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StartseiteUmwelt und VerbraucherDer Haken beim Stromsparen21.02.2013

Der Haken beim Stromsparen

Stiftung Warentest prüft Tarifrechner

Sie sollen beim Sparen helfen und Kunden wertvolle Tipps bieten. Stiftung Warentest hat Stromtarifrechner unter die Lupe genommen und kommt zu dem Fazit: Auf die richtigen Sucheinstellungen kommt es an.

Von Dieter Nürnberger

Vorsicht beim Stromvergleich.  (AP Archiv)
Vorsicht beim Stromvergleich. (AP Archiv)

Dass der liberalisierte Strommarkt mit seiner Vielfalt an Anbietern und Tarifen nicht einfach zu durchschauen ist, das ist bekannt - interessant aber die Frage, ob Stromtarifrechner im Internet wirklich helfen können, diesen Tarifdschungel zu durchdringen. Gut macht dies keines der Portale, so die Stiftung Warentest, allenfalls ein paar befriedigend bewertete Angebote gibt es, zudem aber auch schlechte.

Lediglich ein paar Klicks, sowie Wohnort und durchschnittlichen Jahresstromverbrauch eingeben - so einfach ist es nicht, sagt Anita Stocker, die Chefredakteurin der Zeitschrift "test":

"Wer die Voreinstellungen der Rechner übernimmt, erhält fragwürdige Ergebnisse. Die meisten Portale gestalten ihre Seiten so, dass dubiose Dumpingtarife auf vorderen Plätzen landen. Einige Portale sieben solche Locktarife zwar von vornherein über ihre Filter aus, doch liefern sie dann mitunter veraltete Tarife und teils intransparente Preisprognosen."

Im Modellfall wollte ein Berliner Haushalt mit 3000 Kilowattstunden jährlichem Verbrauch den Anbieter wechseln. Und bei den verschiedenen Antworten oder Tarifmodellen, die da empfohlen wurden, tauchten immer wieder Vorkassenmodelle auf. Die werden aber nicht so genannt, sondern es erscheint dann lediglich der Hinweis jährliche Zahlungsweise. Hier besteht aber die Gefahr, dass bei einer Pleite des Unternehmens das vorausgezahlte Geld in der Regel futsch ist. Fair gegenüber dem Verbraucher seien solche Tarife nicht.

Ein zweites Beispiel für unfaire Bedingungen sind sogenannte Paketpreise. "test"-Chefredakteurin Anita Stocker sagt, dass Wechselwillige gleich zu Beginn meist Angaben über die Zahlungsweise geben müssen.

"Klickt man dann arglos "alle Zahlungsmöglichkeiten" an, liegt eine Mixtur aus Vorkasse, Neukundenbonus und Kaution vorne. Wählt man schlauerweise "monatliche Zahlweise", um Vorkassentarife auszuschließen, handelt man sich unter anderem einen Paketpreis ein. Konkret: Der Kunde kauft 3.200 Kilowattstunden – wenn er weniger verbraucht, bekommt er nichts zurück, verbraucht er mehr, wird es teuer. Die Kilowattstunde kostet dann 0,40 Euro – nahezu doppelt so viel wie vorher."

Zitiert wurde heute auch eine "Prognos"-Umfrage, wonach im vergangenen Jahr rund ein Fünftel der Befragten angab, dass sie den Stromanbieterwechsel inzwischen bereuten.

Umstritten auch sogenannte Bonusangebote, die gleich in den Preis eingerechnet werden. Hier spricht die Stiftung Warentest von Lockangeboten. Allerdings gibt es diese Gutschrift für den Kunden dann erst nach frühestens einem Jahr. Das heißt auch, der monatliche zu zahlende Abschlag wird sich im ersten Jahr nicht groß vom bisher Gezahltem unterscheiden.

Auch die Kündigungsfristen sind oft ein Problem. Also: Wer nicht richtig aufpasst, dem helfen die Stromtarifrechner im Internet oft nicht weiter, bringen mitunter keine Verbesserungen. Warentesterin Anita Stocker mit ihrem Fazit:

"Wenn Sie wissen, welche Häkchen Sie setzen und welche Sie wegdrücken müssen auf den Rechnern der Stromsparportale und bei welchen Tarifdetails Sie auf Fallen achten müssen – dann Sie mit Hilfen von Portalen wie "Verivox", "check24" oder "Toptarif" Ihre Stromrechnung durchaus senken. Im Durchschnitt um etwa zehn bis 20 Prozent. Ein Dreipersonenhaushalt spart mit einem fairen Tarif in Berlin derzeit bis zu 140 Euro im Jahr, in Mainz knapp 240 Euro."

Aber eben auch nicht gleich 1000 Euro, wie so manches Tarifportal im Internet großspurig verspricht. Wie reagieren nun die Kritisierten? Dagmar Ginzel ist Sprecherin von "Verivox", ein Portal, welches hier noch mit am besten abgeschnitten, aber eben auch kein "gut" bekommen hat.

"Da haben wir als Vergleichsportal einfach das Problem, dass wir die Angebote an sich nicht in dem Maße bewerten können. Wir haben zwei Bereiche: Zum einen zeigen wir den gesamten Markt – egal wie vermeintlich seriös oder unseriös das Angebot ist. Im zweiten Bereich – wir nennen das Tarifempfehlungen – gibt es sogar Warnhinweise auf das, worauf geachtet werden sollte."

Auch der Bundesverband neuer Energieanbieter, bne, hat inzwischen reagiert: Dass sich die Verbraucher nicht auf die Vergleichsportale verlassen könnten, stimme bedenklich. Zudem: Einige schwarze Schafe unter den Stromanbietern würden mit ihren fragwürdigen Tarifstrukturen eine ganze Branche in Verruf bringen.

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