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Diktatoren-Talk

Nach Ahmadinedschad-Interview im ZDF

Von Michael Meyer

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (picture alliance / dpa / EPA/STRINGER)

ZDF-Anchorman Claus Kleber interviewt Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, seines Zeichens aktueller Lieblingsschurke der USA: Damit gelang dem ZDF in dieser Woche ein journalistischer Coup. Dessen Erkenntnisgewinn hielt sich allerdings in Grenzen.

"Wir sind auf dem Weg zur Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad … "

Wenn sich die bekannten TV-Gesichter auf den Weg zu Despoten machen, dann hat das immer auch ein wenig etwas Märchenhaftes: Das böse Monster im entrückten Schloss bittet zur Audienz und gewährt Auskunft. Doch schon Ahmadineschads erste Antwort zeigte, dass das Gespräch der berühmte weitere Versuch werden würde, einen Pudding an die Wand zu nageln. Kleber fragte: Warum das Interview gerade jetzt? Und Ahmadineschad antwortete: Termine, Termine, wie das eben so sei. Kein Wort davon, dass den Iranern das Wasser bis zum Hals steht und sie im Westen dringend gute Presse brauchen. Kleber saß bei dem 45-Minuten Gespräch da wie das Kaninchen vor der Schlange und Ahmadinedschad starrte kühl zurück aus seinen Augenschlitzen. Kleber fragt dann, was er denn dazu sage, dass Menschen mit großer Sorge in die Region schauen, weil ein Krieg möglich ist:

"Können Sie uns sagen, Kriegsgefahr, von welcher Seite und warum? Sie wissen, so gut wie ich, dass Israel mit einem Angriff auf den Iran droht, wenn sich die Frage des Nuklearprogramms nicht anders lösen lässt."

Diese Szene ist typisch für das ganze Gespräch. Leugnen, ablenken, sich dumm stellen und das Thema in eine andere Richtung lenken. Gern auch mal zurückfragen. So ging das fast die ganze Zeit. Ahmadinedschad hatte das Gespräch fest in der Hand. Ein weiteres Beispiel: Der Iran lehne eigentlich die Atombombe ab, sagte er:

"Wir sind gegen die Atombombe, wir würden niemals eine Atombombe bauen, aber wenn wir es wollten, dann haben wir keine Angst vor jemandem, wir würden es ganz klar und deutlich sagen, dass wir so was tun."

An dem Punkt hatte Ahmadinedschad einen fast auf seiner Seite. Nicht gerade das, was das ZDF erreichen wollte, aber super fürs Image in Deutschland. Die Pressestelle in Teheran muss hochzufrieden sein.
Zu Klebers Ehrenrettung muss man sagen, dass sich auch schon andere Fernsehjournalisten an Diktatoren die Zähne ausgebissen haben. Dan Rather vom amerikanischen Sender CBS etwa legte sich 2003 bei Saddam Hussein ins Zeug, und, erst kürzlich im Dezember letzen Jahres, reiste die mittlerweile über 80-jährige Barbara Walters zu Bashar al Assad nach Syrien. Die alte Lady hätte lieber zu Hause bleiben sollen. Der Vergleich mit dem Pudding an die Wand nageln wäre hier noch eine Untertreibung – es wurde gelogen, dass es nur so quietschte. Beispielsweise sagte Assad auf die Frage zu den gefolterten Kindern, die vor einem Jahr den Protest anstießen, das stimme gar nicht, der Vater des Jungen habe ihm gesagt, er sei gar nicht gefoltert worden, man müsse immer beide Seiten sehen.

Noch mal zur Erinnerung: Ablenken, ausweichen, sich dumm stellen. So macht man das als Diktator von Welt – vor allem wenn Fernsehkameras mitlaufen.
Doch zurück zur Kleber-Sause mit dem Iraner: Am Ende wurde es noch richtig unfreiwillig komisch, als Ahmadinedschad meinte: Der Iran liebe doch die Deutschen, aber wirklich:

"Und wir lieben Sie, und wir lieben die Deutschen … ziemlich … stark."

Da kann man als Fazit nur sagen: Liebe Fernsehmoderatoren: Bleibt lieber zu Hause und verschont uns mit Diktatorengesäusel- schlimm genug, dass es sie überhaupt gibt, die Herren brauchen nicht noch ein Forum in hiesigen Medien.

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