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StartseiteCampus & KarriereDie Leben des anderen23.06.2010

Die Leben des anderen

Wissenschaftler und Unternehmer wechseln die Perspektive

Mehr als 60 Unternehmer und Hochschulprofessoren in Brandenburg haben in den vergangenen Jahren einen Tag lang ihren Job und die Büros getauscht, um aus anderer Perspektive die Arbeit des Partners besser kennen und verstehen zu lernen.

Von Axel Flemming

Voneinander lernen. (Stock.XCHNG / Philippe Ramakers)
Voneinander lernen. (Stock.XCHNG / Philippe Ramakers)

Im großen Saal der IHK Potsdam sitzen 16 Teilnehmer der Aktion "PerspektivWechsel". Das ist immerhin ein Viertel der Tauschpartner, die in vier Jahren an jeweils einem Tag am eignen Leib erfuhren, wie es ist, wenn Wissenschaft auf Wirtschaft trifft.

Einer von ihnen: Ulrich Otto, Vorstand der Netfox AG, ein IT-Dienstleister, der sich um Service-Management und Informationssicherheit kümmert. "Richtig mit Arbeit verbunden und sinnvoll", so lautet das persönliche Fazit des Unternehmers:

"Ich habe getauscht mit Frau Dr. Schwartz von der Fachhochschule Potsdam, und zwar aus dem Bereich Archivar- und Bibliothekswesen. Und das passte ganz gut zusammen, weil wir ja auch bei E-Mail-Archivierung im Sicherheitsbereich einige Lösungen mit anbieten müssen, und so konnte ich mich sogar noch weiterbilden in dem Feld. Ich musste nämlich auch zwei Vorlesungen halten."

"PerspektivWechsel lohnt !" sagt Wissenschaftsministerin Martina Münch.
Sie ist nicht nur verantwortlich für die Initiative, die das Wissenschaftsministerium und die Brandenburger Industrie- und Handelskammern gemeinsam betreiben, sie hatte im Mai selbst einen Tag lang mit rbb-Intendantin Dagmar Reim getauscht:

"Seit 2007 gibt es dieses Programm, diese wirklich gute Idee und da dachte ich, warum sollen das immer nur andere machen, ich probier das selbst einmal aus. Es geht nicht darum, fachlich einzusteigen, das geht sicherlich nicht an einem Tag. Aber es geht darum zu sehen, wie laufen Entscheidungstrukturen ab, wie ist die Organisation dort aufgebaut, wie funktioniert die Zusammenarbeit und das ist schon ganz interessant, da kann man schon einiges voneinander lernen."

Die Teilnehmer sind im Schnitt um die 40, keine Berufsanfänger mehr, aber auch noch nicht mit der Perspektive Rente.
Einige hatten sich intensiv vorbereitet, viele haben sich hinterher noch einmal getroffen, um ihre Erfahrungen auszutauschen, manche halten den Kontakt bis heute.
Andere waren aber nahezu unvorbereitet in den Perspektivwechsel gestolpert, wie Winfried Pfister von der Fachhochschule Brandenburg:

"Ich hab aber festgestellt, es war mein Fehler. Ich hätte das besser vorbereiten sollen. Man kann nicht an einem Tag in Geschäftsprozesse einsteigen. Richtig tief in die Unternehmensprozesse. Und dann da wertschöpfend tätig sein. Also, das ist eine Illusion, das zu glauben."

Als Vermittler betätigt sich die IHK Potsdam.
Sie schlägt interessierten Unternehmern und Wissenschaftlern die Tauschpartner vor.
Fachbereichsleiter Manfred Wäsche sagt, so sind schon viele Ideen zu Bachelor- und Master-Arbeiten entstanden:

"Das ist unser größtes Anliegen, dass wir hier über Personaltransferaktionen welcher Art auch immer, das können Praktika sein, das können Diplomarbeiten sein, also, das finde ich ist eine sehr effektive Art von Wissenstransfer und der kostet auch kein Geld, man braucht auch kein großes Förderprogramm, man braucht nur ein paar aktive Leute, die den Matching-Prozess durchführen und letztendlich Unternehmer und Forscher zusammenbringen."

Bleibt die Frage nach der Nachhaltigkeit, mit der sich auch die Teilnehmer beschäftigten: Was bleibt über den Tag hinaus, was außer einer gewissen PR bringt die Aktion, wenn sie auf einen Tag begrenzt ist?
Ministerin Münch:

"Also, ich glaub nicht, dass das ein Etikett ist. Wir erwarten uns ja nicht, dass mit einem Schlag sich alles ändert. Aber man bekommt eine andere Sicht auch auf das, was man selbst tut auch auf das, wie man selbst strukturiert ist und das ist ein hilfreicher Anstoß, vielleicht manche Dinge nochmals neu zu überdenken, und mehr kann es ja auch gar nicht sein aber das ist schon eine ganze Menge, wenn wir das erreichen."

Die Teilnehmer meinen: Wirtschaft trifft Wissenschaft sollte viel öfter passieren.
Noch ist es nicht entschieden, aber nach dieser Bilanz wächst die Wahrscheinlichkeit, dass der "PerspektivWechsel" in ein fünftes Jahr geht. Unternehmer Ulrich Otto wäre gerne noch einmal dabei:

"Damals gab's eine Auswahl und da waren unheimlich spannende Sachen dabei: hier aus der Region Potsdam, vielleicht auch mal aus Cottbus, von der BTU aus einem ganz andern Fachbereich, Logistik vielleicht, war auch mal ein spannendes Thema."

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