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StartseiteCampus & KarriereDie Juniorprofessur in der Physik28.04.2005

Die Juniorprofessur in der Physik

Seit zweieinhalb Jahren ist Achim Peters Juniorprofessor und die Begeisterung des Anfangs ist verflogen. Peters forscht im Bereich Optische Metrologie am Institut für Physik der Berliner Humboldt-Universität. Nach seiner Promotion in Stanford und Nachfolgejahren an der Universität Konstanz setzte er sich gegen viele Konkurrenten durch und bekam den Posten in Berlin. Doch die Juniorprofessur, merkte er schnell, hat ihre Tücken.

Von Markus Rimmele

Jeder vierte Juniorprofessor in der Physik hat gar keine Drittmittel zur Verfügung und jeder zweite weniger als 100.000 Euro, fand die DPG heraus. (AP)
Jeder vierte Juniorprofessor in der Physik hat gar keine Drittmittel zur Verfügung und jeder zweite weniger als 100.000 Euro, fand die DPG heraus. (AP)

Beispiel Finanzen. Die Anschubfinanzierung des Bundesforschungsministeriums in Höhe von knapp 80.000 Euro war viel zu gering, das Geld schon im ersten Jahr aufgebraucht.

" Einer der kritischen Punkte bei der Juniorprofessur ist ganz klar, dass in den Naturwissenschaften experimentell die eigentliche Grundfinanzierung, wie es sie vom BMBF damals gab, natürlich eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können, das heißt man muss sich im Wesentlichen fast komplett aus Drittmitteln finanzieren. Wenn es keine Grundausstattung gibt, hat man halt immer das Problem, wenn auch nur mal ein Antrag schief geht, dann steht man oft, insbesondere auf der Personalseite, vor schwierigen Entscheidungen."

Das heißt, Peters hat keine Planungssicherheit für seine Arbeitsgruppe und verbringt zudem viel Zeit, die er eigentlich in die Forschung investieren sollte, mit der Beschaffung von Drittmitteln. Peters bestätigt die Ergebnisse einer neuen Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG. Demnach hat jeder vierte Juniorprofessor in der Physik gar keine Drittmittel zur Verfügung und jeder zweite weniger als 100.000 Euro. Somit können viele Juniorprofessoren aus Geldmangel nicht unabhängig und selbstständig forschen. Genau das war aber das Ziel dieser neuen Stellen.

Der zweite große Kritikpunkt der DPG ist die fehlende Berufsperspektive für die Juniorprofessoren. Die Stellen sind auf sechs Jahre befristet. Wie es danach weiter geht, ist meist unklar. Die Juniorprofessoren sollen sich theoretisch durch ihre gute Arbeit für Professuren auf Lebenszeit empfehlen. Doch wo keine Stellen sind, wird auch keiner eingestellt. Die Tenure-Track-Option fehlt. Für viele Juniorprofessoren könnte nach 6 Jahren einfach Schluss sein. Auch Achim Peters' Zukunft ist völlig ungewiss:

" Man selber ist gut, aber es gibt die Stelle nicht, auf die man rutschen könnte. Und insofern gehe ich davon aus, dass ich momentan die bestmögliche Wissenschaft betreiben muss und dann also nicht nur einfach auf die Karte setzen kann, hier bleiben zu können in Berlin. Das heißt, ich werde mich auch umschauen nach anderen Stellen, und in meinem Fall werde ich das insbesondere auch international tun."

Sprich, Peters denkt daran, nach Amerika zurückzugehen - ein klassischer Fall von Braindrain. Doch trotz aller Kritik bereut Peters nicht, die Juniorprofessur angenommen zu haben und stützt das Gesamturteil der DPG-Studie.

Uli Nienhaus, Physiker an der Universität Ulm und einer der Autoren der Studie, hält die Juniorprofessur zwar für stark reformbedürftig:

" Dennoch ist das Fazit der Studie, dass es eine große Chance beinhaltet, diese Juniorprofessur als weitere Säule bei der Ausbildung zum Hochschullehrer zu etablieren. Das ist eine sinnvolle Ergänzung, die dazu beitragen wird, das Berufungsalter deutlich herabzusetzen."

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