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Die Welle der Bakterien

Forscherteam will Leptospirose in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken

Von Volker Mrasek

Eine Flutwelle auf Sri Lanka: Leptospirose wird zum Beispiel durch Rattenexkremente im Wasser übertragen.
Eine Flutwelle auf Sri Lanka: Leptospirose wird zum Beispiel durch Rattenexkremente im Wasser übertragen. (AP)

Medizin.- Überschwemmungen bringen nicht nur kolossale Zerstörung an Land, sondern oft auch die Leptospirose - eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit. Weltweit sterben jährlich über 120.000 Menschen an ihr. Sie ist eine bisher verkannte Bedrohung nach Naturkatastrophen.

Sie sei eine der häufigsten Erkrankungen, die durch Tiere auf den Menschen übertragen werden, sagt Michel Jancloes. Der belgische Mediziner spricht von der Leptospirose, einer Infektionskrankheit, die von bestimmten, spiralförmigen Bakterien verursacht wird. Man nennt sie Spirochäten. Der Befall mit den Erregern ist höchst gefährlich. Nicht selten führt die Infektion zum Tod:

"Weltweit gibt es jedes Jahr über 550.000 Erkrankungen. Davon endet jede zehnte tödlich. Das sind aber nur die Fälle, die erfasst werden. Nach unseren Untersuchungen ist die Dunkelziffer viel höher. Demnach muss man von rund 1,7 Millionen Infizierten pro Jahr ausgehen. Und von mehr als 120.000 Toten."

Michel Jancloes gehört zu einer Gruppe von 20 Experten, die sich vor kurzem zu einem Globalen Aktionsnetzwerk zusammengeschlossen haben, koordiniert von der Weltgesundheitsorganisation. Ihr Ziel ist es, die Leptospirose stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Sie ist eine zusätzliche, bisher verkannte Bedrohung nach Naturkatastrophen.

"Es ist eine immer noch stark vernachlässigte Erkrankung. Sie ist auch nicht so leicht zu diagnostizieren. Ihre Symptome ähneln denen einer Grippe. Wir sehen jedenfalls, dass die Fallzahlen steigen. Das liegt daran, dass Leptospirose nach Flutkatastrophen auftritt und Überschwemmungen heute zunehmen. Die Krankheit wird durch Nagetiere übertragen, vor allem durch Ratten. Die Erreger stecken in ihrem Urin. Bei Überschwemmungen ist das Wasser damit kontaminiert, und man kann sich infizieren, vor allem, wenn die Haut aufgerissen ist."

Entsprechend häufig sind Männer betroffen, die sich an Aufräumarbeiten beteiligen, wenn das Hochwasser noch immer in den Straßen steht.

Im Moment gibt es Leptospirose-Fälle in Manila auf den Philippinen, nach Überschwemmungen durch einen Taifun.

"Zu Ausbrüchen kommt es zwar insbesondere in tropischen Ländern, aber die Krankheit ist weltweit verbreitet. In diesem Jahr gab es sogar Fälle in Frankreich und auch in der Schweiz. Touristen haben sich im Genfer See infiziert."

Unbehandelt können sich die gefährlichen Spirochäten im Körper ausbreiten. Sie befallen Niere, Leber und Lunge – ein tödliches Organversagen kann die Folge sein. Doch so weit muss es eigentlich gar nicht kommen. Im Prinzip lassen sich die Erreger nämlich ziemlich einfach bekämpfen, wie Mediziner Jancloes erläutert. Mit herkömmlichen Antibiotika:

"Das ist die gute Nachricht: Antibiotika sind extrem wirksam, und die Erreger entwickeln auch keine Resistenzen dagegen. Allerdings müssen sie direkt nach der Infektion verabreicht werden. Das ist die Schwierigkeit!"

In Kooperation mit der Industrie ist kürzlich ein Schnelltest für den Nachweis von Spirochäten entwickelt worden. Bis er ein Ergebnis liefert, vergehen lediglich sechs Stunden. Doch der Test ist ziemlich teuer und laut Michel Jancloes noch nicht spezifisch genug. Leider gibt es nicht das eine Bakterium, das die Leptospirose verursacht, sondern mehr als 250 verschiedene Sub-Typen weltweit. Mediziner nennen sie Serovare. Diese Vielfalt erschwert die Diagnose der Erkrankung zusätzlich.

Das Globale Aktionsnetzwerk hat sich für die nächsten Jahre verschiedene Ziele gesetzt. Es will nicht nur Gesundheitsbehörden und Katastrophenschützer stärker über Leptospirose aufklären, sondern auch Wissenslücken schließen, die noch bestehen. So gab es schon Flutkatastrophen, nach denen überhaupt keine Infektionen aufgetreten sind. Warum das so war, können die Experten heute noch nicht sagen.

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