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StartseiteForschung aktuellDioxin in Futtermittel entdeckt04.01.2011

Dioxin in Futtermittel entdeckt

Chemiker über die Ursachen und die Gefährlichkeit der Verunreinigungen

Lebensmittel.- In Tierfutter und Eiern sind Spuren von Dioxin gefunden worden. Die Verunreinigung ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass ein Futterhersteller technisches Fett zur Produktion von Tiernahrung verwendet hatte. Fredi Schwägele vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Kulmbach erläutert die Hintergründe.

Das Dioxin ist in die Nahrungsmittelkette gelangt - und schließlich auch in Hühnereier.  (AP)
Das Dioxin ist in die Nahrungsmittelkette gelangt - und schließlich auch in Hühnereier. (AP)

Arndt Reuning: Die Ursache für den Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter ist offenbar geklärt: Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde technische Mischfettsäure benutzt, um das Tierfutter herzustellen. Dieses Material stammt aus der Produktion von Biodiesel und sollte eigentlich nur in der technischen Industrie genutzt werden, zum Beispiel, um daraus Schmiermittel herzustellen - aber eben nicht Futter für Kühe und Hühner. Dioxin ist nicht zum erstem Mal in die Nahrungsmittelkette gelangt: Am Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, haben sich die Experten auch schon in der Vergangenheit mit Dioxin näher beschäftigt. Vor der Sendung habe ich mit Dr. Fredi Schwägele telefoniert. Er ist Chemiker und leitet am Max-Rubner-Institut die Arbeitsgruppe Analytik. Ich wollte von ihm wissen, welche Fälle von dioxinverseuchtem Tierfutter hat es denn in der Vergangenheit schon gegeben?

Fredi Schwägele: Persönlich kann ich mich an zwei Fälle von mit Dioxin belastetem Tierfutter erinnern. Im Jahre 2004 wurde aus einer Tongrube in Deutschland mit Dioxin belasteter Kaolinton - das dient als Bindemittel und Fließhilfsstoff - an eine Produktionsfirma für Pommes frites in die Niederlande geliefert. Der Kaolinton wird einem Kartoffelwasserbad zugegeben, als Floating-Mittel, wobei man stark stärkehaltige von wenig stärkehaltigen Kartoffeln trennen kann. Die gut stärkehaltigen, die sich unten befinden, werden dann später geschält und somit die Kaolin-Rückstände weitgehend entfernt. Die kaolinitbelasteten Kartoffeln wurden zusammen mit den ebenfalls belasteten Kartoffelschalen an die Futtermittelindustrie verkauft, vermarktet - auf diese gelangte Dioxin ins Futter und in die Nahrungsmittelkette, obwohl dioxinbelasteter Kaolinton nicht direkt für die Futtermittelherstellung verwendet werden darf.

Reuning: Gibt es denn typische Quellen für Dioxin, das ins Futtermittel gelangt?

Schwägele: Wie soeben schon ausgeführt, kann Dioxin durch bereits kontaminierte Rohstoffe oder Hilfsstoffe bei der Futtermittelherstellung in entsprechende Produkte der Tierernährung gelangen. Deshalb muss an dieser Stelle die Qualität der Rohstoffe ausreichend und sorgfältig überprüft werden.

Reuning: Dieser Stoff, Dioxin, was ist denn das überhaupt für eine Verbindung?

Schwägele: Dioxine sind chlorierte organische Verbindungen, bestehend aus zwei chlorierten Aromaten, die für sich über zwei Sauerstoffatome oder nur ein Sauerstoffatom und ein Kohlenstoffbrücke verbunden sind. Es gibt bei den Dioxinen die sogenannten reinen Dioxine und es gibt die Furane. Da gibt es 210 Einzelverbindungen und tatsächlich 17 davon sind als toxisch einzustufen.

Reuning: Wenn ich es richtig verstehe, sind das auch sehr stabile Verbindungen.

Schwägele: Es ist so, dass diese Verbindungen sehr persistent sind. Man kann davon ausgehen, dass, wenn sie in einen Körper gelangen, sei es jetzt in einen tierischen oder in einen menschlichen Körper und keine Behandlung erfolgt, die Persistenz etwa so ist, dass man ein Halbwertszeit von sieben Jahren hat.

Reuning: Das heißt, nach sieben Jahren ist die Hälfte aus diesem Körper wieder verschwunden?

Schwägele: Ja, ohne Behandlung jetzt. Das schafft der Körper für sich selber.

Reuning: Das Dioxin im aktuellen Fall stammt aus Fettsäuren aus der Biodieselproduktion. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass diese toxischen Substanzen in dem Prozess selbst entstanden sind?

Schwägele: Da bin ich jetzt leider kein absoluter Experte und deshalb will ich mich auch nicht festlegen, aber ich würde meinen, dass Fettsäuren aus der Biodiesel-Produktion keine Dioxine enthalten. Es sei denn, es wurde zum Beispiel belastete Aktivkohlefilter verwand - das ist aber eine reine Vermutung. Eine weitere Mutmaßung ist, dass dioxinhaltige Fraktionen unabsichtlich oder tatsächlich willentlich den Fettsäuren zugesetzt wurden, weshalb auch immer.

Reuning: Welche Empfehlungen gibt denn das Max-Rubner-Institut, um solche Fälle von Dioxin-Verunreinigungen im Tierfutter zu vermeiden?

Schwägele: Empfehlungen können sein, durch umfassende Eigenkontrollen der Unternehmen oder Kontrollen der Überwachung sicherzustellen, dass Kontaminationen durch Dioxine bereits auf der Stufe der Rohstoffe und Hilfsmittel vermieden werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, das Endprodukt Tierfuttermittel ausreichend auf Verunreinigung vor Ausgang aus dem Betrieb zu überprüfen.

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