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StartseiteUmwelt und VerbraucherEin Feld voller Schadstoffe27.06.2013

Ein Feld voller Schadstoffe

Die Folgen der Flut für die Bauern

Auen sind als Grünland oder Acker besonders fruchtbar. Das liegt daran, dass die Flüsse mit jedem Hochwasser wertvolle Nährstoffe aus dem Gebirge in die Auenlandschaften schwemmen. Das Hochwasser bringt aber auch Schadstoffe. Den Bauern machen vor allem Schwermetalle zu schaffen.

Von Annegret Faber

Mit der Flut wurde Arsen, Kadmium und Blei in die Felder gespült. (dpa / Jens Wolf)
Mit der Flut wurde Arsen, Kadmium und Blei in die Felder gespült. (dpa / Jens Wolf)
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Wenn der Acker weichen muss
Hochwasser 2013

"Und da ist der Damm gebrochen, wo die Sandsäcke liegen. Zum Zeitpunkt des Hochwassers waren die Wiesen nicht gemäht. Der volle Pflanzenbestand steht also noch auf den Wiesen und dort ist das Wasser reingelaufen, und wenn sie jetzt auf die Wiese schauen, das ist also ein Gemisch aus Lehm und Sand und Schadstoffen."

"Sieht braun aus."

"Ja, und wie das technisch geräumt werden soll, das ist mir noch nicht klar und vor allem ist mir nicht klar und wohin mit den enormen Massen von Grüngut."

Die Weide sei so schadstoffbelastet, dass ihm die Ernte niemand mehr abnehme, sagt Bauer Klaus Götze aus Sachsen. Seine Felder liegen an der Mulde. Vor allem Arsen, Kadmium und Blei seien mit dem Wasser in die Felder gespült worden.

"Die Mulde kommt aus dem Erzgebirge, im Erzgebirge regnet es sehr viel, versickert in den ganzen alten Bergbauschächten, tritt dann wieder zutage und bringt eben Schwermetalle mit."

Dieses Problem haben nach einer Flut alle Bauern. Allerdings ist nicht vorhersehbar, welche Schadstoffe wo landen. Die Bauern machen deshalb Messungen. Denn Flüsse haben eine sogenannte geogene Hintergrundbelastung, erklärt Professor Martin Socher, vom sächsischen Umweltministerium,

"… die sowohl durch historischen Altbergbau entstanden ist, aber auch aus dem Bergbau, wie er noch im vergangenen Jahrhundert hier umgegangen ist, von der Wismut, Steinkohlebergbau, Erzkohlebergbau."

Auch Schadstoffe aus der Industrie liegen in den Flusssedimenten. Die stammen sogar noch aus Vorkriegszeiten, ergänzt Professor Wolf Tümplin vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg.

"Und wenn wir deutschlandweit gucken, haben wir eine ganze Reihe von chemischen Industriegebieten, die auch durchaus bis heute belastet sind. Das ist nicht ein Phänomen, was wir nur in Mitteldeutschland haben."

Die Sedimente sind das Langzeitgedächtnis unserer Flüsse. Im Gegensatz zum Wasser, vergessen sie nichts. Blei, Nickel, Kobalt, Quecksilber, Zink, Arsen. Doch es wird weniger im Laufe der Jahre. Beispiel Kadmium. Anfang der 1990er-Jahre wurden in der Weißen Elster, in Sachsen, noch 100 Milligramm pro Kilogramm Sediment gemessen, erklärt Dr. Lutz Zerling von der sächsischen Akademie der Wissenschaften.

"Wenn man heute misst, dann hat man in den jüngeren Sedimenten vielleicht fünf, sechs, sieben, zehn Milligramm Kadmium, was immer noch viel ist."

Nach einem Hochwasser lagern sich die Giftstoffe nicht nur im Boden ab, sondern auch auf den Pflanzen. Die Ernte muss vernichtet werden. Wie, weiß Bauer Götze nicht. Selbst Biogasanlagenbetreiber würden das Grün nicht nehmen.

"Weil sie Angst haben um ihre Bakterienkulturen in der Biogasanlage. Wenn sie das kontaminierte Zeug einsetzen, werden die Kulturen das nicht überleben."

Eine Lösung könnte eine über 100 Jahre alte Methode der Energiegewinnung sein: das HTC-Verfahren, die hydrothermale Carbonisierung. Ein thermochemisches Verfahren, mit dem feuchte Biomasse in zwei bis vier Stunden zu CO2 neutraler Biokohle umgewandelt wird. Thomas Kläusli hat es mit einem Schweizer Unternehmen wieder entdeckt und praktiziert es bereits an drei deutschen Standorten.

"Es ist vergleichbar mit einem Dampfkochtopf. Die Biomasse wird etwa auf 220 Grad aufgeheizt bei einem Druck von 22 Bar und nach vier Stunden ist diese Biomasse komplett umgewandelt und liegt in Form von CO2-neutraler Biokohle vor."

Agrarunternehmer Bauer Klaus Götze hofft indes nicht nur seine Ernte los zu werden, sondern auch auf Entschädigung. 300.000 Euro hat ihn die Flut gekostet. Das sind 20 Prozent seines Jahresumsatzes.

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