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Die ersten Milchbauern Afrikas

Schon vor 7000 Jahren wurden im heutigen Libyen Milchprodukte hergestellt

Von Michael Stang

Bilder von domestizierten Rinder aus dem Wadi Imha, Libyen
Bilder von domestizierten Rinder aus dem Wadi Imha, Libyen (Nature/Roberto Ceccacci, The Archaeological Mission in the Sahara, La Sapienza, Roma)

Paläoanthropologie. - Die Sahara hat im frühen Holozän eine bemerkenswert grüne Phase durchgemacht und wurde zu dieser Zeit auch stark von Menschen genutzt. Britische Chemiker berichten jetzt in "Nature", dass diese Menschen offenbar schon sehr früh, vor 7000 Jahren Rinder zu domestizieren und deren Milch zu schätzen wussten.

Die Sahara erlebte in den vergangenen 200.000 Jahren nur dreimal eine grüne Phase. Die letzte üppige Vegetation spross vor rund 7000 Jahren. Danach neigte sich die Erdachse, der Monsun brachte nicht mehr so viel Regen in die Gegend und die Landschaft wurde immer trockener. Irgendwann in dieser Zeit kamen die ersten Viehzüchter in diese Region. Das belegen auch Zeichnungen aus Höhlen des Akakus-Gebirges im heutigen Libyen, die eine Tierhaltung darstellen.

"Die Frage, ob die frühen Viehzüchter in Afrika ihre Kühe auch gemolken haben, wird seit jeher diskutiert. In Nordwest-Libyen, wo wir arbeiten, gibt es Höhlenmalereien, die viele Rinder zeigen. Von daher wissen wir, dass es schon früh Rinder dort gab. Wir haben nur das Problem, dass sich diese Zeichnungen schlecht datieren lassen","

sagt der britische Biochemiker Richard Evershed von der Universität von Bristol. Er wollte die Anfänge der Milchnutzung in Nordafrika bestimmen.

""Wenn man aber Gefäße nimmt, die wir aus den Höhlen mit den Zeichnungen in Libyen finden, wird die Datierung einfacher. Meist finden wir karbonhaltige Stoffe wie etwa Holz- oder Pflanzenreste darin, zudem können wir die Gefäße stilistisch bestimmen, weil diese Keramiken bestimmte Zeit- und Kulturstufen angeben. Befinden sich Milchreste darin, können wir die Milchfette bestimmen und wissen, ab wann diese Menschen Milchprodukte erzeugt haben."

Richard Evershed analysierte 81 Gefäßreste in seinem Labor, die aus verschiedenen Hinterlassenschaften wie etwa Höhlen in Libyen stammen. Meist waren es nur kleine Scherben.

"Dabei handelt es sich um die Reste unglasierter Gefäße, einige sind auch verziert. Die ältesten Gefäße dort in der Gegend sind rund 9000 Jahre alt und stammen von Jäger- und Sammlerkulturen. Bei den ganz alten Tonscherben konnten wir jedoch noch keine Rückstände von Milchprodukten nachweisen."

Die gesuchten Spuren fanden Richard Evershed und seine Kollegen erst bei 7000 Jahre alten Gefäßen. Dabei handelt es sich um Fette, die an den alten Scherben haften. Mithilfe stabiler Isotopen gelang der Nachweis, dass es sich tatsächlich um Milchfette handelt. Evershed:

"Die Gefäße waren also mit Milchprodukten gefüllt waren. Das beweist, dass diese Menschen tatsächlich die Rinder gemolken haben."

Damit werden in Afrika seit mindestens 7000 Jahren Kühe gemolken. Möglicherweise ist die Milchnutzung aber noch viel älter, so Richard Evershed, vielleicht aber auch nicht.

"I honestly don’t know. This could be it, this could be the time we could have it already."

Er wisse es ehrlich gesagt nicht, möglicherweise haben sie den frühesten Nachweis ja bereits schon erbracht. Die alten Spuren verraten aber noch etwas anderes.

"Wir haben eine große Vielfalt an Karbonspuren gefunden. Das deutet darauf hin, dass die Rinder nicht immer dasselbe zu fressen bekamen, sondern vielleicht auch an verschiedenen Orten gefressen haben."

Ob die unterschiedliche Ernährung auf eine saisonale Vegetation – spärliches Grün im Winter, saftige Gräser im Sommer – zurückgeht, oder ob diese Rinder von einer Weidefläche zur nächsten getrieben wurden, lässt sich nicht klären. Ebenso wenig können die Forscher sagen, ob diese ersten afrikanischen Milchbauern schon den Milchzucker Laktose im Erwachsenenalter verdauen konnten. Einzig die Felsmalereien deuten darauf hin, dass es sich bei den Rindern um jene Tiere handelt, die in Europa domestiziert wurden und von dort aus nach Afrika kamen.

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