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StartseiteComputer und KommunikationDer richtige Weg24.01.2009

Der richtige Weg

Wie einzelne Länder auf die Gefahren des Internets für Jugendliche reagieren

<strong>Derzeit wird in Deutschland wieder einmal heftig darüber diskutiert, wie sich Kinderpornographie im Internet verbieten lässt. Filter sind in der Diskussion ebenso wie schärfere Auflagen für Internet-Provider. Auch in anderen Ländern der EU spielt das eine Rolle, hat aber einen anderen Stellenwert.</strong>

Von Pia Grund-Ludwig

Ein Beispiel: Polen - Jugendschützer sehen dort zwar auch das Problem der Kinderpornographie, warnen jedoch davor, andere Themen aus dem Auge zu verlieren. Agnieska Wrzesien ist Projektkoordinatorin des Awareness Node Poland Safer Internet Programm. Diese Initiative wird vom Kinderrechtsprogramm Eurochild der Europäischen Union gefördert. Sie kümmert sich in Polen um den Jugendschutz im Datennetz. Der Fokus auf die Kinderpornographie ist Agnieska Wrzesien dabei zu eng:

"In Polen richtet sich die Aufmerksamkeit stark auf Pädophilie und sexuelle Übergriffe im Datennetz. Meiner Meinung nach ist es aber auch eine große Herausforderung, Mobbing über Datennetze zu verhindern."

Die Expertin wollte genau wissen, wie verbreitet Mobbing in den Datennetzen ist und hat dazu in ihrem Land eine Umfrage unter Jugendlichen gestartet. Die hat alarmierende Zahlen zu Tage gefördert:

"52 Prozent der jungen Leute haben Erfahrungen mit Gewalt über Mobiltelefone oder im Datennetz. Das ist einer der Gründe, warum wir uns entschieden haben, eine landesweite Kampagne gegen Cybermobbing zu starten."

Im Rahmen dieser Kampagne ist unter anderem ein Film entstanden. Er behandelt das Problem aus drei Perspektiven: Der des Opfers, der Täter, die die Übergriffe oft genug für einen Scherz halten und der des Zuschauers, der sich nicht einmischt. Dieser Film wird an Schulen gezeigt. Dass das notwendig ist, zeigt ein drastisches Beispiel:

"Ein Fall hat bei uns viel Aufmerksamkeit erregt. Ein zwölf Jahre altes Mädchen wurde in einer beschämenden Situation mit einem Mobiltelefon fotografiert. Dieses Video wurde ins Internet gestellt und im Klassenzimmer herumgeschickt. Danach hat das Mädchen Selbstmord begangen."

Nicht immer kommt es zu solch dramatischen Fällen. Aber, so Wrzesien, der Einstieg in das digitale Zeitalter sei erfolgt, ohne dass die entsprechenden Werte vermittelt wurden. Das müsse man nachholen, und dabei dürfe nicht nur bei den Technologien ansetzen:

"Wir sagen immer, dass der beste Filter der ist, der in den Köpfen entsteht. Man muss den Jugendlichen zeigen, wie schlechte Dinge sich im Internet entwickeln und wie sie mit diesen Risiken umgehen können."

Diesen Umgang mit Risiken müssen junge Menschen auch in Japan erst lernen, berichtet Akinori Maemura vom Japan Network Information Center.

"Viele unserer Schüler und Studenten haben Mobiltelefone. In Japan kann man mit fast allen Mobiltelefonen ins Internet. Das derzeit größte Problem ist derzeit der Umgang mit Dating-Seiten."

Über diese Flirt- und Kontaktbörsen komme es zu Belästigungen und Übergriffen. Deshalb hat das japanische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das spezielle Filter für Mobiltelefone vorsieht. Ob das funktioniert, bezweifelt Maemura:

"Das wird sehr kontrovers diskutiert. Die Betreiber sagen, dass es zu übermäßiger Kontrolle komme wenn man für Kinder und Jugendliche schädliche Inhalte filtere. Wenn sie sich beim Filtern irren, wird das gesetzlich bestraft."

Die Provider riskieren also Strafen, wenn sie Inhalte versehentlich unterdrücken. Außerdem, so Maemura, gefährden diese Filter das Grundrecht der Redefreiheit. Das ist mittlerweile auch in den Ländern ein Thema, in denen sich das Internet noch nicht wirklich durchgesetzt hat. Unser Beispiel: Ägypten.

"Wir bieten unterschiedliche Filter über unsere Internet-Provider an. Einer der großen Provider bietet ein Sicherheitspaket für Familien an, die das wollen. Aber das entwickelt sich erst noch. Aber natürlich gibt es auch eine politische Debatte darüber, wie gut Filtersysteme sind, wo man sie einsetzen kann und wer sie benutzen darf. Das ist notwendig, um die Meinungsfreiheit zu garantieren."

Erzählt Nevine Tewfik, Director Cyber Peace im ägyptischen Ministerium für Kommunikation und Technologie. Es gehe in ihrem Land aber noch in erster Linie darum zu vermitteln wie man das Internet überhaupt nutzen könne.

"Ich würde sagen, dass nicht die Gefahren im Mittelpunkt stehen, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind, sondern die Fähigkeit, mit den Datennetzen umzugehen. Sie müssen lernen, wie das Internet funktioniert. Diese Grundlage ist unbedingt notwendig."

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