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StartseiteCampus & KarriereSchwächen zu Verbündeten machen21.02.2018

Didacta to goSchwächen zu Verbündeten machen

Persönliche Schwächen müssen uns nicht schwach machen. Wenn wir sie klar erkennen und richtig mit ihnen umgehen, können sie sogar ungemein hilfreich sein. Das zumindest ist die Meinung von Stefanie Demman, die auf der Bildungsmesse Didacta ihr Selbstcoaching vorstellt.

Von Agnes Bührig

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Männerarm mit geballter Faust  (imago/imagebroker)
Schwächen können zu Stärken werden (imago/imagebroker)
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"Ich bin ein Morgenmuffel, ich bin eine Nachteule – ich weiß nicht, ob mir das heute einigermaßen gelungen ist, das so ein bisschen zu übertünchen."

Stefanie Demann kennt ihre Schwächen. Abends komme sie nicht ins Bett, morgens nicht heraus, erzählt sie dem Publikum freimütig. Um ihr Verhalten zu verändern, hat sie sich den Namen Mufflon gegeben. Denn eine Schwäche sichtbar zu machen, ist der erste Schritt auf dem Weg, sie zu erkennen.

"Wenn ich dem eine Gestalt gebe, dann hole ich das so ein bisschen aus der Anonymität heraus und ich kann dann damit besser umgehen."

Schwächen klar benennen

Denn nur, was man wahrnehmen kann, kann man auch analysieren, sagt die Coachin und fordert ihre Zuhörer auf, sich die eigenen Schwächen einmal ins Gedächtnis zu rufen. Doch das Ziel ist diesmal nicht, sich dafür zu geißeln, was man alles nicht kann.

"Es sind gar nicht die Schwächen, die uns schwach machen, sondern die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Dadurch schwächen wir uns selber."

Warum also machen wir uns selber klein? Im Selbstcoaching unterstellt sie allen Seiten ihrer Persönlichkeit erst einmal gute Gründe für ihre Existenz, sagt Stefanie Demann. Herauszufinden, was das Anliegen im Hintergrund ist, wenn jemand Schwächen zeigt, ist der nächste Schritt.

"In dem einen Fall war es jemand, der – wenn er ungerecht behandelt wird – so zornig wird. Das heißt, für Gerechtigkeit einzutreten, ist eigentlich eine gute Sache. Das möchte, dass Sie gerecht behandelt werden."

Körper reagiert auf bestimmte Situationen

Oft zeigten sich solche Situationen auch ganz körperlich: Der Hulk in ihrer Praxis habe immer eine Zornesfalte entwickelt, wenn er wütete, die Jasagerin saß mit hängenden Schultern auf dem Stuhl, wenn sie erzählte, wie sie es wieder einmal nicht ablehnen konnte, bei einer Sitzung das Protokoll zu schreiben.

"Dann kann ich gegensteuern, indem ich tatsächlich selber eine Körperbewegung einübe: Mit zwei Fingern diese Zornesfalte kurz streicheln oder berühren, ich kann mich ein bisschen aufrichten, wenn ich derjenige war, der so zusammen fällt und die Schultern rund macht."

Und wie gehen Sie mit Ihrer eigenen Schwäche um, will eine Zuhörerin nach Ende des Vortrags noch wissen. Sie rede sich morgens im Bett oft gut zu, wenn um sechs Uhr der Wecker klingelt: "Du willst heute nach Hannover, du willst diesen Vortrag halten, damit du deinen drei Jungs etwas bieten kannst." Der Mufflon also darf bleiben. Jetzt aber sei er ihr Verbündeter, sagt Stefanie Demann.

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