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StartseiteDie neue PlatteDer junge Mendelssohn Bartholdy im Konzert28.08.2011

Der junge Mendelssohn Bartholdy im Konzert

Neue Aufnahme des Freiburger Barockorchesters

Die jüngste CD des Freiburger Barockorchesters ist den zwei frühen Solokonzerten von Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet. Mit dreizehn zeigte er in diesen Konzerten bereits seinen Willen, die Errungenschaften der Vergangenheit mit neuen Ideen und Idealen seiner Zeit in Einklang zu bringen.

Von Ludwig Rink

Der Komponist, Dichter und Musikhistoriker Felix Mendelssohn Bartholdy. (AP Archiv)
Der Komponist, Dichter und Musikhistoriker Felix Mendelssohn Bartholdy. (AP Archiv)

Von den Solokonzerten Mendelssohns begegnen einem im Konzertsaal heute vor allem das Violinkonzert in e- und das 1. Klavierkonzert in g-Moll. Sie gehören fest zum Repertoire der Stars und der großen Orchester. Ensembles, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben und ihre Repertoire-Schwerpunkte eher in der Barockmusik haben, widmen sich aber auch gerne der ganz frühen Werke Mendelssohns. Das sind neben den Streichersinfonien vor allem das Klavierkonzert a-Moll von 1822 oder das Doppelkonzert von 1823. Schon Concerto Köln hat diese beiden frühen Solokonzerte vor 13 Jahren mit Andreas Staier und Rainer Kussmaul bei Teldec veröffentlicht; jetzt kommt bei Harmonia mundi France eine Neuaufnahme des Freiburger Barockorchesters heraus: mit Kristian Bezuidenhout und Gottfried von der Goltz als Solisten. Was die Freiburger dabei anders machen als die Kölner, das soll heute unter anderem unser Thema sein.

"Felix Mendelssohn Bartholdy
Konzert für Klavier und Streicher a-moll, MWV 02
Kristian Bezuidenhout, Fortepiano
Freiburger Barockorchester
Leitung: Gottfried von der Goltz
Harmonia mundi france (LC 07045) HMC 902082"

Als Felix Mendelssohn Bartholdy am 4. November 1847 in Leipzig im Alter von gerade 38 Jahren völlig überraschend starb, war er ohne Zweifel der berühmteste und angesehenste Komponist Europas. Seine beiden Oratorien "Paulus" und "Elias", seine Konzertouvertüren, die "Schottische Symphonie", die Klavierkonzerte, die Kammermusik, die Lieder und Chorwerke gehörten zum festen Repertoire der europäischen Oratorienvereine und Orchestergesellschaften, der Instrumentalvirtuosen, der Sängerinnen und Sänger, der Haus- und Salonmusik. Robert Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt oder Richard Wagner mochten in einzelnen Bereichen wie der Oper oder der Klaviermusik einen bedeutenden Namen haben – in der Breite seines Wirkens und Schaffens war Mendelssohn unstreitig der erste.

Ein Komponist von höchstem Talent, technischer Souveränität und großem, historisch fundiertem Stilgefühl, ein in ganz Europa geschätzter Dirigent mit festen Positionen als Gewandhauskapellmeister in Leipzig und Direktor der Kirchenmusik in Berlin, der aber auch als gesuchter Gastdirigent auf den großen Musikfesten vor allem in Deutschland und England Furore machte, ein brillanter Pianist und Kammermusiker und einer der ersten international tätigen Musikmanager, der im Musikleben Leipzigs und Berlins eine ebenso große Rolle spielte wie in London und der als Gründer und erster Leiter des Leipziger Konservatoriums die musikalische Ausbildung in Deutschland endlich auf eine professionelle Basis stellte, und schließlich der Musikhistoriker Mendelssohn, der mit der ersten Wiederaufführung von Bachs "Matthäus"-Passion in Berlin den Deutschen ihr größtes kirchenmusikalisches Meisterwerk zurückgab, der sich aber ebenso um die Händel-Pflege verdient machte.

Robert Schumann hatte ihn 1840 als "Mozart des 19. Jahrhunderts" bezeichnet, und in der Tat gibt es auffällige Parallelen: Wie dem Salzburger Klassiker war es auch Mendelssohn gelungen, trotz hehrer Ansprüche an die eigene Kompositionskunst den breiten Zuspruch des Publikums zu gewinnen, beide hatten sich außerdem extrem früh als große Begabungen herausgestellt. So komponierte Mendelssohn das hier eingespielte a-Moll-Klavierkonzert mit gerade einmal dreizehn Jahren. Und wenn auch Einflüsse früherer Klavierkonzerte älterer Kollegen hörbar sein mögen, so zeigt sich doch bereits in diesem Frühwerk Mendelssohns Wille, die Errungenschaften der Vergangenheit mit neuen Ideen und Idealen seiner Zeit in Einklang zu bringen. Ein schönes Beispiel hierfür bietet der Mittelteil des 2. Satzes mit dem rezitativischen Passagenwerk des Klaviers über gefühlvollen "tremolandi" in den Streichern.

"Felix Mendelssohn Bartholdy
2. Satz (Ausschnitt) aus: Konzert für Klavier und Orchester a-moll
Kristian Bezuidenhout, Fortepiano
Freiburger Barockorchester
Leitung: Gottfried von der Goltz
Harmonia mundi france (LC 07045) HMC 902082"

Gut zu hören war bereits hier die große, äußerst differenzierte Anschlagskultur des 1979 in Südafrika geborenen Pianisten Kristian Bezuidenhout, der zunächst in Australien und den Vereinigten Staaten modernes Klavier studiert hat, sich dann aber auch für alte Tasteninstrumente begeisterte und bei Arthur Haas die Möglichkeiten des Cembalos und bei Malcolm Bilson die des Hammerklaviers erkundete. Internationale Aufmerksamkeit zog er auf sich, als er im Alter von 21 Jahren den ersten Preis wie auch den Publikumspreis des renommierten Hammerklavier-Wettbewerbs von Brügge gewann. Heute ist er neben seiner vielfältigen Konzerttätigkeit Gastprofessor unter anderen an der Schola Cantorum in Basel. Welches Feuerwerk an Virtuosität und Musikalität dieser junge Musiker zu entfachen vermag, beweist er hier jetzt im 3. Satz dieses frühen Mendelssohn-Klavierkonzertes.

"Felix Mendelssohn Bartholdy
3. Satz (Ausschnitt) aus: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll
Kristian Bezuidenhout, Fortepiano
Freiburger Barockorchester
Leitung: Gottfried von der Goltz
Harmonia mundi france (LC 07045) HMC 902082"

Aber auch die dreizehn Jahre alte Aufnahme von Concerto Köln wurde damals bereits mit einem großen Keyboarder der Hammerklavier-Zunft gemacht, mit Andreas Staier. Und für das Doppelkonzert, bei den Freiburgern jetzt mit Bezuidenhout und Gottfried von der Goltz besetzt, war damals neben Andreas Staier der Geiger Rainer Kussmaul am Start. Der Vergleich der Solisten ergibt keine bedeutenden Unterschiede: Vielleicht geht Bezuidenhout noch eine Spur temperamentvoller und farbiger als Staier zur Sache, während Kussmaul in der Concerto-Köln-Aufnahme an vielen Stellen präsenter zu hören ist und somit sein Part deutlicher und klarer zur Geltung kommt. Und da auch die Orchester in beiden Aufnahmen durchaus ebenbürtig und auf sehr hohem Niveau spielen, fällt die Wahl schwer.

Der engagierte Musikliebhaber jedenfalls sollte beide Aufnahmen haben, denn einen gravierenden Unterschied gibt es doch: Während Concerto Köln damals das Doppelkonzert in der ersten Fassung für Violine, Klavier und Streicher spielte, zeigt das Freiburger Barockorchester jetzt erstmals auf CD, wie die zweite Fassung klingt, bei der Mendelssohn die Besetzung durch Bläser und Pauken erweiterte. Hier ein Ausschnitt aus dem 3. Satz.

"Felix Mendelssohn Bartholdy
3. Satz (Ausschnitt) aus: Doppelkonzert für Klavier, Violine und Orchester
Kristian Bezuidenhout, Fortepiano
Freiburger Barockorchester
Leitung und Solovioline: Gottfried von der Goltz
Harmonia mundi france (LC 07045) HMC 902082"

Die Neue Platte –mit der jüngsten CD des Freiburger Barockorchesters, die zwei frühen Solokonzerten von Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet ist. Zuletzt hörten Sie das Ensemble mit dem Schluss-Satz aus dem Doppelkonzert für Klavier, Violine und Orchester d-Moll; die Solisten waren Kristian Bezuidenhout, Hammerklavier und Gottfried von der Goltz, Violine.

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