Forschung aktuell / Archiv /

 

Denguefieber als Urlaubssouvenir

Die Tropenkrankheit hat Madeira erreicht

Von Joachim Budde

Auch die sich in Europa ausbreitende Asiatische Tigermücke kann Denguefieber übertragen.
Auch die sich in Europa ausbreitende Asiatische Tigermücke kann Denguefieber übertragen. (CDC)

Das Denguefieber holen sich Reisende meist aus Asien oder Südamerika. Vor einigen Monaten aber sind erstmals Fälle auf der portugiesischen Insel Madeira aufgetreten. 2100 Infektionen wurden bis Ende des vergangen Jahres registriert - der schwerste Dengue-Ausbruch in Europa seit 1927.

Mit dem Regen kamen die Mücken und die brachten die Dengue. Weil es im September auf Madeira gleichzeitig sehr feucht und ungewöhnlich warm war, fanden die Insekten und das Virus ideale Bedingungen vor: Anfang Oktober registrierten die portugiesischen Gesundheitsbehörden die ersten beiden Fälle der Tropenkrankheit Dengue auf der Insel vor der Küste Marokkos. Binnen kurzer Zeit häuften sich die Fälle vor allem um die Hauptstadt Funchal im Süden der Insel herum, sagt der Virologe Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

"Der Ausbruch hat sich dann relativ schnell ausgeweitet, sodass wir jetzt Ende des Jahres über 2100 Infektionen auf Madeira registriert haben, von denen auch einige Touristen betroffen waren, unter anderem 14 Deutsche, die also zurück nach Deutschland gereist sind mit einer Denguevirusinfektion, die sie dort erworben haben."

Doch das sind nur die Fälle, bei denen die Symptome so stark waren, dass Ärzte die Patienten überhaupt auf eine Dengueinfektion untersucht haben. Denn meist verläuft eine Erkrankung mit leichten Grippesymptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, gelegentlich auch Hautausschlag. Die wenigsten Ärzte veranlassten bei diesen Symptomen eine Blutuntersuchung, sagt der Virologe.

"Die Dunkelziffer ist viel, viel höher, wir gehen davon aus, dass maximal zehn Prozent überhaupt bemerkt und registriert werden, also man kann dann bei dieser Zahl – 14 Deutsche – locker sagen, das sind 140 oder knapp 200 gewesen."

Nach Informationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ist das der schwerste Dengue-Ausbruch in Europa seit 1927. Damals erkrankten in Griechenland mehr als eine Million Menschen an dem Erreger.

Schwere Verläufe mit Blutungen und Kreislaufversagen sind bei dem aktuellen Ausbruch bisher nicht aufgetreten. Sie kommen allerdings nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vor allem dann vor, wenn man sich ein zweites Mal mit Dengue ansteckt und dabei auf ein Virus eines anderen Typs trifft. Wer nach einem Madeira-Besuch kürzlich Grippesymptome hatte, kann beim Hausarzt untersuchen lassen, ob er sich mit Dengue infiziert hat.

"Man nimmt ein bisschen Blut ab und schickt das zu uns im günstigsten Fall und kann dann feststellen: Hatte ich Kontakt zu diesem Virus oder nicht, und dann weiß man das, es gibt keine Impfung, die eben vorbeugt, man muss dann eben sehr stark auf den Mückenschutz achten, gerade, wenn man jetzt in Hochendemiegebiete wie Brasilien oder Südostasien reist. Und so ist es ja auch letztendlich nach Madeira gekommen, man geht davon aus, dass ein Reisender aus Südamerika das Virus nach Madeira gebracht hat, und dort eben von der Gelbfiebermücke gestochen wurde, und dann ist das Virus eben in die Mückenpopulation gelangt."

Wie das Virus ist auch die Gelbfiebermücke nach Madeira eingewandert. Sie kam 2005 auf die Inseln. Die portugiesischen Behörden wollen jetzt verhindern, dass sie sich auf das europäische Festland ausbreitet, sagt Jonas Schmidt-Chanasit.

"Es gab die Gelbfiebermücke ja schon in der Vergangenheit in Europa, aber aufgrund der massiven Maßnahmen dagegen auch Entwässerung, Trockenlegung von Sümpfen, konnte man das also zurückdrängen. Aber rein theoretisch ist das kein Problem, dass die Gelbfiebermücke zumindest in den warmen Bereichen Europas, also Portugal, Spanien, heimisch wird."

Hierzulande könnte das Dengue-Virus nach Ansicht des Virologen zumindest in Süddeutschland überleben. Denn auch in gemäßigten Breiten etwa im Norden Chinas kommt der Erreger vor. Der Gelbfiebermücke hingegen ist es bei uns zu kalt.

"Ganz im Gegensatz zur Asiatischen Tigermücke, wo die Bedingungen ausreichend sind, und wir haben ja auch 2012 wiederholt die Asiatische Tigermücke im Süden Deutschlands nachgewiesen, also Baden-Württemberg und auch in Bayern. Wenn man jetzt dieses Screening ausweitet, denke ich, findet man viel mehr. Und es deutet eben darauf hin, dass wahrscheinlich diese Asiatische Tigermücke schon heimisch geworden ist in den Bereichen, und dass das jetzt nicht vereinzelte Stechmücken sind, die durch die Laster verschleppt worden sind aus Italien oder Österreich, dafür ist diese Häufung einfach zu ungewöhnlich."

Jonas Schmidt-Chanasit sieht darin einen Hinweis, dass die Mücken dort geschlüpft sind, wo sie den Mückenjägern in die Falle gegangen sind. In diesem Jahr müsse das Monitoring deshalb deutlich intensiviert werden.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Forschung Aktuell

Das neue Merkel-HandyImmer noch nicht NSA-sicher?

Ein Mann hält ein Apple iPhone 4S, auf dem der fiktive Kontakt Angela Merkel anruft und ein Bild der Bundeskanzlerin zu sehen ist.

Abhörsicher telefonieren? Für Bundeskanzlerin Merkel und alle anderen Mitglieder der Bundesregierung soll dies inzwischen möglich sein - und zwar mit sogenannten Krypto-Handys. Nachrichtendienste könnten die Smartphones trotzdem knacken.

Rosetta-MissionUngewöhnliche Kometenform reizt die Forscher

Die Raumsonde Rosetta und der Lander Philae schweben über der Kometenoberfläche von 67P. Künstlerische Darstellung eines Illustrators.

Die ersten Bilder, die die Kometensonde Rosetta von ihrem Ziel 67P Churyumov-Gerasimenko schoss, haben die Wissenschaftler elektrisiert. Sie können es kaum erwarten, dass die Sonde am 6. August ihr Ziel erreicht.

Menschlicher EinflussLandtiere auf Weg in Aussterbewelle

Fünf große Massenaussterben hat es gegeben, seit sich vielzellige Lebewesen die Erde vor rund 550 Millionen Jahren erschlossen. Biologen gehen davon aus, dass wir derzeit auf die sechste Aussterbewelle zusteuern - ausgelöst durch den Menschen.