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StartseiteForschung aktuellDas Steak von der Stange21.12.2010

Das Steak von der Stange

Wissenschaftler der Uni Göteborg züchten Fleisch im Labor

Umwelt.- Wissenschaftler der Universität Göteborg untersuchen, ob sich der Fleischbedarf der Menschen wesentlich tierfreundlicher und sauberer decken lässt als bisher. Ihr Ansatz: Sie züchten Muskelzellen im Labor und hoffen, eines Tages einen saftigen Braten daraus entstehen zu lassen.

Von Christine Westerhaus

Ein Steak - aus "echtem" Fleisch (AP Archiv)
Ein Steak - aus "echtem" Fleisch (AP Archiv)

"Das ist unser Bioreaktor, den wir zurzeit benutzen. Was man sieht ist: Hier ist die Nährlösung, die roten Kügelchen sind unsere Kartoffelstärkepartikel mit Zellen auf der Oberfläche."

Das Steak der Zukunft stellt man sich eigentlich anders vor: Der aus Deutschland stammende Biologe Patric Wallin zeigt auf einen etwa Wasserglas großen Kolben, in dem winzige Pünktchen in einer rosafarbenen Lösung schwimmen. In diesem sogenannten Bioreaktor untersucht der Forscher an der Göteborger Chalmers Universität, ob sich Fleisch auch außerhalb eines Tieres züchten lässt.

"Die Idee ist, dass wir am Anfang eine geringe Zahl an Zellen auf Partikeln einsetzen, dann 1 bis 4 Wochen warten und dann deutlich mehr haben, etwa das 10 bis 20-Fache."

Patric Wallin arbeitet an seiner Doktorarbeit und setzt in seinen Versuchen Muskelstammzellen ein, die sich in einer Nährlösung aus Zucker, Aminosäuren und Wachstumshormonen vermehren sollen. Die Zellen stammen von einer Maus und sind damit zumindest für Menschen nicht zum Verzehr geeignet. Überhaupt sind die roten Kügelchen noch weit entfernt davon, wie ein ganzer Braten auszusehen, zu riechen und vor allem zu schmecken.

"Das Problem ist, dass heutzutage nicht ganz klar ist, was den Geschmack von Fleisch ausmacht. Ob es wirklich nur die Muskelzellen sind - ein großer Geschmacksträger ist auf jeden Fall das Fett das wir haben in Fleisch und dann vielleicht auch das Blut. Das ist relativ unklar heutzutage."

Ob das gezüchtete Fleisch jemals den Nährstoffgehalt von einem Rinderfilet haben wird, ist ebenso fraglich. Denn beim Tier sind die Muskeln von Blutgefäßen durchwachsen, die die Zellen unter anderem mit Vitaminen und Spurenelementen versorgen. Patric Wallin untersucht daher momentan, ob auch isolierte Muskelzellen diese Nährstoffe liefern können.

"Es gibt bestimmte Proteine, die man nur übers Fleisch aufnehmen kann. Und das ist hauptsächlich Eisen, das an ein Protein gebunden ist weil der Körper es deutlich einfacher hat, an Eisen gebunde Protein aufzunehmen als Eisen in seiner reinen Form als Tablette. Dann ist noch Vitamin B12 und Omega 3 das sind auch zwei Sachen, die sehr schwierig sind auf anderem Weg aufzunehmen wenn man nicht Fleisch oder Fisch isst."

Gezüchtetes Fleisch käme ohne Massentierhaltung aus. Sollte es gelingen, es in großem Maßstab herzustellen, wäre es damit eine Alternative für Menschen, die aus ethischen Gründen kein Fleisch essen wollen. Patric Wallins Motivation für seine Forschung ist aber noch eine andere: Steaks aus dem Labor hätten auch eine bessere Ökobilanz als Rinder oder Schweine aus dem Stall.

"Wir züchten nur Muskelzellen, also die Effizienz ist deutlich höher im Vergleich zum Tier, was relativ viel isst und viel herumläuft. Und was die Leute häufig vergessen, wenn man über Umweltpolitik spricht: Es geht immer um Autos und um die Energieerzeugung aber was die Leute vergessen ist: 20 bis 25 Prozent von dem CO2-Ausstoß, den wir haben, kommt von der Fleischerzeugung."

Trotz dieser ökologischen Vorteile wird es jedoch vermutlich noch sehr lange dauern, bis Steaks aus dem Labor auf unserem Speiseteller landen werden. Seit mehreren Jahren versuchen die Göteborger Wissenschaftler, Forschungsgelder für ihr Projekt einzutreiben. Das künstliche Fleisch hat zudem ein großes Akzeptanzproblem: Umfragen haben ergeben, dass sich die meisten Verbraucher nicht vorstellen können, es zu essen.

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