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StartseiteForschung aktuellDiamonds are forever23.08.2007

Diamonds are forever

Nachrichten von der jungen Erde

Geochemie. - Dass Diamanten ewig sind, hat ja schon Shirley Bassey behauptet. Nun kann das Nachwuchs-Mineralogin Martina Menneken von der Universität Münster bestätigen. Zusammen mit Kollegen aus Münster und von der Curtin-Universität im westaustralischen Perth stellte sie heute in "Nature" und auf der gerade in Köln stattfindenden Goldschmidt-Tagung der Geochemiker die ältesten Diamanten der Welt vor.

Von Dagmar Röhrlich

Nur in starker Vergrößerung sind die Diamanteinschlüsse in den winzigen Zirkonen sichtbar. (Nature/Martina Menneken)
Nur in starker Vergrößerung sind die Diamanteinschlüsse in den winzigen Zirkonen sichtbar. (Nature/Martina Menneken)

"Ich denke, ich muss in einem früheren Leben etwas Großartiges gemacht haben, weil: Das war einfach unheimliches, pures Glück, muss man sagen, dass wir diesen Fund gemacht haben. Also natürlich haben wir auch viel Arbeit gehabt, wir haben 1000 Zirkone durchgeschaut. Aber es haben schon viele andere Leute mit diesen Zirkonen gearbeitet und halt, dass man dann diese Einschlüsse findet, denke ich mal, ist auch eine große Portion Glück."

Vor allem, wenn der wichtigste Fund direkt mit dem ersten Zirkon gelingt, der unter dem Mikroskop liegt, erklärt Mineralogiestudentin Martina Menneken von der Universität Münster. Zwei nur Millimeterbruchteile winzige Diamanten stecken in diesem Zirkon. Zirkone sind durchsichtige Minerale, die – einmal entstanden – für die Ewigkeit gemacht sind: Einmal entstanden, verändern sie sich nicht mehr. Ihr Alter lässt sich sehr gut bestimmen, sagt Mitautor Simon Wilde von der Curtin University in Perth:

"”Wir haben dann die Zone zwischen den beiden Diamantkörnchen datiert und herausbekommen, dass dieser Zirkon 4,265 Milliarden Jahre alt ist. Er ist der älteste der 45 Zirkone, in denen die Münsteraner Wissenschaftler Diamanten entdeckt haben.""

Als dieser Zirkon entstand, existierte die Erde gerade einmal 300 Millionen Jahre. Dieser Zirkon stammt – wie die anderen 999 auch – von einer unter Geologen berühmten Fundstätte: aus den westaustralischen Jack Hills. Dorther stammt der Stoff für neue Entdeckungen. Wilde:

"Derzeit bekommen wir aufregende neue Ergebnisse. Der älteste dort gefundene Zirkon ist 4,406 Milliarden Jahre alt und damit nur 150 Millionen Jahre jünger als die Erde. Aus dieser "Kinderstubenzeit" unseres Planeten blieben keine Gesteine erhalten, sondern nur die extrem beständigen Zirkone. Ihre Analyse deutet darauf hin, dass es auf der Erde von Anfang an flüssiges Wasser gegeben hat. Das legte den Grundstein zu der neuen Hypothese von der kühlen jungen Erde."

Danach war die frühe Erde kein höllischer Ort mit brodelnden Magma-Ozeanen an der Oberfläche. Sondern sie war kühl, und es gab flüssiges Wasser. Sogar Meere sollen existiert haben, Kontinente – und so etwas wie Plattentektonik. Die Mikrodiamanten passen in dieses Bild. Ihre Herkunft ist zwar nicht mit Sicherheit geklärt, aber es gibt eine Vermutung. Menneken:

"Soweit wir bisher sehen können haben die Diamanten die meiste Ähnlichkeit mit den Diamanten, die man heute in Ultrahochdruck-metamorphen Gesteinen findet."

Solche Ultrahochdruck-metamorphen Gesteine bilden sich heute tief in der Erde, wenn zwei Erdkrustenplatten kollidieren und sich Gebirge auftürmen. Menneken:

"Wenn wir uns auf diesen Vergleich verlassen können, und die Bedingungen auf der frühen Erde nicht so komplett anders waren, dann können wir sagen, dass wir eigentlich vor 4,2 Milliarden Jahren schon Plattentektonik hatten."

Oder so etwas ähnliches. Falls die Interpretation zum Ursprung dieser Mikrodiamanten stimmt, muss die Welt nach ihrer Entstehung rasant abgekühlt sein. Denn nur wenn die Kruste kühl und damit schwer genug ist, kann sie ins Erdinnere absinken – wie es eben geschieht, wenn sich eine Platte über eine andere schiebt. Und das funktioniert nur mit dem Schmiermittel Wasser. Menneken:

"Und wenn man sich fragt, haben wir Wasser, dann denken viele sicherlich auch gleich, haben wir nicht eventuell die Bedingungen schon gegeben für frühes Leben?"

Die Diamanten werden genau unter die Lupe genommen, schließlich sind sie nichts anderes als eine durch Hochdruck entstandene Form des Kohlenstoffs – und der ist auf der Erde das Element des Lebens. Die Analyse könnte Hinweise darauf geben, ob der Kohlenstoff der Diamanten einmal durch den Stoffwechsel eines frühen Lebewesens gelaufen ist.

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