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Der Geograph als Multitalent

Junger Geographentag an der Uni Bayreuth

Von Susanne Lettenbauer

Dass Geographen begehrt sind in den Firmen, zeigt die niedrige Arbeitslosenquote der Absolventen. (Stock.XCHNG / Helle Bro)
Dass Geographen begehrt sind in den Firmen, zeigt die niedrige Arbeitslosenquote der Absolventen. (Stock.XCHNG / Helle Bro)

Wie kaum ein weiteres Fach überschneidet sich die Geographie mit anderen Fachrichtungen: Physik und Informatik, Wirtschaft und Soziologie, selbst Religion spielen bei der Erforschung der räumlichen Strukturen und Vorgänge an der Erdoberfläche eine wichtige Rolle. Die Nähe zu anderen Studienfächern ist sowohl Schwäche wie Stärke der Geographie - das wurde auch in Bayreuth, auf dem wichtigsten Geographentreffen im deutschsprachigen Raum deutlich.

Andreas Wenzel ist zufrieden. Nach seinem Abschluss in Diplombetriebswirtschaftslehre und einem Bachelor Geographie in African Development Studies hat er einen Job in Hamburg gefunden. Die Firma ist in der Entwicklungsberatung für Afrika tätig und suchte einen Geographieabsolventen:

" Wenn Sie in der Lage sind in Netzwerken zu arbeiten, Beziehungen zwischen den Disziplinen herzustellen, ich denke, dann kann eine geographische Ausbildung einen wertvollen Beitrag leisten, weil man eben in der Geographie, auch schon in der Ausbildung, gewohnt ist mit bestimmten Widersprüchen zu leben, zwischen den Widersprüchen der Naturwissenschaft auf der einen und der Geisteswissenschaft auf der anderen Seite. Das ist auch in der Geographie ein umstrittenes Problem, auf der anderen Seite aber auch die Stärke der Geographie ausmacht, weil dann diejenigen, die über eine geographische Ausbildung verfügen, in der Lage sind, mit diesen Widersprüchen konstruktiv umzugehen. "

Unerlässlich ist jedoch seine Diplombetriebswirtschaftslehre, sagt Andreas Wenzel. Denn was ein Geograph zuallererst können muss, ist Zusammenhänge zwischen den Studienfächern zu erkennen. Erst dann sollte er die verschiedenen Bodenkategorien kennen oder wissen, wie lang ein Fluss ist.

Mit dem Bologna-Prozess musste Wolfgang Schmiedecken von der Uni Bonn die Curricula der neuen Master- und Bachelor-Geographiestudiengänge entwickeln und entscheiden, was ein Geograph lernen sollte im Studium:

" Er muss nicht von allem alles bis in die tiefste Tiefe alles wissen. Aber er muss das Spezialwissen miteinander verbinden können. Nehmen wir einfach mal ein Beispiel: Schlagwort Ökologie. Das kann ich als Geograph betreiben, indem ich Landschaftsökologie betreibe, ich kann das aber auch als Biologe betreiben, indem ich eine reine biologische Ökologie betreibe. Der angewandte Bereich verlangt beides. Er verlangt auch Grundkenntnisse in Chemie, der verlangt Grundkenntnisse in Physik, all das wird in der Geographie vermittelt, um ein Planungsziel, zum Beispiel einen Flächennutzungsplan einer Gemeinde X überhaupt umsetzen zu können. "

In sechs Semestern müssen die Studenten heute dieses Wissen erlernen, dann kommt die Spezialisierung zum Beispiel zum Master Katastrophenschutz/Katastrophenvorsorge, zum Master der Geographischen Informationssysteme oder auch zum Master der Stadtökologie.

Noch weiß Wolfgang Schmiedecken nicht, wie der Geograph aus alten Diplomzeiten dieses Studium schaffen soll, dass davon geprägt ist,

" dass wir sehr viele Methoden vermitteln: statistische Methoden, empirisch-sozialwissenschaftliche Methoden, dass wir in der Lage sind, mit geographischen Informationssystemen umzugehen, mit Raumerkundung, aber auch so etwas wie Softskills, Rhetorik, Präsentation, Vorträge, alles dieses soll also mit geübt werden in dieser Zeit, und dann kommen wir wieder zu dem Ausgangsthema: Können wir das in sechs Semestern schaffen oder brauchen wir die alte Dauer, um diese Fähigkeiten zu vermitteln, um darauf dann die Spezialisierung setzen zu können? "

Der Lehrstuhl vom Bayreuther Geographieprofessor Detlef Müller-Mahn beschäftigt sich unter anderem mit Siedlungs- und Migrationsprozessen in Afrika. Seine Studenten untersuchen zum Beispiel die Ursachen der verheerenden Flutkatastrophe in Afrika. Die Zusammenhänge zwischen Armut, Klimawandel, fehlendem Katastrophenschutz und den unerwarteten Niederschlägen. Müller-Mahn sieht die Hauptaufgaben seiner Zunft darin: Ein Geograph muss - als quasi Dienstleister - die überfachlichen Zusammenhänge auf der Welt erklären. Er muss von lokalen Ereignissen auf globale Ereignisse schließen können. Die Geographie ist außerdem:

" Ein Fach, das sich immer mit raumbezogenen Problemen und anderem beschäftigt und diese Probleme auch räumlich in Karten darstellt. Das ist ganz wichtig, wenn es darum geht jetzt für Risikozonen zum Beispiel für Katastrophenvorsorgepläne Informationen raumbezogen darzustellen, um eben schnell intervenieren zu können. "

Dass Geographen begehrt sind in den Firmen, zeigt die niedrige Arbeitslosenquote der Absolventen von vier Prozent und das wissen auch die Studenten.

Trotz der nicht klar abgrenzbaren Aufgaben eines Geographen ist das Studienfach in Deutschland überlaufen. Studenten aus den neuen Bundesländern, in denen Geographie dem NC unterliegt, drängen verstärkt nach Bayreuth, und die Bonner müssen die Studenten aus den kürzlich stark verkleinerten Geographiestudiengängen von Duisburg-Essen aufnehmen.

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