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Das Geschäft mit den Endungen

Der weite Weg von der Idee zur neuen Top-Level-Domain

Von Jan Rähm

Bisher gibt es 22 Top-Level-Domains. Schon bald könnten es eine ganze Flut werden.
Bisher gibt es 22 Top-Level-Domains. Schon bald könnten es eine ganze Flut werden. (Stock.XCHNG / Vince Varga)

Internet.- Die Vielfalt der sogenannten Top-Level-Domains soll demnächst erweitert werden. Dann könnten Internet-Adressendungen wie ".shop" oder ".gmbh" möglich werden. Die Idee zu der Endung ".berlin" hatte ein Unternehmer bereits im Jahr 2000. Unter anderem seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass die oberste Verwaltungsbehörde für Top-Level-Domains eingelenkt und den Weg zu neuen Internetadressen freigemacht hat.

Geht man auf die Website www.hotel-abc.de, dann liegt es nahe, dass das Hotel in Deutschland ist. Ruft man dagegen www.hotel-abc.co.uk auf, wird die gesuchte Unterkunft wohl in Großbritannien liegen. Wenn man nun an ein Hotel in Berlin denkt, ja dann wäre es doch praktisch, wenn auch www.hotel-abc.berlin zur Website führen würde. So oder so ähnlich muss wohl auch Dirk Krischenowski gedacht haben, als ihm die Idee zu Punkt berlin einfiel.

"Die Idee für .berlin haben wir Ende 2000 gehabt und da war es noch nicht möglich das zu realisieren. Und erst mit dem neuen Verfahren von ICANN im Jahr 2005 ist es dann möglich geworden. Wir haben maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses Verfahren überhaupt gestartet ist."

".berlin" soll eine der neuen Top-Level-Domains werden. Dafür hat der Gründer und Geschäftsführer der Firma dotBERLIN lange gekämpft. Eine Top Level Domain ist der Teil einer Internetadresse, der hinter dem letzten Punkt steht.

"Eine Top-Level-Domain ist zum Beispiel ".info", ".com", ".de" und zusammen mit den spezialisierten Begriffen ergibt das dann die Adresse im Internet",

erklärt Sabine Dolderer. Sie leitet die Denic - die zentrale Registrierungsstelle für de-Domains. ".de" zum Beispiel steht für Seiten aus Deutschland. ".at" für Seiten aus Österreich. ".com" oder ".info" dagegen sind Sonderdomains. Bisher gibt es genau 22. Schon bald könnte es eine ganze Flut davon geben. Zum Beispiel ".radio", ".shop" oder eben ".berlin".

"Es gibt die Idee, dass dadurch die Adresse wesentlich einfacher zu merken ist, weil es eben eine ganze Menge schöner neuer Namen gibt, die sehr viel intuitiver sind, als die jetzt existierenden in den alten Top-Level-Domains."

Bei der Namenswahl kann allerdings nicht jeder hinter dem Punkt stehen haben, was er will. Was möglich ist und was nicht, das entscheidet die oberste zentrale Verwaltung der Domains, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz ICANN. Um sicherzustellen, dass nicht zu viele Bewerbungen eingehen und um den Strom der Vorschläge in die richtigen Bahnen zu lenken, nimmt die ICANN eine Bewerbungsgebühr, erklärt Brad White von der ICANN.

"Die Bewerbungsgebühr für eine generische Top-Level-Domain liegt bei 185.000 US-Dollar. Und dazu kommen noch die Kosten für die Infrastruktur. Das ist hoch technisch und sehr teuer. Deswegen sind die neuen gTLDs für große Unternehmen gedacht, die damit umgehen können. Nicht für Kleinunternehmer oder normale Nutzer."

Nach langen Verhandlungen hat die ICANN im Januar das Bewerbungsverfahren für beliebige Namen bei den Top-Level-Domains gestartet. Zu Beginn nächsten Jahres sollen die Top Level Domains online gehen. Bis dahin steht noch viel Arbeit vor Dirk Krischenowski. Zum einen muss das Geschäftsmodell für Punkt Berlin aufgestellt werden. Zum anderen muss die Technik für den Betrieb aufgebaut werden. Das ist nicht so einfach. Statt eines einfachen Webservers muss eine ganze Infrastruktur aus Name-Servern und weiterem Equipment geschaffen werden. ".berlin" setzt dafür auf erfahrene Top-Level-Domain-Betreiber.

"Wir hätten gerne die Denic genommen, die ".de" betreut. Die bietet das allerdings nicht und so haben wir eine Nachbar-Top-Level-Domain, die ".at" für Österreich, genommen, die das verhältnismäßig einfach dann auch realisieren können."


Auch nach Vertriebspartnern für die Endung ".berlin" wird noch gesucht. Das sind die sogenannten Registrare oder umgangssprachlich Domainverkäufer. Sind die gefunden, kann es schon fast losgehen.

"Wir haben ja schon mittlerweile über 100 Gesellschafter und Sponsoren, die das Projekt unterstützen und wir haben im Markt, sehen wir schon bei den Registraren über 40.000 bis 50.000 Vorbestellungen von Domains. Von daher glauben wir, dass da ein ganz vernünftiger Markt da ist und sich das Geschäftsmodell auch tragen wird."

Bleibt nur noch die Frage, wie teuer es wird, wenn man sein Hotel mit der Endung ".berlin" schmücken will. ".de" oder ein ".com" gibt es schon für weniger als 15 Euro im Jahr.

"Berlin kann nicht ganz so günstig sein wie 15 Millionen de-Domains oder 100 Millionen dot-com-Domains. Wir werden in der Größenordnung, ich denke der Marktpreis wird so zwischen 20 und 30 liegen im Jahr, für eine Domain."

Wenn nun alles gut geht, könnten die ersten Punkt-berlin-Webseiten schon Anfang 2013 im Internet auftauchen. Ab März oder April soll dann der reguläre Verkauf starten.



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