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StartseiteCampus & KarriereGewaltige Unterschiede an deutschen Hochschulen 20.06.2016

Digitale LehreGewaltige Unterschiede an deutschen Hochschulen

Wie sehr hat die Digitalisierung inzwischen auch die Lehre an den Hochschulen verändert? Das war das Thema auf einer Konferenz an der Freien Universität Berlin. Dort zeigte sich: Es gibt offenbar gewaltige Unterschiede, ob und wie Dozenten digitale Medien einsetzen.

Von Susanne Arlt

Studium online: Eine junge Frau arbeitet mit ihrem Lehrbuch am Laptop. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Manche Dozenten haben Vorlesungen abgeschafft und lehren stattdessen auf Youtube-Kanäle. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
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"How do you pronounce the following words, do you say thick, thin and then? Well when you do you do not have to watch this microlecture." 

Nicht jeder Hochschuldozent muss es in seinem digitalen Unterricht gleich so auf die Spitze treiben wie der Marburger Anglistikprofessor Jürgen Handke. Er stellt unter anderem seine Vorlesungen ins Netz.

"But if you say… in that case you have the typical problem with the "th" in english."

Vorlesungen und Frontalunterricht sind komplett abgeschafft

Zu seinem Lehrkonzept gehören eine internationale Lernplattform, ein Youtube-Kanal, digitale Prüfungen und eine neue Präsenzlehre. Vorlesungen und Frontalunterricht hat er komplett abgeschafft. Das gesamte Grundlagenwissen erarbeiten sich seine Studierenden selbstständig - mithilfe der Lernplattform. In Sachen E-Learning sei Handke ein besonders innovativer Kopf, lobt Christian Tuch von der Hochschulrektorenkonferenz und kritisiert gleichzeitig: Die digitale Lehre an deutschen Hochschulen sei ausbaubar, denn noch gebe es große strukturelle Unterschiede.

"Es befindet sich irgendwo zwischen Spielwiese und institutioneller Förderung von oben durch die Einrichtung entsprechender Strukturen und Bereitstellung entsprechender Gelder. Wie wir bei der Auswahl für den Ars Legendi Preis, den wir letztes Jahr mit dem Stifterverband im Bereich exzellente Lehre mit digitalen Elementen vergeben haben, feststellen konnten, sind es doch häufig sehr auf individuelle Initiative zurückgehende Ansätze."

Nur 22 Prozent der Studierenden sind digitale Allrounder

Vor allem ältere Dozenten hegten noch immer Vorbehalte gegenüber digitalen Lehrkonzepten, sagt Tuch. Aber auch bei den Studierenden gibt es offenbar Defizite. Laut einer Analyse der Initiative "Hochschulform Digitalisierung" sind nur 22 Prozent von ihnen digitale Allrounder. Die meisten würden selektiv arbeiten, viele vor allem das ins Internet gestellte Lernmaterial runterladen und ausdrucken, so das Fazit der Initiative. Nicolas Apostolopoulos, Direktor am Center für Digitale Systeme an der Freien Universität Berlin, nennt zwei Gründe für diese Malaise: Zum einen die flächendeckend noch fehlende Infrastruktur, zum anderen die hohen Anforderungen an die Lehrenden, die sich durch die neuen Lehrformen ergeben. 

"Man muss den Dozenten dort abholen, wo er ist. Und als wir begonnen hatten uns mit diesem Thema zu beschäftigen, da war für uns eine Herausforderung, besonders gute Lehr- und Lernmaterial zu erstellen. Wichtig ist also dabei festzustellen, wie harmoniert das digitale Angebot mit dem klassischen Angebot."

Mehr Eigenverantwortung können auch digitale Lehrformen nicht leisten

Aber in keinem Fall sollte die digitale Lehre den konventionellen Unterricht ersetzen, sagt Apostolopoulos. Sein Centrum empfehle den einzelnen Fachbereichen darum auch unterschiedliche Modelle. Vorlesungen, die im Netz abrufbar sind, seien da nur ein erster Schritt.

"Man beginnt also mit Bereitstellung von Materialien in einem Learning-Management-System, in einer Umgebung dort finden Übungen statt, man kann Tests machen, die schnell korrigiert werden und man sie sofort als Hinweis bekommt so eine Art Feedback. Bis hin zu einer richtigen online-Veranstaltung."

In diesen Online-Kursen können die Lernenden dann mit den Lehrenden interagieren. Großes Interesse zeigten an der FU Berlin vor allem die Fachbereiche Erziehungswissenschaften, Psychologie, Philosophie oder Theaterwissenschaften. Die Naturwissenschaften, musste Apostolopoulos feststellen, seien digitalen Lehrformen dagegen weniger aufgeschlossen. Vielleicht, weil sie auch in der konventionellen Lehre der Didaktik einen anderen Stellenwert einräumen. Eines könnten aber auch digitale Lehrformen nicht leisten, glaubt Apostolopoulos. Mehr Eigenverantwortung fürs Studium.

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