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Seit 15:00 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellDer Kongress fliegt29.12.2008

Der Kongress fliegt

25. Chaos Communication Kongress widmet sich der Überwachungstechnik

<strong>Informationstechnik. - Knapp 3000 Mitglieder hat der Chaos Computer Club, dessen Kongress zwischen Weihnachten und Neujahr in diesem Jahr zum fünfundzwanzigsten Mal stattfindet. Mehr als 100 Vorträge werden in der Zeit gehalten, die sich mit der kritischen Bewertung in digitaler Technik beschäftigen.</strong>

Von Wolfgang Noelke

Hacker im Luftraum: Der Chaos Computer Club erforscht Drohnentechnik. (Noelke)
Hacker im Luftraum: Der Chaos Computer Club erforscht Drohnentechnik. (Noelke)

In den vier Kongresssälen ist kein Platz mehr zu finden. Auf den Gängen, vor den Sälen kauern dicht an dicht Menschen an ihren Computern, in drei Etagen stehen auf dem restlichen freien Plätzen Tische, an denen gelötet, gebastelt, programmiert und diskutiert wird. Im kleinen Kongresszentrum am Alexanderplatz arbeiten bis morgen auch zwei neue Arbeitsgruppen des Chaos Computer Clubs. Die eine Gruppe beschäftigt sich mit der Sicherheit von GSM-Netzen, in der anderen werden Fluggeräte gebastelt, so genannte Quadrokopter, beispielsweise von Holger Buss:

"Das ist das Geräusch, das man hört, wenn man den Mikrokopter einschaltet. Der macht nach dem Start einen Selbsttest der Motoren und dann weiß er genau, ob alles funktioniert. So, jetzt werde ich die Motoren mal starten - und jetzt können wir hier in dem kleinen Bereich, in der Halle ohne weiteres fliegen."

Auf dem Quadrokopter sind vier Microcontroller, also kleine Prozessoren. Die berechnen unter anderem die Lage von den Sensoren. Da sind Beschleunigungssensoren drauf, ein dreiachsiger und Drehratensensoren, so genannte Gyroskope und die berechnen anhand dessen die genaue Lage des Mikrokopters im Raum. Die anderen vier Controller berechnen die Steuerung der Motoren. Das sind dreiphasige Wechselstrommotoren und die müssen genau geregelt werden, um exakte Drehzahl zu halten und damit die Stabilität des Quadrokopters zu garantieren. Wir haben auch GPS-Module dafür. Damit kann er sich in der Luft autonom navigieren und kann auf der Position bleiben. Man kann "coming home" damit machen, das heißt, der fliegt autonom wieder zurück, wenn man will und das macht das Navigieren draussen natürlich sehr viel einfacher.

Ähnliche fliegende Drohnen werden neuerdings von Militär und Polizei eingesetzt, um mit darunter montierten Kameras heimlich in fremde Fenster zu spähen oder Menschenmengen zu überwachen. Deswegen seien die Chaos Computer Club-Mitglieder, die sich mit dieser Technik beschäftigen, keine Modellbaugruppe, sagt Frank Rosengart, Sprecher des CCC, sondern zeigen deutlich die Philosophie des Clubs, Technik - und vor allem neue Technik kritisch unter die Lupe zu nehmen:

"Das Thema Drohnen ist für uns als Chaos Computer Club ziemlich schwierig, weil wir einerseits sehen, dass es eine Technik ist, die auch von den Militärs benutzt wird und auch vom Staat, um Leute zu überwachen. Das heißt, wir sehen uns schon dem Vorwurf ausgesetzt, dass wir, indem wir dieses Thema fördern, natürlich auch indirekt damit dem Staat und Militärs helfen, diese Technik weiter zu entwickeln. Das heißt, die Leute bilden sich fort, es entsteht Wissen dadurch, was dann natürlich auch von der anderen Seite abgegriffen werden kann. Wir sagen aber, wir wollen diese Technik verstehen und wollen sie auch selbst aktiv entwickeln, um da nicht hinten dran zu bleiben. Wir wollen auf gleicher Höhe mitdiskutieren können, wir wollen auch wissen, worüber wir reden und welches Potenzial es da noch gibt und natürlich die Möglichkeit haben, diese Drohnen auch selbst in der Hand zu haben. Insofern ist es für uns auch ein wichtiges zukunftsweisendes Thema, wo wir dann auch aktiv mit dran sind."

Beispielsweise demonstrieren CCC Mitglieder in etwa einer halben Stunde, dass die so genannten DECT-Telefone doch nicht so abhörsicher sind, wie es die Industrie behauptet. Dieser Beweis gelang nur, weil sie sich die Mühe machten, die Infrastruktur eines DECT-Telefonnetzes nachzubauen und dabei die Schwachstellen zu entdecken. Dass der gesamte Inhalt einer GSM-Telefonkarte, inklusive der dort gespeicherten Kurznachrichten vom Provider heimlich ausspioniert und verändert werden kann, ist ebenfalls eine vom CCC auf diesem Kongress veröffentlichte technische Schwachstelle.

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