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StartseiteSport am WochenendeDope Down Under09.02.2013

Dope Down Under

Es ist die Stunde Null im australischen Spitzensport: Eine einjährige Untersuchung der australischen Verbrechens-Kommission kommt zu dem Ergebnis: Doping ist im australischen Sport weit verbreitet. Außerdem bestehen Verbindungen zur organisierten Kriminalität.

Von Andreas Stummer

Urinproben in einem Dopinglabor. (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)
Urinproben in einem Dopinglabor. (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)

Als Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur ist der Australier John Fahey schlechte Nachrichten gewöhnt. Diesmal aber war es persönlich. Denn die schlechten Nachrichten kamen aus seiner Heimat. Eine Untersuchung der obersten, australischen Kriminalbehörde hat ergeben: Der australische Sport hat ein massives Dopingproblem.

"Australier lieben Sport, wir glauben an Fair Play und die ganze Sportwelt weiß das auch", glaubt John Fahey, "Diese Enthüllungen schaden diesem Image. Wir werden alles tun, um die Glaubwürdigkeit im australischen Sport wiederherzu-stellen. Die nationalen Dopingbehörden bekommen jede Unterstützung, um das Ausmaß des Problems rückhaltlos aufzuklären."

"Er sei naiv gewesen", sagte Fahey, er habe geglaubt, daß es in Australien kein organisiertes Doping gäbe. Doch nicht nur Doping ist in Australien weit verbreitet, auch das organisierte Verbrechen. Mit Drogenschmuggel, Geldwäsche, Korruption und Wettbetrug. Australiens Spitzen- ist ein Spritzensport.

"Ich bin einfach nur frustriert," sagt ein Rugby-Anhänger in Sydney, "wir lieben Sport. Unsere Sportler verdienen einen Haufen Geld und das sollten sie sauber und mit Anstand tun."

Um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden wurden keine Namen oder Vereine genannt. Noch nicht. Fest steht, daß Sportwissenschaftler, Trainer, Betreuer, Teamärzte, Doktoren und Apotheker an der Versorgung mit Dopingmitteln be-teiligt waren. Beschafft wurden die illegalen Substanzen von kriminellen Ban-den. "Mit Sport", sagt Richard Ings, der frühere Chef der australischen Anti-Dopingbehörde, "hat das alles nicht mehr viel zu tun".

""Bisher waren Dopingsünder nur durch Urin- und Blutttests zu überführen – und auch längst nicht alle. Die Macht polizeilicher Ermittlungsbehörden ist die Zukunft im Kampf gegen Doping. Sie können Telefone anzapfen und Verdächtige unter Druck setzen. Nur so war es möglich Doping in Australien aufzudecken.”"

Die Verbrechenskommission hat Beweise für die Verbindung von gedopten Sportlern und Wettbetrügern. Vor allem im Cricket, Tennis und Fußball. Bei Buchmachern in Asien wurden mehr als 30 Millionen Euro auf den Ausgang eines einzigen Spiels in der australischen Fußball-Bundesliga gewettet. "Systematisches Doping", sagt Chef-Ermittler John Lawlor, "ist oft nur der Anfang". Vom Manipulieren der eigenen Leistung bis zum Manipulieren des Spielausgangs sei es dann nur noch ein kleiner Schritt.

"Spieler in bestimmten Sportarten bekommen Schmiergelder. Erst für Insider-Informationen und dann um den Spielausgang zu beeinflussen. Wir reden von enormen Summen, denn Sportwetten sind international und für das organisierte Verbrechen ein lukratives Geschäft."

"Wenn du betrügen willst oder wenn du manipulieren willst – dann werden wir dich kriegen."

Australiens Sportministerin Kate Lundy drohte gedopten und korrupten Spielern mit langjährigen Sperren, Sportmedizinern mit Freiheits-strafen. Die Ministerin versprach Australiens Sport wieder sauber zu machen. Koste es, was es wolle. Und sie bekam Rückendeckung.

"Unseren Fans sagen wir – verliert nicht den Glauben an eueren Sport. Wir alle werden handeln", versprach Andrew Dimitriou vom Australian Rules Football-Verband "ob Rugby, Cricket oder Fußball: Wir werden Doping und das organi-sierte Verbrechen aus unseren Sportarten vertreiben."

Stunde Null im australischen Spitzensport. Der international bisher gute Ruf, eine 7 Milliarden Euro-Industrie und das Vertrauen der einheimischen Fans stehen auf dem Spiel. In ein paar Wochen beginnen die Rugby- und die Australian Rules-Football-Saison. Aber das so sportverrückte Australien wird nicht tatenlos dabei zusehen, daß der Sportsgeist im Land zum Schreckgespenst wird.

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