzeugen, als man in der Jahresbilanz benötigt. Das ist das große Potenzial, das wir insbesondere im Bestand dieses Thema umsetzen. Nur damit können wir letztendlich die Energiewende schaffen."

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