Umwelt und Verbraucher / Archiv /

 

Blick in die Zukunft II

Die OECD wagt eine Prognose zur Lage der Umwelt im Jahr 2050

Von Dieter Nürnberger

Die wachsende Belastung durch Feinstaub ist eine Sorge der OECD-Experten.
Die wachsende Belastung durch Feinstaub ist eine Sorge der OECD-Experten. (AP)

Schon vor vier Jahren, als die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Umweltausblick für das Jahr 2030 wagte, war der Tenor eindeutig. Ein schlichtes Weiter-so dürfe es nicht geben, so die damalige Einschätzung. Daran hat sich nichts geändert: Der Ausblick bis 2050 trägt den Untertitel "Die Konsequenzen des Nichts-Handelns".

Denn nur ambitionierte und zügig auf internationalem Level umgesetzte Maßnahmen könnten verhindern, dass Industrie, Schwellen- und Entwicklungsländer erheblichen ökonomischen und gesellschaftlichen Schaden nehmen. So würde beispielsweise - bei einem Weiter-So - der weltweite Primärenergieverbrauch 2050 um 80 höher liegen als heute. Für Umweltexperten ein Horrorszenario, denn der Anteil fossiler Energieträger im Weltenergiemix dürfte demnach steigen, mit der Konsequenz, dass 50 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen würden. Heino von Meyer, Leiter des OECD-Zentrums in Berlin.

"Der Primärenergieverbrauch wird sicherlich noch dramatisch zunehmen. Die Frage ist, was für Energie wir dafür nutzen. Hier arbeitet der Umweltausblick mit Projektionen unter der Annahme, dass die Dinge so weiterlaufen wie bisher. Da stellt sich klar heraus: Das ist eine Zukunft, die nicht lebbar für diesen Planeten ist. Insofern muss umgesteuert werden. Hin zu erneuerbaren Energien, hin zu Energieformen, die eben keine CO2-Emissionen verursachen."

2050 wird die Weltbevölkerung auf deutlich über 9 Milliarden Menschen zunehmen, derzeit sind es sieben Milliarden. Die prognostizierten Steigerungen bei den Treibhausgas-Emissionen hätten natürlich Folgen für den Klimawandel und die Luftverschmutzung. Nicht nur, dass das von Wissenschaftlern angestrebte Limit einer globalen Erderwärmung um lediglich zwei Grad nicht zu halten wäre, vor allem in den Städten würde die Luftverschmutzung für die Bewohner zu einer Gefahr.

"Vor 40 Jahren lebte ungefähr ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten, heute ist es etwas mehr als die Hälfte. Und in 40 Jahren werden es zwei Drittel sein. Wenn wir nichts tun, dann wird sich die Anzahl der vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub in den Städten verdoppeln - und hierbei geht es immerhin um fast 3,5 Millionen pro Jahr."

Der OECD-Bericht skizziert auch, dass bei Nichthandeln die Artenvielfalt an Land um weitere zehn Prozent abnehmen werde, betroffen davon vor allem Europa und Asien. In den Gewässern sei bereits heute ein Drittel aller Fischbestände ausgerottet oder extrem dezimiert. Gleichzeitig würde der weltweite Wasserverbrauch um mehr als die Hälfte steigen. Der OECD-Bericht wird in den kommenden Wochen und Monaten natürlich auch die Politik beschäftigen. Gefragt seien nun verbindlichere Abkommen zum Klima- und Ressourcenschutz, sagt Heino von Meyer, wohl wissend, dass dies in der Vergangenheit schwierig bis unmöglich war.

"Wir müssen insbesondere Umweltsteuern stärker einsetzen. Aber als ersten Schritt noch wichtiger ist es, umweltschädliche Subventionen abzubauen. Wenn wir täten, dann würde der CO2-Ausstoss bis 2050 um fast 10 Prozent niedriger ausfallen. Wir subventionieren ja immer noch fossile Energien, ihre Gewinnung und auch ihren Verbrauch."

Auch ein weltweit gesteuerter und kontrollierter Emissionshandel wird von den OECD-Akteuren ins Spiel gebracht.

Der Ausblick bis 2050 zeigt, dass in den kommenden Jahrzehnten unsystematische Einzelfortschritte, wie sie es bislang in Teilen der Welt mitunter auch gegeben habe, nicht mehr ausreichen. Der Umweltbericht fordert ein schnelles und koordiniertes Handeln.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Umwelt und Verbraucher

Energie-AnbieterEuGH stärkt Verbraucherrechte

Ein typischer Wechselstromzähler.

Deutsche Strom- und Gasanbieter müssen ihre Kunden vor einer Preiserhöhung künftig besser informieren. Das hat der Europäische Gerichtshof in einem Urteil festgelegt. Preiserhöhungen der letzten drei Jahre können Kunden zurückfordern, allerdings gibt es dabei einiges zu beachten, erklärt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher.

Indien Illegaler Sandabbau ist ein Milliardengeschäft

EU-KlimagipfelPolen schaut mit Sorge nach Brüssel

Polens Premierministerin Ewa Kopacz spricht im Parlament in Warschau. 

Um 40 Prozent sollen die CO2-Emissionen bis 2030 sinken, so der Vorschlag der EU-Kommission. Ob sie sich damit auf dem Klimagipfel in Brüssel durchsetzen kann, ist fraglich. Denn einige EU-Staaten wehren sich gegen strenge Vorgaben - darunter auch Polen.