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Chaos bei der Einführung von E10-Kraftstoff

Politik diskutiert über Sinn der Umstellung

Von Verena Kemna

E10-Schild an einer Tankstelle
E10-Schild an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)

Die Nachricht über die gestoppte Einführung der neuen Benzinsorte E10 kam wie ein Paukenschlag. Vom Markt verschwinden wird der neue Kraftstoff damit allerdings nicht, die Beteiligten bemühen sich um Schadensbegrenzung.

Eine zehnprozentige Ethanolbeimischung soll nach dem politischen Willen der Bundesregierung die CO2 Emissionen reduzieren. Für Umweltverbände wie den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ohnehin ein fragwürdiges Anliegen. BUND Verkehrsexperte Werner Reh spricht gar von einer Mogelpackung.

"Das Problem ist, dass E10 die Inanspruchnahme neuer Flächen bedeutet, dass zum Beispiel Grünlandumbruch gemacht werden muss und dass dabei CO2 Emissionen entstehen, die die Klimabilanz von E10 zunichte machen. So dass man fragen kann, ob denn überhaupt CO 2 gemindert wird. Es kann sogar sein, wenn man neue Flächen in Anspruch nimmt, dass die CO2 Emissionen ansteigen."

Soweit die kritischen Einwände der Umweltschützer. Für Axel Bülow vom Bundesverband freier Tankstellen dagegen, steht die positive Ökobilanz von E 10 außer Frage.

"Die Ökobilanz der in Deutschland verwandten E1-Kraftstoffe und zertifiziert und insofern haben sie da als Kunde überhaupt keine Bedenken wenn sie dieses Produkt tanken. Die Ökobilanz ist gut, weil es zertifizierte Produkte sind die eingesetzt werden, ansonsten gibt es keine Steuervergünstigungen für die eingesetzten Bioanteile. Von daher bin ich völlig beruhigt, was die Ökobilanz angeht."

Und die Autofahrer? Sie sind verunsichert. Zwar liegen an vielen Tankstellen Informationsbroschüren aus, doch die meisten kennen sich im Dschungel von Super, Super Plus oder Super E10 nicht aus.

"Ich habe mich wirklich noch nicht damit auseinandergesetzt. Ich weiß nur, dass zehn Prozent biologischer Sprit da drin sind, mehr kann ich nicht sagen. Ich müsste bei Fiat nachfragen, ob das Auto das verträgt."

Weniger als zehn Prozent aller Autos vertragen den Biokraftstoff nicht. Etwa sechzig Prozent der Autofahrer sind nach wie vor so verunsichert, dass sie lieber das viel teurere Super Plus in den Tank laufen lassen, als ein Risiko einzugehen. Super plus ist für garantiert alle Benziner verträglich. Die Präferenzen der Autofahrer für das teurere Super Plus bedeuten für die Raffinerien eine logistische Herausforderung, erklärt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Mineralölwirtschaft.

"Wir können gar nicht so viel produzieren. Deshalb nimmt man die Produktion aus ganz Deutschland zusammen, konzentriert sie auf die Regionen wo auf E10 umgestellt worden ist und dann kommt man so eben über die Runden."

Obwohl der Treibstoff noch nicht einmal flächendeckend in ganz Deutschland eingeführt ist, gibt es bereits Lieferengpässe etwa in Baden-Württemberg. Nun will die Mineralölwirtschaft die Produktion von E 10 an die Nachfrage anpassen. Die Branche fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Gute Beratung für verunsicherte Verbraucher ist der einzige Ausweg, erklärt Karin Retzlaff vom Verband der Mineralölwirtschaft.

"Wir müssen hier einfach um das Vertrauen des Verbrauchers werben. Der ist verunsichert und das kriegen wir nur hin, wenn wir alle gemeinsam informieren und zwar alle an dieser Einführung beteiligten Branchen. Das heißt, beginnend bei Biokraftstoffproduzenten über die Mineralölindustrie bis hin zur Automobilindustrie und vor allem auch der Politik. Die Politik darf sich jetzt hier nicht einfach aus dem Geschehen herausziehen und Schuldzuweisungen starten, dass hier nicht genügend informiert worden ist."

Beiträge zum Thema E10 auf dradio.de:

Erste Politiker fordern Abschaffung von E10-Benzin - <br> Der Kraftstoff mit Bioethanol wird nicht angenommen (Aktuell)

Fragen und Antworten zu E10 - Fachredakteur Theo Geers erklärt den Biokraftstoff (Umwelt und Verbraucher)

Ladenhüter für den Tank - Ölindustrie will Autofahrer von Super E10-Sprit überzeugen (Umwelt und Verbraucher)

Auch moderne Autos können durch E10 beschädigt werden - Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland erklärt den neuen Biokraftstoff (Umwelt und Verbraucher)

Doch kein Öko aus der Zapfsäule - Umweltverband BUND kritisiert neuen E10-Sprit (Umwelt und Verbraucher)

Künstliche Verteuerung ? - ADAC rügt Preistricks bei der Vermarktung des neuen Treibstoffes E10 (Umwelt und Verbraucher)

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