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Die Bezahlschranke fällt

Springer startet bei "Welt Online" ersten Versuch einer Paywall

Von Eleni Klotsikas

Bis hierher und nicht weiter - die WELT führt als erstes Onlineportal eine Bezahlschranke ein.
Bis hierher und nicht weiter - die WELT führt als erstes Onlineportal eine Bezahlschranke ein. (picture alliance / dpa / Hans-Joachim Rech)

Der Zeitpunkt für die Einführung einer Bezahlschranke für Welt Online hätte nicht besser sein können. Der Springer-Verlag erhofft sich Verständnis beim Leser, die Gratis-Kultur im Netz zu beenden.

Zum ersten, zum zweiten, zum Zwanzigsten..

Dann soll sie fallen die Bezahlschranke. Den 21. Artikel im Monat sollen Leser von Welt-Online nur noch lesen dürfen, wenn sie ein Online-Abo abgeschlossen haben. Das kostet als Basispaket inklusive Smartphone-App 6,99 Euro im Monat. Im günstigsten Fall kostet es weiterhin gar nichts, Welt Online zu lesen. Um die Bezahlschranke zu knacken, muss man noch nicht einmal Hacker sein. Wer nämlich ausgerechnet über Erzfeind Google oder durch Links auf sozialen Netzwerken einen Welt-Online-Artikel anklickt, erhält diesen weiter kostenlos, auch wenn es der hundertste ist. Romanus Otte, verantwortlich für die Digitalgeschäfte der Welt-Gruppe klärt diesen Widerspruch auf:

"Wir haben uns bewusst dafür entschieden, jetzt zu Anfang unsere Energie nicht darauf zu lenken, wie wir diese berühmte Paywall bauen können und die dann auch noch verteidigen und immer mehr aufwehren zu müssen, sondern uns geht es im ersten Schritt ganz bewusst um diejenigen, von denen wir vermuten, dass sie bereit sind, für die Art von Journalismus, die wir anbieten, auch zu bezahlen."

Klingt fast wie ein Spendenaufruf. Pay-Wahl statt Paywall, der Aufruf, mit dem die "taz" versucht, die Umsonstleser zum Zahlen zu animieren. Auch Romanus Otte will diese auf keinen Fall vergraulen.

"Wenn die weiter unserer Seite gewogen bleiben, ist das uns auch erstmal ganz Recht."

Denn auch Online-Leser, die nicht zahlen, bringen Reichweite und Geld, zwar immer noch weniger als im Print-Geschäft, doch bei Springer mit hohen Wachstumsraten. Mit digitalen Anzeigen auf seinen journalistischen Portalen verdiente Springer in den ersten drei Quartalen 2012 mehr als 57 Millionen Euro, fast 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Bewusst geschaffene Schlupflöcher in der Bezahlmauer dienen dazu, die Reichweitenverluste einzudämmen. Jan Bayer, Mitglied des Vorstandes bei Springer drückt es so aus:

"Nehmen Sie die Homepage. Dort garantieren wir eine Million Ad-Impressions und die Homepage bleibt frei und wir werden dort die gleichen Klicks haben wie vorher auch. Und langfristig ist es so, dass wir zusätzlich zu der Reichweite, die wir heute haben, eben eine neue Reichweite aufbauen, nämlich mit Menschen, die für Inhalte Geld bezahlen. Und da glauben wir, dass die für den Werbemarkt interessanter sind, da es Menschen sind, die einfach loyaler zu einem Produkt sind und dass wir eben auch andere Preise durchsetzen können."

Langfristig geht es Springer-Chef Mathias Döpfner darum, die Zeitung vom Papier zu emanzipieren, wie er diese Woche bekanntgab, ohne diese durch Nebengeschäfte zu subventionieren. Doch eines ist den Springer -Chefs auch klar: Ziehen die anderen Verlage in der Online-Bezahlstrategie nicht mit, entsteht dafür langfristig kein Markt. Daher hoffen alle bei Springer, dass den bei den Münchner Medientagen geäußerten Absichterklärungen der Konkurrenten auch Taten folgen. Doch sicher ist sich Vorstandsmitglied Jan Bayer nicht, sein Optimismus ist daher verhalten.

"Ob sich das im Markt und im Internet durchsetzen wird, wissen wir nicht, aber irgendwo muss man mal anfangen und das tun wir jetzt."

Mit Welt-Online wolle man erste Erfahrungen sammeln, so Bayer. Bevor es im Sommer 2013 dann richtig losgeht. Dann lässt nämlich Bild-Online die Bezahlschranke fallen:

Anders als beim Abo-Modell von Welt-Online mit Pay-per-Click für ausgewählte exklusive Inhalte und ohne Umsonst-Schlupflöcher. Schlagendes Verkaufargument könnten dabei die Internetrechte der Fußball-Bundesliga sein, die "Bild" erworben hat. Und Fußball lässt sich bekanntlich immer besser vermarkten als Journalismus.

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