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Duales Studium Solartechnik in Gefahr

Partnerunternehmen Q-Cells schlingert noch in der Insolvenz

Von Thomas Matsche

Der Sitz des Solarkonzerns Q-Cells in Thalheim.
Der Sitz des Solarkonzerns Q-Cells in Thalheim. (picture alliance / dpa - Jan Woitas)

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells produziert wieder, doch eine millionenschwere Schuldenlast drückt. Es ist nicht klar, ob Q-Cells einen neuen Investor bekommt oder abgewickelt wird. Diese Unsicherheit hat auch Auswirkungen auf den deutschlandweit einzigen dualen Studiengang Solartechnik.

Professor Henry Bergmann und Student Robert Olyschläger vom Studiengang Solartechnik begutachten eine Solaranlage auf dem Dach des Technologiezentrums der Hochschule Sachsen-Anhalt. Größere Schäden haben die glänzenden Solarplatten nicht genommen und Henry Bergmann hofft, dass es mit der Solarbranche …

" ... auch so weiter gehen wird."

Ein frommer Wunsch. Denn über der Solarindustrie sind dunkle Wolken aufgezogen. Solar-Unternehmen gehen pleite oder stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Eine Entwicklung, die sich auch auf den dualen Studiengang Solartechnik, dem einzigen in Deutschland, auswirkt. Denn das Studium baut neben der ingenieurswissenschaftlichen Theorie auf Praktika in Partnerunternehmen aus der Region auf. Zwei von sechs Praxispartnern des dualen Studiengangs, Q-Cells und Sovello, sind inzwischen insolvent. Studiengangsleiter Henry Bergmann ist aufgeschreckt.

"Ja, natürlich haben wir uns nicht darüber gefreut wenn eine Branche, die für mich eine wichtige Branche in der Energieerzeugung von Gegenwart und Zukunft ist, wenn es dieser Branche schlecht geht. Und ich muss ehrlich sagen, natürlich hat man auch Befürchtungen für den Studiengang und man macht sich Sorgen, wie es weiter geht."

Das Studium könnten die 12 Studierenden in den beiden betroffenen Unternehmen erst einmal fortführen. Ob sie dort auch noch in einem halben Jahr sein werden, sei allerdings nicht sicher, so Bergmann. Das hänge davon ab, ob die Unternehmen einen neuen Investor bekommen oder abgewickelt werden. Im Notfall müsste ein anderes Partnerunternehmen die Studierenden übernehmen oder wenn nötig könnte der Studierende in den parallel laufenden nicht-dualen Studiengang Solartechnik wechseln. Auch das Praktikumsgehalt, das die Studierenden von den Unternehmen erhalten, werde nach einer Insolvenz nur drei Monate weitergezahlt. Falls es danach mit dem Unternehmen nicht weitergeht, müssten sich die Studierenden um eine andere Finanzierung bemühen. So wie alle anderen Studierenden auch, sagt Prof. Dr. Norbert Bernhard, Lehrender im Photovoltaik-Fachbereich der Hochschule Sachsen-Anhalt.

"Man kann das Studium finanzieren über BAföG, wenn man BAföG-anspruchsberechtigt ist. Ansonsten sind in der Regel die Eltern in der Lage, einen entsprechend zu unterstützen. Oder man kann natürlich auch in der vorlesungsfreien Zeit jobben."

Rund 500 Euro im Monat erhalten die Studierenden. Robert Olyschläger, der bei Q-Cells sein Praktikum macht, bezieht sein Gehalt aus dem Insolvenztopf. Er ist einer von fünf Studierenden, die noch im Unternehmen verblieben sind. Doch trotz der beruflichen Unsicherheiten hat Robert Olyschläger die Wahl des Studiums nicht bereut.

"Um ehrlich zu sein, ich wahrscheinlich hätte mich sonst gar nicht für ein Studium interessiert, weil ich eher der Mann bin, der diese praktische Variante braucht."

In vielen Bundesländern gehöre die duale Ausbildung inzwischen ganz selbstverständlich dazu. Laut einer Studie des Instituts für Qualifikation und Arbeit beginnen jährlich 60.000 Abiturienten in Deutschland ein duales Studium. Das ist ein Drittel mehr als 2005. Praxisnähe und enge Bindung an das Unternehmen seien für viele junge Menschen attraktiv. Umso problematischer sei es, dass die Politik nicht in dem Bereich nicht viel geregelt habe, kritisiert Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Probleme mit dualen Bildungsangeboten erlebt die Politikerin immer wieder – auch auf anderer Ebene.

"Wenn Unternehmen pleitegehen, die Lehrlinge ausbilden, stehen die sehr oft auf der Straße, werden nicht immer von anderen Unternehmen aufgefangen, und werden, wenn sie Glück haben, über einen vollzeitschulischen Bildungsgang dann zum Abschluss gebracht, haben dann aber auch nicht mehr die gleichen Chancen. Ein bisschen eine Parallele entsteht jetzt hier. Das macht deutlich, dass in solchen Fällen dann halt immer die Auszubildenden oder Studierenden immer auch abhängig sind von den Wirtschaftsunternehmen, mit dessen Interesse sie das Studium auch machen."

Was passiert, wenn weitere Partnerunternehmen der Hochschule Sachsen-Anhalt pleitegehen sollten, kann Studienfachleiter Henry Bergmann nicht sagen. Die Hochschule sehe sich kontinuierlich nach neuen Industriepartnern um. Die insolventen Solarunternehmen wollten sich übrigens nicht zu der Problematik äußern.

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