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Startseite@mediasresJournalistischer Grenzgänger06.07.2017

Das Magazin "Rubikon"Journalistischer Grenzgänger

"Veränderungen herbeiführen", "Alternativen benennen", mit "exzellenten Autoren": Selbstbewusst präsentiert sich das Magazin "Rubikon" seit gut drei Monaten im Netz. Einlösen können die Macher ihre Versprechen nicht immer. Christiane Enkeler hat für den Deutschlandfunk reingelesen.

Christiane Enkeler im Gespräch mit Antje Allroggen

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Eine Brücke über den Fluss Rubicone in Savignano  (picture alliance / dpa / Pasquale Bove)
Wer den Rubikon sprichwörtlich überschreitet, kann diesen Schritt nicht rückgängig machen: Die aus der Antike bekannte Bezeichnung für einen entscheidenden Tabubruch geht auf Julius Cäsar zurück. (picture alliance / dpa / Pasquale Bove)
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Einige Texte seien "schwierig", urteilt die Journalistin im Gespräch mit @mediasres. Beispielsweise lege der Artikel "Terror-Logik" von Andreas Hauß die Theorie nahe, diverse Anschläge des sogenannten Islamischen Staates seien inszeniert.

Darin richtet sich der Autor an den Leser: "Kann es sein, dass Sie zur Rettung Ihres Wahrnehmungs- oder gar Weltbildes jetzt die Frage stellen, ob ich denn hier behaupte, es habe gar keine Leichen oder Verletzte gegeben? Ich frage zurück: Muss ich etwas behaupten oder beweisen? Eine Beweislastumkehr, die mir zudem den Aufbau einer Theorie unterschieben will, mache ich aber nicht mit." Das wäre, so Enkeler, "dann wieder das Zeichen einer Verschwörungstheorie" – die Hauß aber ja eigentlich gar nicht habe aufstellen wollen.

Gelungene Medienkritik

Auf der anderen Seite gebe es auch gut recherchierte Artikel. So setze sich Marcus Klöckner unter der Überschrift "Journalisten und die Bilderberg-Konferenz" mit journalistischen Grundsatzfragen auseinander, wie: "Inwieweit nutze ich als Journalist Einladungen, um Hintergrundinformationen zu bekommen und berichte dann nicht direkt darüber: Ist das zulässig oder nicht?"

Insgesamt befinde sich "Rubikon" noch in der Entwicklung, sagt Enkeler. Im Augenblick stelle sich die Seite "sehr heterogen" dar. Was vor allem gelinge, sei das kritische Analysieren von Leitmedien. So würden Punkte wie innere Widersprüche, Plausibilität und das Verschieben innerer Maßstäbe thematisiert, die für alle Journalisten von Interesse sein sollten.

"Unglaublich bunten Haufen"

Und wer steckt hinter diesen Texten? Enkeler spricht von einem "unglaublich bunten Haufen" renommierter Autoren und solcher, "die man gar nicht kennt". Einer, der die Widersprüchlichkeit von "Rubikon" und seines Personals verdeutlicht, ist Chefredakteur Jens Wernicke.

Die Texte des Publizisten werden auch von "KenFM" verbreitet – einem Webmagazin, das jüngst in einer politikwissenschaftlichen Arbeit als verschwörungstheoretische Seite gekennzeichnet worden sei. Und eben dort, auf "KenFM", wurde auch ein Interview von Wernicke mit dem umstrittenen Schweizer Historiker Daniele Ganser zweitverwertet.* Der ist Mitglied im "Rubikon"-Beirat und beschwert sich in dem Interview darüber, medial im Verschwörungstheoretiker-Kontext dargestellt zu werden.

(bor)

*Anm. d. Redaktion: In der ursprünglichen Fassung des Beitrags stand hier, Jens Wernicke "arbeitet auch für 'KenFM'". Dies haben wir geändert in "Die Texte des Publizisten werden auch von 'KenFM' verbreitet". Der Journalist legt Wert auf die Feststellung, dass er seine Artikel unter offener Lizenz (Creative Commons) veröffentlicht und diese dann im Netz – auch von Magazinen – bei Quellennennung im Volltext weiterverbreitet werden dürfen. Daraus zu schließen, dass er "für 'Ken FM'" arbeite, sei nicht zulässig. Den ursprünglichen Satz "Und eben dort, auf 'KenFM', habe Wernicke den umstrittenen Schweizer Historiker Daniele Ganser interviewt." haben wir dementsprechend korrigiert in: "Und eben dort, auf 'KenFM', wurde auch ein Interview von Wernicke mit dem umstrittenen Schweizer Historiker Daniele Ganser zweitverwertet." Die Audio-Fassung des Interviews haben wir ebenfalls entsprechend geändert.  

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