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StartseiteCampus & KarriereStolperfallen der Rechtschreibung27.02.2015

DiktatwettbewerbStolperfallen der Rechtschreibung

Die deutsche Sprache hat 5,4 Millionen Wörter - doch wie wird jedes einzelne davon geschrieben? Die richtige Rechtschreibung lernt man eigentlich in der Schule, doch in Zeiten von SMS und E-Mails schleichen sich immer häufiger Fehler ein. Ein Wettbewerb in Frankfurt will dem entgegenwirken.

Von Afanasia Zwick

Die Hand einer Frau, die einen Brief mit einem Füllfederhalter schreibt. (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
Jedes Wort richtig zu schreiben - das sei beim Diktatwettbewerb so gut wie unmöglich, so einer der Initiatioren. (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
Weiterführende Information

Rat für deutsche Rechtschreibung - "Eine gewisse Übung wäre wieder gut"
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, Interview mit Ludwig Eichinger vom Rat für deutsche Rechtschreibung, 08.10.2014)

Schlechtschreibung statt Rechtschreibung?
(Deutschlandfunk, PISAplus, 07.09.2013)

Ein blaues Klemmbrett, fünf Blatt weißes Papier und ein orangefarbener Filzstift - das ist alles, was die rund 150 Teilnehmer in der Aula der Frankfurter Schillerschule für das Diktat bei sich haben dürfen. Schummeln ausgeschlossen.

"Mal schauen, was man selbst kann..."
"Ich bin auf jeden Fall aufgeregt, ich möchte einen guten persönlichen Erfolg erzielen" - "Was wäre dein persönlicher Erfolg?" - "Besser als der Großteil zu sein."

Ziemlich zuversichtlich ist der Zehntklässler Terry Meyer - die meisten Übungsdiktate hat er fehlerlos bestanden. Doch jedes Wort richtig zu schreiben, sei bei diesem Diktat so gut wie unmöglich, sagt Werner Scholze-Stubenrecht, Leiter der Dudenredaktion und Mitautor des Diktats:

"Die Rechtschreibung ist nicht am Reißbrett entworfen worden und nicht rein logisch, sondern die hat eben ganz starke historische Wurzeln. Und da muss man halt wissen, dass wie bei dem Wort Eltern - das leitet sich von alt ab, wird aber trotzdem mit e und nicht mit ä geschrieben - solche Dinge, die kann man sich nur als Einzelfälle mal merken."

Viele "merkwürdige" Wörter also unter den 5,4 Millionen Wörtern des deutschen Wortschatzes. Eine Herausforderung, der sich nicht nur Oberstufenschüler, sondern auch Lehrer und Eltern stellen. Und das in ganz Deutschland. Mitmachen darf jeder ab 16 Jahren.

"Kribbelt es dir schon in den Fingern?" - "Ja, die Aufregung steigt ziemlich..."
"Es gibt ja sehr viele Fallen in der deutschen Sprache und ich vermute, dass die hier eingebaut werden."

Roland Kaehlbrandt, Vorstand der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, hat den Diktatwettbewerb vor vier Jahren ins Leben gerufen. Vorbild war Frankreich. Dort ist der Wettbewerb auf Schüler begrenzt. Rechtschreibung, sagt der Initiator, sei jedoch in jedem Alter wichtig:

"Das Bewusstsein und auch die Freude an korrekter Schreibung wecken oder stärken - das gehört einfach zu einer Kommunikationsgesellschaft, auch zu einer demokratischen Gesellschaft dazu."

Niemand hat fehlerfrei bestanden

Während die Stifte auf dem Papier kratzen und sich die Köpfe immer wieder heben, um genau hinzuhören, und dann senken, um zu schreiben, verrät der Duden-Chefredakteur Scholze-Stubenrecht, wie man Rechtschreibung am besten trainiert:

"Sich überwinden und aus dem Urlaub nicht nur ein Selfie schicken, sondern mal eine Postkarte schreiben und sich überlegen, an wen man schreibt und dass derjenige, der das bekommt, das auch vernünftig lesen können muss und nicht erraten soll, was da geschrieben wurde."

Der letzte Punkt ist gesetzt, jetzt geht's an die Korrektur. Die richtige Schreibweise wird an die Wand projiziert, mit einem blauen Stift streicht nun jeder seine eigenen Fehler an.

Zwischenbilanz der Fehler bei Terry:
"Bis jetzt schon sieben, und der Text ist noch nicht halb vorbei..."

Dann ist es vorbei: 195 Wörter sind korrigiert. Nur die Diktate mit weniger als 15 Fehlern werden von einer Fachjury erneut durchgesehen. Und nur die drei besten der Schüler-, Eltern- und Lehrergruppe dürfen am großen Finale im Mai teilnehmen. Terry nicht, er hatte 19 Fehler:

"Ein wenig enttäuscht ist man schon, aber es ist in Ordnung, ich hab mich auch nicht so lange drauf vorbereitet."

Tatsächlich hat niemand das Diktat fehlerfrei bestanden. Mit zwei Fehlern ist die Mutter Regina Klimmet die beste Frankfurter Schreiberin. Ihr Erfolgsrezept:

"Wenn ich ein Wort höre oder auch etwas schreibe - ich schreib sehr viele E-Mails beruflich - dass ich das dann auch nachschaue, oder wenn ich einen Text höre: Automatisch überleg ich, wie würde ich das schreiben. Dadurch schaut man Sachen nach und lernt auch immer weiter."

Auf das große bundesweite Finale im Mai freut sie sich jetzt schon riesig.

 

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