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Das "Mädchen", das das Wasser brachte

Warum Nordost-Australien auch künftig mit Megafluten rechnen muss

Von Volker Mrasek

Überflutet: Rockhampton in Australien.
Überflutet: Rockhampton in Australien. (AP)

Klima.- Brachiale Überschwemmungen haben im australischen Bundesstaat Queensland für enorme Zerstörung gesorgt. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf "El Nina" - ein Phänomen, das den Ozean abkühlt.

Queensland ist der zweitgrößte Bundesstaat Australiens. Er liegt im Nordosten des Kontinents. Dort, wo Queensland an den Pazifik grenzt, ist das Klima tropisch. Wolkenbrüche und Überschwemmungen sind deshalb nicht ungewöhnlich. Der Physiker und Klimaforscher Michael Raupach von der staatlichen Forschungsorganisation CSIRO:

"In der Küstenregion können die Jahresniederschlagsmengen einige Meter betragen. Der meiste Regen fällt während der Sommersaison. Das ist von November bis März."

Doch diesmal setzt das Wetter noch einen drauf. Nach vorläufigen Zahlen des Australischen Wetterdienstes war 2010 für Queensland das feuchteste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Und dazu hat der Starkregen um die Weihnachtstage herum entscheidend beigetragen. Er führte sogar zu weitläufigen Überschwemmungen im Landesinneren, wo das Klima eigentlich semiarid ist, also halbtrocken und nicht tropisch.

Die Rekord-Regenmengen haben etwas mit einem mächtigen natürlichen Klimaphänomen zu tun. Der tropische Pazifik schwankt alle paar Jahre zwischen einem kalten und einem warmen Zustand. Diese Episoden sind als La Nina und El Nino bekannt. Zur Zeit ist der Ozean übermäßig kühl, es herrschen La-Nina-Bedingungen ...

"Während einer La Nina stellt sich ein Zirkulationsmuster ein, das feucht-warme Luft in Australiens Ost-Hälfte lenkt. Dort kommt es dann zu Starkniederschlägen. Nach ersten Schätzungen ist die gegenwärtige La-Nina-Phase die stärkste seit 1917. Das Ergebnis sind die beispiellosen Überschwemmungen in Queensland."

Es gibt einen weiteren Faktor, den man nicht außer Acht lassen darf. Unabhängig vom El-Nino- und La-Nina-Zyklus ist der Pazifik in den letzten Jahrzehnten immer wärmer geworden. 2010 lag die Meeresoberflächen-Temperatur rund um Australien mehr als ein halbes Grad Celsius über dem langjährigen Mittel – auch das ein Rekordwert, der sich aus den vorläufigen Auswertungen des nationalen Wetterdienstes ergibt.

Der Erwärmungstrend führe dazu, dass La Nina, wenn sie stark ausfalle, noch heftigere Unwetter hervorbringe, sagt Michael Raupach:

"Überschwemmungen wie in Queensland könnten in Zukunft genauso stark ausfallen wie die jetzige - oder sogar noch stärker. Insofern kann man dieses Ereignis als Vorboten für das auffassen, was wahrscheinlich bald häufiger auftreten wird. Das soll nicht heißen, dass der Klimawandel diese Rekordflut verursacht hat. Aber er ist ein Faktor, der dazu beiträgt, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Überschwemmungen steigt."

2010 war nicht nur das feuchteste Jahr in Queensland, sondern auch eines der regenreichsten im südlich angrenzenden Bundesstaat New South Wales. Dort, im Einzugsgebiet der Flüsse Murray und Darling, gibt es weitläufige Äcker und Weideflächen für Schafe und Rinder. Doch zehn Jahre lang litt die Agrarregion unter einer großen Dürre, "The Big Dry" genannt.

Damit sei nun Schluss, verkündet der australische Wetterdienst mit Blick auf die Wasserführung der Flüsse und den Feuchtgehalt der Böden. Anfang 2010 seien Gewässer und Böden noch zu 75 Prozent ausgetrocknet gewesen. Jetzt, nach den Starkniederschlägen, seien die Reservoire wieder zu 80 Prozent gefüllt, sagen die Meteorologen.

... und können damit wenigstens eine gute Nachricht zum Jahresbeginn verbreiten.

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