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Drogen gegen Angst

“Magische Pilze” in der Palliativmedizin

Von Arndt Reuning

"Magic Mushrooms" helfen Schwerst-Krebskranken.
"Magic Mushrooms" helfen Schwerst-Krebskranken. (AP)

Medizin. - Die sogenannten magischen Pilze sind in einschlägigen Kreisen wegen ihrer bewusstseinserweiternden Wirkung beliebte Rauschmittel. Ein US-Mediziner hat jetzt die psychoaktive Substanz der Pilze bei schwerstkranken Krebspatienten eingesetzt. Die eng begrenzte und strikt kontrollierte Studie war ein Erfolg und wurde jetzt auf einer Konferenz im kalifornischen San Jose vorgestellt.

Dr. Charles Grob von der Universität von Kalifornien in Los Angeles war der erste amerikanische Wissenschaftler, der eine staatlich genehmigte Studie zu den Auswirkungen des Ecstasy-Wirkstoffes MDMA auf gesunde Probanden durchführen durfte. Von seinen Kollegen ist diese Arbeit nur wenig beachtet worden, da dieser Stoff vor allem mit der Techno- und Rave-Szene in Verbindung gebracht wird. In seinem jüngsten Forschungsvorhaben hat er sich einer anderen Droge zugewandt: dem Halluzinogen Psilocybin. Das ist ein natürlicher Stoff, der in den sogenannten "Zauberpilzen" vorkommt. Darunter fasst man gut 100 verschiedene Pilzarten mit psychoaktiver Wirkung zusammen. Eine synthetische Variante des Psilocybins hat der Psychiater schwerstkranken Krebspatienten verabreicht; nicht als potentielles Heilmittel, sondern um ihre Angst vor dem Tod zu lindern und so ihre Lebensqualität zu verbessern. Jeder Teilnehmer an der Studie erhielt das Psilocybin nur ein einziges Mal – unter streng kontrollierten Bedingungen im Krankenhaus.

"Die Prozedur dauerte ungefähr sechs Stunden. Mein Projektkoordinator und ich, wir haben die ganze Zeit mit den Patienten zusammen verbracht. Sie erhielten eine Kapsel mit dem Wirkstoff. Wir haben sie aufgefordert, sich hinzulegen und über Kopfhörer ausgewählte Musik zu hören. Sie trugen eine Augenbinde. Wir wollten erreichen, dass sie sich so tief wie möglich auf dieses Erlebnis einlassen. Stündlich haben wir sie befragt, wie sie sich fühlten. Und die ganze Zeit dazwischen standen wir zur Verfügung, falls sie mit uns reden wollten. Aber wir haben schon versucht, die Gespräche möglichst auf das Ende der Sitzung zu legen."

Psilocybin ist ein Naturstoff, der dem körpereigenen Botenstoff Serotonin ähnelt. Wer es einnimmt, erlebt meistens rauschartige Halluzinationen. Die Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hatte die kalifornische Studie daher nur unter der Auflage genehmigt, dass den Patienten eine verhältnismäßig moderate Dosis des Wirkstoffes verabreicht wird. Denn ein halluzinogenes Erlebnis kann durchaus auch als beängstigend erfahren werden. Bei den Probanden in Dr. Grobs Untersuchung war das allerdings nicht der Fall.

"Viele von ihnen haben berichtet, dass sie eine sehr tiefgehende Erfahrung gemacht haben, einem Tagtraum ähnlich. Sie haben einen Blick zurück auf ihre Vergangenheit geworfen und Erkenntnisse über ihren bisherigen Lebensweg gewonnen. Manche haben sich ihrem Lebenspartner sehr viel näher gefühlt als zuvor. Und einige hatten ein spirituelles oder religiöses Erlebnis. Je nachdem, welchem Glauben sie angehörten. Für alle war es jedenfalls eine sehr kraftvolle Erfahrung und ein positiver Einfluss auf ihre Lebensqualität. Nicht nur während der Sitzung selbst, sondern auch noch Tage, Wochen, Monate später."

An der kalifornischen Studie haben nicht mehr als zwölf Patienten teilgenommen. Charles Grob möchte seine Untersuchung daher nur als einen ersten Hinweis auf die Wirksamkeit von Psilocybin gegen Angststörungen verstanden wissen. Gestützt wird das Ergebnis durch Wissenschaftler an renommierten Universitäten in New York und Baltimore, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Trotz aller Erfolge bei der Behandlung der schwer kranken Patienten warnt der Mediziner allerdings davor, allzu sorglos mit der Pilzdroge umzugehen.

"Es ist sicher riskant, mit diesen Drogen unkontrolliert umzugehen. Ihre Wirkung kann sehr, sehr stark sein. Eine Person, die diesen Wirkstoff einnimmt, kann eine psychische Störung entwickeln, wenn sie nicht ausreichend auf das Erlebnis vorbereitet worden ist und zudem besonders anfällig auf die Substanz reagiert. Wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen für solche Studien sehr gewissenhaft ausarbeiten. Die Risiken sind natürlich deutlicher ausgeprägt, wenn solche Stoffe als Freizeitdroge eingenommen werden."

Seine Forschung möchte Charles Grob in Zukunft weiter ausdehnen. Dafür braucht er aber noch weitere Patienten. Das könnte eine Herausforderung werden, denn die Richtlinien der Zulassungsbehörde verlangen, dass diese Probanden – abgesehen von der Krebserkrankung – kerngesund sein müssen.

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