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StartseiteUmwelt und VerbraucherUngerechte Verteilung08.01.2015

BodennnutzungUngerechte Verteilung

Die Böden der Welt sind fast so ungleich verteilt wie das Einkommen - das geht aus dem Bodenatlas hervor, den die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND sowie das Nachhaltigkeits-Institut Potsdam herausgeben. Denn Land ist ein Produkt für Investitionen und Spekulationen - und die hohen Bodenpreise können sich nur noch Agrarfonds und industrielle Großbauern leisten.

Von Philip Banse

Ein frisch bestelltes Feld mit den Drillfurchen im Ackerboden nahe der Stadt Usedom auf der Insel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern).  (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Immer mehr Boden weltweit wird in Ackerland verwandelt, um Futter und Nahrung zu produzieren. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Weiterführende Information

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Um den Boden müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen - das ist eine Erkenntnis, die man aus dem heute vorgestellten Bodenatlas ziehen kann. Der Atlas wurde erstellt von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz sowie vom Nachhaltigkeits-Institut in Potsdam. Land und Böden werden demnach immer knapper. In Deutschland etwa werden durch Städtebau und Straßen 70 Hektar Land verbraucht, jeden Tag - das sind mehr als 100 Fußballfelder. Auch weltweit werde immer mehr Land und Boden verbraucht, vor allem in Afrika und Südamerika werde immer mehr Boden in Ackerland verwandelt, um Futter und Nahrung zu produzieren - und zwar nicht nur für die Industrieländer, sagt Barbara Unmüßig, die Chefin der Böll-Stiftung:

"Die Nachfrage nach Land wächst massiv weiter und die Haupttreiber sind eben die Nachfrage nach Nahrungsmitteln vor allem durch die globalen Mittelklassen, die nichts anderes machen als dem Konsumstil der Industrieländer folgen. Die Nachfrage vor allem nach Fleisch Milch und Käse bedeutet nichts anderes, als dass vor allem Futtermittel für diesen Ernährungsstil der globalen Mittelklasse produziert werden."

Wenn Länder für ihren Konsum mehr Land benötigen, als sie selber besitzen, sprechen die Bodenexperten von Flächenimport. Größter Flächenimporteur weltweit sei die EU. Etwa 60 Prozent des für Nahrung, Energie und Konsum benötigen Landes liege außerhalb der EU. Ein Effekt dieser enormen Nachfrage nach Boden und Land sei, dass die Preise für Boden steigen.

"Land ist ein Produkt für Investitionen und Spekulationen geworden. Auch in Deutschland, das sind relativ neue Zahlen, ist der Preis für Land von 2007 bis heute durchschnittlich 57 Prozent gestiegen. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern."

Bodenverbrauch hat erhebliche Auswirkungen auf das Klima

Hohe Bodenpreise könnten sich nur noch Agrarfonds und industrielle Großbauern leisten. Kleinbauern würden verdrängt, sagt Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und heute Chef des Nachhaltigkeitsinstituts in Potsdam. Weltweit würden immer mehr Flächen für Futtermittel genutzt, um Fleischtiere zu füttern. Nahrungsmittel anzubauen sei immer öfter unprofitabel:

"Ich hatte vor kurzer Zeit mal die Gelegenheit, bei einem der größten deutschen Pommes-Frittes-Hersteller zu diskutieren, der mir dann sagt, sie können praktisch kaum noch Kartoffeln aus Deutschland kaufen, weil die Pachtpreise so hoch sind, dass die Flächen für solche Früchte nicht mehr verfügbar sind."

Teurer Boden sei längst zu einer Gerechtigkeitsfrage geworden. Nach Einkommen sei nichts auf der Welt so ungleich verteilt wie Boden, sagt der Bodenatlas. Der Bodenverbrauch habe auch erhebliche Auswirkungen auf das Klima, denn Boden sei nach den Meeren der größte CO2-Speicher. Barbara Unmüßig, die Chefin der Böll-Stiftung, fordert daher:

"Bodenschutz in all seinen sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimensionen braucht eine politische Offensive und gehört endlich auf die politische Agenda. 2015 ist ein gutes Jahr dafür."

Bewusstsein der Gesellschaft fehlt

Denn die UNO hat dieses Jahr zum Jahr des Bodens erklärt und will im Herbst Ziele festlegen, die die Weltgemeinschaft anzustreben hat, Bodenschutz müsse zu so einem Ziel erklärt werden. Deutschland müsse hier eine Vorreiterrolle spielen, forderte Hubert Weiger, der Chef des Bunds für Umwelt und Naturschutz. Die Bundesregierung habe sich da Ziel gesetzt, den täglichen Bodenverbrauch zu begrenzen auf 30 Hektar, aktuell sind es 70 Hektar, trotzdem würden weiterhin Autobahnen wie die A14 durch menschenleeres Gebiet bezahlt:

"Also ein Ende ist nicht abzusehen und wird vom Bund finanziert, der gleichzeitig das Ziel ausgibt, nicht mehr als 30 Hektar Landverbrauch pro Tag. Von daher fehlt in der Tat das Bewusstsein der Gesellschaft."

Das zu wecken, soll auch der Bodenatlas helfen, er kann auch für ganze Schulklassen kostenlos bestellt werden bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

 

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