Forschung aktuell / Archiv /

Das Pulsieren in der Tiefe

Geburt und Tod eines unterseeischen Vulkans

Von Dagmar Röhrlich

Spuren eines Ausbruchs: Der Rauch auf der Wasseroberfläche stammt von einem Unterwasser-Vulkan im Pazik.
Spuren eines Ausbruchs: Der Rauch auf der Wasseroberfläche stammt von einem Unterwasser-Vulkan im Pazik. (picture alliance / dpa)

Geologie.- Aus Zufall vermaß das Geomar-Forschungsschiff "Sonne" vor einem Jahr den Meeresboden am Monowai. Dabei gelangen den Wissenschaftlern tiefe Einblicke in das Leben eines untermeerischen Vulkans. Die gewonnene Erkenntnis: Der Meeresboden der Tiefsee scheint viel dynamischer zu sein als angenommen.

Für Ozeanografen ist der Monowai in der Nähe der Pazifikinsel Tonga ein guter Bekannter: Zwischen 1978 und 2007 haben sie den verborgenen Riesen, der sich 2000 Meter über den Meeresboden erhebt, mehrmals mit Forschungsschiffen besucht. 2011 war es einmal wieder so weit. Diesmal jedoch bereitete der Vulkan den Wissenschaftlern eine Überraschung:

"Wir haben den Monowai mithilfe eines hochauflösenden Echolots zweimal innerhalb von 14 Tagen untersucht. In dieser kurzen Zeit veränderten sich die Wassertiefen enorm: An einigen Stellen nahm sie um rund 20 Meter zu, an anderen um 72 Meter ab. Während der ersten Messung verfärbte sich das Meer gelblich grün, Gasblasen stiegen an die Oberfläche, es roch nach faulen Eiern. Wir setzten unsere Forschungsfahrt fort und erfuhren, dass seismische Stationen auf einer nahen Insel einen Schwarm von Erdbeben maßen: Es war ein untermeerischer Vulkanausbruch."

Die zweite Fahrt über den Monowai zeigte dann, wie stark die Eruption den Meeresboden verändert hatte, erklärt Tony Watts von der Oxford University: An einer Stelle hatte sie Teile des Vulkankegels abgetragen, während sie andernorts vulkanische Schlammströme abgelagert und eine neue Kuppe aus Lava gebildet hatte. Anders als angenommen ist das Geschehen am Tiefseeboden also sehr dynamisch:

"Noch nie zuvor sind innerhalb so kurzer Zeit so starke Tiefen-Veränderungen gemessen worden. Wir hatten Glück, dass wir bei dieser Ausfahrt einen solchen Ausbruch erlebt haben. Aber auch im Vergleich zu dem, was wir von Vulkanen an Land kennen, ist das Geschehen extrem."

Bislang seien nur der Vesuv und Mount St. Helens in einem ähnlichen Tempo gewachsen wie der Monowai. Der Meeresboden habe regelrecht pulsiert, beschreibt Tony Watts:

"Dieses Pulsieren bezieht sich auf das Geschehen im Laufe der Jahre. Danach muss es, statistisch gesehen, jährlich 2,5 Eruptionen geben, die so groß sind wie die, die wir miterlebt hatten, denn 2004 lag die Spitze des Vulkans 130 Meter unter dem Meer, 2007 waren es 50, 2011 um die 100 Meter. Anscheinend ist der Vulkan ruhig und bricht dann kurz und gewaltsam aus: Ruhephasen und Ausbrüche - das verstehen wir unter Pulsieren."

Zwischen den Ausbrüchen muss sich die Magmakammer sehr schnell wieder füllen:

"Der Vulkan liegt ganz in der Nähe der Plattengrenze, an der die Pazifische Platte unter die indoaustralische subduziert wird, also in den Erdmantel zurücksinkt. Und zwar passiert das dort recht schnell. Dabei beginnt die absinkende Platte im Erdmantel aufzuschmelzen, Magma steigt auf und speist untermeerische Vulkane."

Der Monowai war nicht das einzige Ziel der Forschungsfahrt. Die "Sonne" besuchte unter anderem auch einen bereits erloschenen untermeerischen Vulkan, der gerade in sein "geologisches Grab" sinkt: Er wird - zusammen mit der Pazifischen Platte, auf der er sitzt - am Tonga-Graben subduziert.

"Wir sahen auf den Echolotbildern, dass sich in dem erloschenen Vulkan steil stehende Störungen bilden, wenn er in den Tiefseegraben kippt. Er wird regelrecht auseinander geschnitten - wie ein Brot. Je tiefer die einzelnen Scheiben dann im Graben verschwinden, desto mehr zerbrechen sie in kleinere Blöcke."

Diese Beobachtung wird bei der Beantwortung einer der wissenschaftlichen Fragen dieser Ausfahrt wichtig: Wie verändern solche gewaltigen, kilometerhohen Seeberge das Spannungsfeld und damit die Erdbebengefahr an den Subduktionszonen? Nun sieht es so aus, als würden sie bei ihrem Verschwinden regelrecht zerbröseln - und deshalb "lautlos" versinken, ohne große Erdbeben auszulösen. Von einem wachsenden Seeberg wie dem Monowai geht hingegen auf jeden Fall eine Gefahr aus: Bei so starken Veränderungen können die Flanken instabil werden - und bei ihrem Zusammenbrechen Tsunamis auslösen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Forschung Aktuell

NeurologieEine Idee versetzt Berge

Eine Person spielt Scrabble und legt die Worte "Brain", "Training" und "Gehirn".

Seit fast 20 Jahren tobt in Deutschland eine Debatte über den freien Willen. Einige Hirnforscher behaupten, der freie Wille sei eine Illusion, weil jede Willensentscheidung vom Gehirn unbewusst eingeleitet wird. Philosophen und Geisteswissenschaftler kontern, dass der freie Wille nicht schon deshalb widerlegt sei, weil er auf das Gehirn angewiesen sei.

MedizinSonnenbrand schädigt doppelt

Eine Frau sitzt am 17.02.2014 in München (Oberbayern) bei Sonnenschein auf einem Stuhl. Milde Temperaturen und sonniges Wetter laden zum Sonnenbaden ein. 

Schon jetzt im Frühjahr hat die Sonne Kraft genug, einen Sonnenbrand auszulösen. Zuviel UV-Strahlung kann sogar zum schwarzen Hautkrebs führen. Dabei bilden sich sehr früh Metastasen nicht nur auf der Haut, sondern auch im Körper, in Organen wie der Lunge. Die Hintergründe der gefährlichen Ausbreitung hat ein Bonner Forscherteam entschlüsselt.

WindenergieHartgesottene Turbinen für die Antarktis

Die Mayrkette (norwegisch: Jutulsessen), ein Gebirge in der Antarktis

Es gibt Orte auf der Welt, an denen ein Stromausfall lebensbedrohlich wäre: zum Beispiel die Antarktis. Im Winter sinken hier die Temperaturen auf Werte unter minus 70 Grad Celsius. Amerikanische Ingenieure arbeiten daran, dass auch dann der Strom nicht ausfällt.