Sport am Wochenende / Archiv /

 

Die Spur führt nach San Francisco

Armstrong-Financier Weisel und seine Geschäftsbeziehungen

Von Jürgen Kalwa

Lance Armstrong bei der Tour de France im Juli 2009
Lance Armstrong bei der Tour de France im Juli 2009 (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)

Armstrong-Financier Thomas Weisel, der auch einen Teil des Privatvermögens des Ex-Weltradsportpräsidenten Hein Verbruggen verwaltete, ist ins Visier der Ermittler geraten. Der kalifornische Investmentbanker zog hinter den Kulissen fast überall seine Strippen und war verantwortlich für den Sponsorenvertrag des US Postal Teams.

Der eine schob mit seinem Geld die Radsport-Karriere von Lance Armstrong an. Er baute die Firma Tailwind auf, die die Rennställe und Fahrer managte. Der andere fungierte derweil als Präsident des Weltradsportverbandes UCI. Mehr schlecht als recht, wie man heute weiß.

Der eine - Thomas Weisel, Investmentbanker San Francisco - wusste, wie man in Silicon Valley mit Risikokapital viel Geld verdienen kann. Das gefiel dem anderen, dem Holländer Hein Verbruggen. Und so schickte er einen Teil seines Privatvermögens an Weisels Firma. Zu Anlagezwecken.

Diese unsachgemäße, wenn nicht grenzwertig korrupte Verquickung von Sport, Geschäft und Privatinteressen, hat das Wall Street Journal aufgedeckt. Es passt in das Bild, das sich aus zahlreichen aktuellen Medienberichten ergibt, die Weisel und seinen Einfluß dokumentieren.

Für den 71 Jahre alten Unternehmer interessieren sich nämlich unter anderem die Ermittler der amerikanischen Post. Sie treiben einen sogenannten "Whistleblower" - Prozess voran, der von Armstrongs früherem Teamkollegen Floyd Landis eingeleitet wurde. Während Lance Armstrong bereits eine Summe von 5 Millionen Dollar angeboten haben soll, um ein Verfahren abzuwenden, steht eine Reaktion von Weisel noch aus.

Dessen dubiose Rolle lässt sich anhand von zahlreichen Details skizzieren. So nutzte er seine Machtposition als Arbeitgeber von Lance Armstrong, um im US-Radsportverband Freunde und Angestellte an führenden Positionen zu platzieren. Ebenfalls von Belang: Weisel gehörte zu den ersten im Radsport, die um das Dopingpotenzial des Sauerstoff-Boosters EPO wussten. Er hatte in den achtziger Jahren mit seiner Firma Montgomery Securities einen erheblichen finanziellen Beitrag geleistet, um EPO-Hersteller AMGEN den Gang an die Börse zu ermöglichen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sport aktuell

Doping bei AstanaWeltradsportverband unter Zugzwang

Das Astana-Team bei der UCI Road World Championships 2014 in Ponferrada, Spanien.

Fünf Fälle in den letzten drei Monaten - das ist die Dopingbilanz des kasachischen Radsport-Rennstalls Astana. Und das ist auch ein Problem für den Weltradsportverband UCI, denn der muss demnächst über die Lizenzen für Astana entscheiden.

FIFA-FührungsdebatteKonkurrenz für Blatter

Der Präsident des jordanischen Fußballverbandes, Prinz Ali Al-Hussein

UEFA-Chef Platini schmiedet eine Allianz mit Asien, um Blatters fünfte Amtszeit als FIFA-Boss zu verhindern. Prinz Ali bin Al-Hussein von Jordanien könnte gegen den Schweizer antreten. Er sitzt im FIFA-Exekutivkomitee, seine Familie ist im Weltsport gut vernetzt.

NachrufViktor Tichonov gestorben

Die sowjetische Nationalmannschaft hat am 28.04.1986 bei den 52. Eishockey-Weltmeisterschaften in Moskau für ein Gruppenfoto Aufstellung genommen: Untere Reihe v.l.n.r.: Jewgeni Beloscheikin, Andrei Chomutow, Sergei Makarow, Alexei Kasatonow, Cheftrainer Viktor Tichonov, Trainer Wladimir Jurzinow, Spielführer Wjatscheslaw Fetisow, Wladimir Krutow, Igor Larionow und Torhüter Sergei Mylnikow. Obere Reihe v.l.n.r.: Sinatulla Biljaletdinow, Viktor Tjumenew, Sergei Starikow, Alexei Kamenski, Sergei Jaschin, Sergei Swetlow, Anatoli Semjonow, Alexei Gusarow, Igor Stelnow, Michail Warnakow, Sergei Ageikin, Wassili Perwuchin, Juri Chmylew, Wladimir Konstantinow, Jewgeni Dawidow, Wjatscheslaw Bykow.

Er ist eine Legende: Viktor Tichonov, langjähriger Trainer der sowjetischen Eishockeymannschaft. Unter seiner Führung wurde die Sbornaja zwischen 1978 und 1992 achtmal Weltmeister und dreimal Olympiasieger. Am Montag ist er in Moskau gestorben.