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StartseiteForschung aktuellDas Grollen der Gebirge22.03.2013

Das Grollen der Gebirge

Erdbebenwellen verraten Bergrutsche weltweit

Geophysik. - Bergrutsche sind in abgelegenen Gebirgstälern eine starke Bedrohung. Um besser zu erkennen, schlägt ein US-amerikanischer Geophysiker jetzt ein neues Verfahren vor, sie weltweit mithilfe von Erdbebenwellen aufzuspüren.

Von Karl Urban

In Seismogrammen sind auch Informationen über Bergrutsche verborgen (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
In Seismogrammen sind auch Informationen über Bergrutsche verborgen (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Oft beginnt es mit starkem Regen in den Bergen. Der Unterboden ist bald so kräftig unterspült, dass sich ein Teil des Bergs in Bewegung setzt. Langsam erst – und dann immer schneller. Ein Bergsturz hat begonnen. Eine verheerende Naturkatastrophe, die alles mitreißt, was in ihrem Weg liegt. Halbe Gebirgstäler können dabei verwüstet werden, begleitet von einem minutenlangen Grollen, das kaum zu überhören ist. Und doch können Geologen solche Großlawinen selten sofort erkennen. Zu abgelegen sind oft die steilen Bergflanken, wo sie hinabrollen. Dabei senden die herabstürzenden Gesteinsmassen Erdbebenwellen aus. Und die lassen sich nicht nur aus der Ferne aufspüren. Sie unterscheiden sich auch gänzlich von denen gewöhnlicher Erdbeben.

"Wenn wir nicht nach ihnen suchen, sehen wir deshalb solche Bergstürze in gewöhnlichen Seismogrammen gar nicht. Wir sehen sie erst, wenn wir eben nach einem starken, ausdauernden Signal mit einer niedrigen Frequenz fahnden."

Das hat Göran Ekström von der Columbia University im US-Bundesstaat New York getan: Mit Seismogrammen des Global Seismographic Network, das weltweit nach Erdbeben und Atomtests lauscht. Zwar wussten seine Kollegen schon länger, dass sich in den Messdaten etliche unerklärbare Signale verbergen. Zehn rätselhafte Erschütterungen werden jeden Monat aufgezeichnet. Einen kleinen Teil davon konnte Göran Ekström nun einwandfrei auf Bergstürze zurückführen. Denn Erdbebenwellen, egal in welcher Form, lassen sich meist einem geografischen Ausgangspunkt zuordnen. Die Geophysiker mussten nur auf Satellitenbildern nach Beweisen für große Lawinen suchen. Und das ging sogar ziemlich schnell.

"Wir wissen meist innerhalb eines Tages, ob es sich vielleicht doch nur um ein normales Erdbeben gehandelt hat. Denn darüber berichten ja die Erdbebendienste weltweit. Was die Dienste aber bis heute nicht können, ist Bergstürze zu erkennen. Wenn wir also eine starke Erschütterung messen, die zum Beispiel weder von den Geologischen Diensten der USA noch von denen Europas gemeldet wird, können wir sicher sein: Das ist etwas Interessantes. Ob es ein Bergsturz war, ist dann nur noch eine Frage der genauen Örtlichkeit."

Mit dieser Methode haben die Forscher nun auch bisher unbekannte Bergstürze aus der Vergangenheit gefunden. In den seismischen Messdaten der letzten 30 Jahre fanden sie Hinweise auf abgestürzte Berghänge tief im chinesischen Himalaya oder in Alaska, wo sie selten sofort entdeckt werden können. Ein Problem, auch für den Katastrophenschutz:

"Unsere Methode eignet sich leider nicht dazu, Bergstürze vorherzusagen. Was wir sagen können ist, dass sich in einer bestimmten Region ein Berghang in Bewegung gesetzt hat. Wir können aus unseren Daten auch bestimmen, wie viel Masse gerade hinabgestürzt ist. Unsere Hoffnung ist, dass solche Informationen schon sehr bald nach einem Bergsturz verfügbar sein werden. Und das wird vielleicht dabei helfen, die Folgen einfacher zu bewältigen."

Folgen, die gerade in abgelegenen Regionen fatal sein können. Die massiven Gerölllawinen können Dörfer unter sich begraben, ganze Gebirgsflüsse aufstauen und dabei verheerende Fluten auslösen. Die genauere Analyse der seismischen Daten könnte also die Arbeit der Einsatzkräfte weltweit beschleunigen.

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