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Der Biograf Beethovens

Vor 175 Jahren starb der Komponist und Pianist Ferdinand Ries

Von Sabine Fringes

Ferdinand Ries war als Komponist zu seiner Zeit weniger geachtet, weil er nach Ansicht vieler Zeitgenossen zu sehr Beethoven imitierte.
Ferdinand Ries war als Komponist zu seiner Zeit weniger geachtet, weil er nach Ansicht vieler Zeitgenossen zu sehr Beethoven imitierte. (AP)

Die Zeitgenossen feierten Ferdinand Ries als Pianisten. Musikliebhabern ist er heute vor allem wegen seiner persönlichen Freundschaft zu Ludwig van Beethoven bekannt. Dabei komponierte er bis zu seinem Tod am 13. Januar 1838 auch über 300 eigene Werke.

"Beethoven hatte mich wirklich lieb. Und gab mir davon einmal einen sehr komischen Beweis in seiner Zerstreuung. Als ich nämlich von einer Reise zurückkam und in sein Zimmer trat, wollte er sich eben rasieren und war bis an die Augen eingeseift. Er sprang auf und umarmte mich herzlich und siehe da, er hatte die Schaumseite von seiner linken Wange auf meine rechte so vollständig übertragen, dass er auch nichts davon zurückbehielt."

Ferdinand Ries in seinen "Biographischen Notizen" über seinen einstigen Klavierlehrer Ludwig van Beethoven. Die Verbindung zum 14 Jahre älteren Musiktitanen aus Bonn prägte nicht nur sein Leben und Werk, sie war ihm quasi schon mit in die Wiege gelegt: Ferdinand Ries wurde am 28.11.1784 als Sohn einer bedeutenden Musikerfamilie in Bonn geboren. Sein Vater, der Violinist Franz Anton Ries, war Konzertmeister der Bonner Hofkapelle und zu seinen auserwählten Schülern zählte auch der junge Beethoven, den er in der schwierigen Zeit nach dem Tod der Mutter in jeglicher Hinsicht unterstützte. Dies vergaß Beethoven ihm nie. Und so nahm er 1801 den hochbegabten 16-jährigen Sohn bei sich in Wien als Klavierschüler auf. Beethoven schenkte Ferdinand nicht nur ungewöhnlich viel Geduld, sondern auch Vertrauen: Er ließ ihn seine Werke kopieren – und übertrug ihm sogar die Korrespondenz mit den Verlagen.

"Meinen herzlichen Dank, lieber Ries. Für alles was sie mir Gutes erweisen. Der Himmel segne sie und mache ihre Fortschritte immer größer, woran ich herzlichsten Anteil nehme. Wie alle Zeit ihr aufrichtiger Freund, Ludwig van Beethoven."

Ries stieg bald in die Riege der großen Pianisten auf. Und er komponierte, wie sein berühmter Lehrer. Nach einer Russlandtournee, nach längeren Aufenthalten in Paris und Stockholm siedelte Ries schließlich 1813 nach London über, wo er als Direktor der London Philharmonic Society die erfolgreichste Zeit seines Lebens verbrachte. Sechs seiner acht Sinfonien entstanden in dieser Zeit - neben vielen virtuosen Klavierwerken. Und auch von London aus setzte er sich für Beethoven ein, der Auftrag zur 9. Symphonie kam von seiner Gesellschaft. Als Ries elf Jahre später ins Rheinland zurückkehrte, widmete ihm die Musikzeitung "Harmonicon" ein Porträt:

"Herr Ries wird zu Recht als einer der besten Pianisten seiner Zeit gefeiert. Mit betont nuancierten Kontrasten, mit einem sehr freien Umgang des Pedals, kombiniert mit einer neuen vollendeten Kunst der Modulation hat sein Vortrag eine Wirkung auf die Zuhörer, die mit dem der Äolsharfe zu vergleichen ist, welche im Wind äußerst überraschende Kombinationen und Übergänge produziert."

"Er imitiert mich zu sehr."

Mit dieser Ansicht über die Werke seines ehemaligen Schülers stand Beethoven nicht allein. So etabliert Ries als Pianist und Dirigent bei seinen Zeitgenossen auch war, als Komponist wurde er nicht gar so geschätzt. Von vielen als zu wenig originell und epigonal angesehen, geriet sein Oeuvre im Laufe der Zeit zunehmend in Vergessenheit.

Doch in letzter Zeit sammeln sich wieder Anhänger von Ries. Die 2008 gegründete Ferdinand-Ries-Gesellschaft in Bonn sieht in seinen Werken die Fortschreibung der Musik der 19. Jahrhunderts über Beethoven hinaus.
Einspielungen seiner Kammermusikwerke, Sinfonien, Konzertouvertüren und Oratorien geben dem Hörer die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil über seine Musik zu bilden. Es gibt viel zu entdecken: Bei seinem Tod am 13. Januar 1838 hinterließ Ferdinand Ries an die 300 Werke.

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