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Douglasie statt Fichte

Forstleute schwenken um

Von Stefan Michel

Ein Waldarbeiter bei der Arbeit.
Ein Waldarbeiter bei der Arbeit. (AP Archiv)

Heftige Stürme im Winter und lange Trockenphasen im Sommer setzen der Fichte besonders stark zu. Die Waldbauern haben deshalb einen neuen Lieblingsbaum entdeckt: die Douglasie, die als besonders wetterresistent gilt. Doch Umweltschützer kritisieren die Ausbreitung der aus Nordamerika stammenden Art.

In der Nacht zum 19. Januar warf der Orkan "Kyrill" in Deutschland rund 30 Millionen Bäume um, und zwar vor allem Fichten. In den Tagen danach setzte ein beispielloser Ansturm auf die Samen und Setzlinge einer Baumart ein, die der Fichte recht ähnlich sieht, auf die Douglasie. Oberforstrat Martin Rogge von der staatlichen Forstgenbank in Arnsberg:

"Die Bestände der Baumschulen waren also sehr, sehr schnell ausverkauft. Beginnend mit dem Tage nach dem Sturmereignis gingen die Nachfragen sprunghaft in die Höhe. Die Vorräte sind bis auf ganz geringe Restmengen zusammengeschrumpft."

Zurzeit kann die Forstgenbank keine Douglasien-Samen mehr liefern. Denn viele Waldbesitzer zugleich haben erkannt, dass Douglasien gegenüber Fichten große wirtschaftliche Vorteile bringen:

"Es fängt einmal damit an, dass die Douglasie erst mal zuwachsstärker ist als die Fichte. Die Baumart wurzelt stabiler, relativ stabiler als die Fichte, bietet auch hinsichtlich der Stabilität Vorteile gegenüber der Fichte. Sie kommt besser mit Trockenheit, vor allem mit sommerlichen Trockenperioden, besser zurecht als die Fichte."

Statt neuer Fichten jetzt Douglasien zu pflanzen, das erscheint als eine vernünftige Strategie angesichts des Klimawandels, der voraussichtlich noch viele heftige Stürme und trockene Sommer bringen wird. Die Sache hat aber einen Haken: Douglasien haben ihre natürliche Heimat in Nordamerika. Wer diese fremde Art hierzulande in großer Zahl pflanzt, handelt gegen die Prinzipien der nachhaltigen Waldwirtschaft, jedenfalls gegen die Prinzipien des Forest Stewardship Council, kurz FSC. Der FSC-Vorsitzende in Deutschland, Hermann Graf Hatzfeld:

"Wir haben eine Regelung, dass einzeln und truppweise Einbringung von Douglasie und anderen Gast-Baumarten möglich ist, sofern damit eine Entwicklung zu einer natürlichen Waldgesellschaft nicht verhindert wird. Und das heißt dann auch, dass eben diese Einbringung von Douglasie begrenzt sein muss und dass sie nicht dazu führen darf, dass sich Douglasien-Reinbestände daraus entwickeln."

Das FSC-Gütesiegel für nachhaltige Waldwirtschaft ist ein finanzieller Vorteil bei der Vermarktung des Holzes, möglicherweise ein größerer Vorteil als die Widerstandsfähigkeit der Douglasie. Gegen das nordamerikanische Nadelholz sprechen aber auch noch andere Gründe:

"Diese raue Borke von Douglasien sind für Laufkäfer ungünstig. Und offenbar ist es auch so, dass es für Vogelarten weniger Nahrung gibt als zum Beispiel bei der Fichte. Und es ist auch schon klar, dass eben im Reinbestand eine gewisse Verarmung stattfindet."

Während Waldbesitzer Hatzfeld eine Minderzahl von Douglasien in einem Laub-Nadel-Mischwald völlig unbedenklich findet, würde der Naturschutzbund Deutschland solche Baum-Exoten am liebsten vollständig aus den hiesigen Wäldern fern halten. NABU-Waldexperte Julian Heiermann:

"Unsere heimische Insektenwelt, Insektenwelt jetzt als Beispiel, die kennt diesen Baum gar nicht. Und sehr viele Arten würden diesen Baum denn auch meiden. Und wenn man jetzt diese Douglasie einbringt anstelle der Fichte, dann hätten diese Tierarten keine Lebensgrundlagen mehr."

Da mag es die Naturschützer beruhigen, dass Douglasien wegen der hohen Nachfrage enorm teuer geworden sind. Kaum ein sturmgeschädigter Waldbesitzer wird es sich leisten können, die zerstörten Fichtenwälder komplett mit Douglasien aufzuforsten. 1000 Douglasien-Setzlinge von der Baumschule kosten zurzeit stolze 650 Euro, doppelt so viel wie 1000 kleine Fichten.

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